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Transfergesellschaft PEAG vermittelt Ex-Mitarbeiter von Halberg Guss

Kostenpflichtiger Inhalt: Transfergesellschaft : Wo frühere Gusswerke-Mitarbeiter Hilfe finden

Die Transfergesellschaft PEAG betreut 88 ehemalige Beschäftigte der Saarbrücker Gießerei. Die Vermittlung neuer Jobs ist eine Herausforderung.

Dritte Etage eines älteren Verwaltungsbaus in Saarbrücken-Brebach. „Halberg Guss“ steht groß an der Glastür im Treppenhaus und klein daneben PEAG Transfer. Hier hatte Halberg Guss – die heutigen Gusswerke Saarbrücken – Büros für Verwaltungsmitarbeiter, zum 1. August 2019 hat die Transfergesellschaft PEAG die Räume bezogen. Seitdem ist hier die Anlaufstelle für 88 frühere Mitarbeiter der Gusswerke Saarbrücken, die im Juli einer Auflösung ihrer Arbeitsverträge mit den Gusswerken und einem Wechsel zur PEAG zugestimmt hatten.

Die Aufgabe der PEAG: die 88 ehemaligen Gießereimitarbeiter in neue Jobs zu vermitteln und dafür zu qualifizieren. Einfach ist das offenkundig nicht. „Der Arbeitsmarkt hier in Saarbrücken ist relativ schlecht“, sagt Manuela Barry, eine von drei PEAG-Beratern in Saarbrücken, die sich um die früheren Gießerei-Beschäftigten kümmern. Stellen für Industriearbeiter sind im Saarland rar geworden. Die Branche hat 2019 mehr als 3000 Arbeitsplätze abgebaut. Einige große Betriebe, zum Beispiel Saarstahl, haben Kurzarbeit angemeldet. Viele Bewerber konkurrieren um wenige Stellen.

Im Flur hängt zwar das eine oder andere Stellenangebot für Maschinenführer, Staplerfahrer oder Hausmeister. Doch reicht das bei weitem nicht für alle, und die Stellen sind nicht für jeden etwas. Wer Familie hat, wird wohl kaum leichthin beim Eisenwerk Brühl nahe Köln anheuern wollen, und bei Zeitarbeit ist laut Barry so mancher skeptisch. Allein schon wegen des Lohnniveaus. Die Stellen, die ausgeschrieben sind, würden mit einem Stundenlohn von im Durchschnitt elf bis 15 Euro bezahlt, sagt Barry. Weniger als bei Halberg Guss. Daher haben viele „Angst, dass sie finanziell nicht rumkommen“, wenn sie sich auf einen Job mit niedrigerem Lohn einlassen, erläutert Barry. Diese Sorge sei auch deswegen groß, weil die Gusswerke die versprochenen Abfindungen nicht gezahlt hätten. Damit fehle Geld, um geringe Löhne auszugleichen.

„Ich kann jedem Arbeitgeber raten, sich die Leute anzugucken“, wirbt Barry für ihr Klientel. „Die können anpacken“, sie seien hoch motiviert und „offen, etwas Neues zu machen“. Das sei nicht selbstverständlich angesichts dessen, was die Gusswerke-Mitarbeiter erdulden mussten: das jahrelange Bangen um den Arbeitsplatz, die nervenzehrende Auseinandersetzung der Belegschaft mit dem ehemaligen Eigentümer Prevent und der sich beschleunigende Niedergang unter One Square Advisors, der schließlich in die neuerliche Insolvenz führte. Einige seien psychisch krank geworden. Man habe sie „erst einmal zum Therapeuten schicken müssen“, sagt Barry.

Überhaupt hätten viele der früheren Gießerei-Mitarbeiter Handicaps, die eine Vermittlung erschweren, sagt Barrys Kollege Oliver Dumke: zum Beispiel keine abgeschlossene Berufsausbildung, kein Schulabschluss oder mäßige Deutschkenntnisse. Außerdem hätten viele lange bei Halberg Guss gearbeitet und seien schon älter. Der Altersdurchschnitt liege bei über 50 Jahren, sagt Dumke. Ein einfaches, für alle anwendbares Rezept der Arbeitsplatzvermittlung gibt es nicht, weil die früheren Gießerei-Beschäftigten so unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. „Wir müssen jeden da abholen, wo er ist“, sagt Barry. Die Qualifizierungsangebote müssten zu jedem Einzelnen passen, sagt sie. Dabei sei es nicht möglich, jemandem etwas aufzudrängen, was er nicht will. „Transfergesellschaften sind Lösungsfinder“, fasst Barry ihre Arbeitsweise zusammen. Heraus kommt eine individuelle Förderung für ein berufliche Neuorientierung: ein Deutschkurs, Bewerber-Training, eine Gabelstapler-Fahrer-Schulung, eine Vermittlung in einen Busfahrer-Lehrgang oder eine Umschulung zum Fachinformatiker für Systemintegration.

Die Neuorientierung wird dadurch erleichtert, dass die Bewerber, wenn sie wollen, zur Probe arbeiten können. Zwischen einem Tag und sechs Monaten sei alles möglich. Auch können die früheren Gießerei-Beschäftigten laut Barry eine neue Arbeit annehmen, den Vertrag mit der PEAG „ruhend“ stellen und wieder zurückkehren, wenn es mit dem neuen Job doch nicht klappt.

Inzwischen verbucht PEAG einige Erfolge. Elf frühere Gusswerke-Beschäftigte hätten eine neue Stelle gefunden und ihr Arbeitsverhältnis mit der PEAG gekündigt, sagt Dumke. Weitere Zahlen will er nicht nennen. Doch habe eine Vielzahl von Mitarbeitern inzwischen Perspektiven für die Zukunft. Und die sehen laut Dumke sehr unterschiedlich aus: Zum Beispiel bleibt einer in der Gießerei-Branche, verlässt das Saarland und wechselt zum Eisenwerk Brühl; ein anderer hat eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer in Aussicht, einer schult bei der Deutschen Bahn zum Lokführer um. Bis zum 31. Juli ist die Anstellung der früheren Gießerei-Beschäftigten bei der PEAG befristet. So lange bekommen sie die Unterstützung in dem Brebacher-Büro. Danach stehe das Team aber noch telefonisch oder per E-Mail-Kontakt für Anfragen zur Verfügung. Wer bis dahin keinen Job hat, wird von der Bundesagentur für Arbeit weiterbetreut.

Auch wenn die 88 früheren Gusswerke-Beschäftigten der höchstwahrscheinlich verlorenen Abfindung nachtrauern, „haben sie Glück gehabt“, sagt Barry. Wegen der Anstellung für ein Jahr und der Hilfestellung. Die zum 31. März gekündigten 1000 Gusswerke-Mitarbeiter werden es vermutlich ungleich schwerer haben.