Biomasseanlage des EVS bringt pro Jahr rund 7000 LKW mehr nach Velsen

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücken-Klarenthal : Pro Jahr rund 7000 LKW mehr nach Velsen

Der Bezirksrat West hatte die Bürger ins Klarenthaler Rathaus eingeladen, um sie darüber zu informieren, welche Belastungen zu erwarten sind, wenn ab 2024 die Biomasseanlage des EVS läuft.

Im Jahr 2024 soll die neue Biomasseanlage des Entsorgungsverbandes Saar (EVS) in Velsen in Betrieb genommen werden. Ab diesem Zeitpunkt soll dort der Inhalt der grünen Biotonnen aus dem ganzen Saarland (55 000 Tonnen pro Jahr) in Rohgas, Pellets und Biodünger umgewandelt werden.

Wie EVS-Geschäftsführer Georg Jungmann sagt, wird es im Zusammenspiel mit der direkt daneben stehenden Müllverbrennungsanlage ein perfekter Kreislauf für die Umwelt werden, den es so in ganz Deutschland nicht gibt.

Aktuell wird der Biomüll aus dem Saarland noch nach Thüringern und Frankreich transportiert. Wie der EVS mitteilte, fallen durch diesen Transport jährlich 1,4 Millionen LKW-Kilometer an. Diese Umweltbelastung würde ab dem Jahr 2024 ebenfalls wegfallen.

Am vergangenen Donnerstag hatte der Bezirksrat West ins Klarenthaler Rathaus zu einer Bürgerinformation eingeladen. „Es ist zwar noch viel Zeit, bis die neue Biomasseanlage steht, doch wir wollen jetzt schon informieren und die Bürger mit ins Boot holen“, sagte Bezirksbürgermeisterin Isolde Ries zu Beginn der Veranstaltung.

Baubeginn an der etwa 40 Millionen Euro teuren Anlage soll im Jahr 2022 sein. Etwa 40 Bürger kamen zu der Versammlung, und es wurde schnell klar, dass es im Prinzip nur einen einzigen, aber heftigen Kritikpunkt an der geplanten Anlage gibt – und das ist der zusätzliche Verkehr. Eine Geruchsbelästigung schloss der EVS aus.

„Durch die Müllanlieferungen zur Verbrennungsanlage ist es jetzt schon eine Katastrophe, und die Gläser klirren in den Schränken, wenn die LKW vorbeifahren. Noch mehr LKW –  das wird einfach nicht funktionieren“, sagte eine Anwohnerin der L 163. Der EVS geht davon aus, dass sich mit der Biomasseanlage die Anzahl der jährlichen LKW-Anfahrten um 7000 erhöhen wird. Im Schnitt sollen es 37 Anfahrten pro Tag sein und in Spitzenzeiten 63 Anfahrten pro Tag. Für diese Anfahrten gibt es die klare Regelung, dass die LKW nur die Autobahn und die L 163 nutzen dürfen.

Haben die Fahrer abgeladen, dann dürfen sie auf dem Rückweg allerdings die Strecke nehmen, die sie wollen – und nutzen oft Schleichwege durch die Ortschaften. Gleiches gilt für private Verkehrsteilnehmer, die dem täglich mehrfachen Stau auf der Saaruferstraße und der L106 entkommen wollen. „Wir versuchen es auch zu regeln, dass die Abfahrten nur über die L163 und die Autobahn erfolgen dürfen“, sagte Christopher Freichel, ebenfalls Geschäftsführer des EVS.

Ein Anwohner gab zu bedenken, dass durch die 7000 zusätzlichen LKW die Geruchs- und Umweltbelastung wachse. Eine Anlieferung des Biomülls per Bahn schloss der EVS aus wirtschaftlichen und Umweltgründen aus. „Es müssten zentrale Verladestellen gebaut werden, und beim Verladen würde zu viel Methangas entweichen, das haben unsere Experten bereits analysiert“, sagte Jungmann.

Schallschutzmauern und sogenannter Flüsterasphalt könnten  zum Schutz der Bevölkerung errichtet bzw. verlegt werden.  Eine Erweiterung der L163 von zwei auf drei Spuren schlossen alle Beteiligten aus. Kreisverkehre statt Ampelschaltungen könnten den Verkehr auf der Saaruferstraße besser regeln. Aber all diese Maßnahmen stellen die Anwohner nicht zufrieden. Die erhöhte Verkehrsbelastung mit all ihren Auswirkungen würde dennoch bleiben.

Das größte Biomasseprojekt des Saarlandes ist ein ausgetüfteltes und sinnvolles Umweltvorhaben, das allerdings noch mit einem massiven Verkehrsproblem belastet ist. Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt war ebenfalls anwesend, Er  möchte, da es sich um ein Projekt des Landes handelt, die Kontakte zum Land noch einmal intensivieren. Am 7. November, 16 Uhr, wird sich der Bezirksrat West in seiner öffentlichen Sitzung im Burbacher Bürgerhaus noch einmal damit befassen.

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