2020 steht bei Ford in Saarlouis ein "Strategieprozess" an

Kostenpflichtiger Inhalt: Delegiertenversammlung : Gewerkschaft rüstet sich für Kampf um Ford

Wie es nach dem Focus, der noch bis 2024 in Saarlouis vom Band läuft, weitergeht, war Thema der Delegiertenversammlung der IG Metall.

Die Zukunft des Saarlouiser Ford-Werks über das Jahr 2024 hinaus ist weiter ungewiss. Das einzige, was die Gewerkschaft IG Metall kürzlich erfahren hat, ist, „dass der Autobauer für das kommende Jahr einen Strategieprozess angekündigt hat“. Das sagte der 1. Bevollmächtigte der IG Metall-Verwaltungsstelle Völklingen, Lars Desgranges, anlässlich der Delegiertenversammlung in der laufenden Legislaturperiode (2016 bis 2019) in Saarlouis.

Diesen Strategieprozess für die Werke habe der Europa-Chef von Ford, Stuart Rowley, in der vergangenen Woche am Ende einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung angekündigt. „Dieser Prozess ist mit Blick auf die deutschen Standorte in Köln und Saarlouis unausweichlich“, sagte Desgranges. Nachdem die Belegschaft in diesem Jahr jedoch die „schmerzhafte Umgestaltung eines Drei- in einem Zweischicht-Betrieb“ mitgemacht habe, „ist jetzt die Arbeitgeber-Seite in der Pflicht, auch Perspektiven für den Standort aufzuzeigen“, rief er den Delegierten zu. „Wenn diese Perspektiven in diesem Strategieprozess erkennbar sind, dann gehen wir als IG Metall dort gerne mit.“ Wenn nicht, „dann geht es 2020 um mehr als nur die Wurscht“. In diese Auseinandersetzung wolle die Gewerkschaft „gut aufgestellt gehen“. Zusammen mit den Mitarbeitern im Kölner Werk des US-Autobauers „haben wir vor, eine starke Visitenkarte in Richtung der Ford-Verantwortlichen in Europa abzugeben“.

Der Autobauer reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß. Zum einen werde grundsätzlich nichts öffentlich kommentiert, „was in nicht-öffentlichen Aufsichtsratssitzungen besprochen wurde“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Zudem erinnerte er daran, dass Ford bereits 200 Millionen Euro an Investitionen zugesagt habe, die für die Modellpflege der aktuellen Focus-Generation aufgewendet werden sollen. „Weitere Pläne für unseren Standort in Saarlouis werden wir zu gegebener Zeit kommunizieren“, sagte der Sprecher weiter.

Im Sommer lief die dritte Schicht im Saarlouiser Ford-Werk aus. Betroffen davon waren rund 1600 Frauen und Männer, deren Arbeitsplätze wegfielen. Weitere 700 Jobs wurden im Zulieferpark gestrichen, schätzt die IG Metall. Auch dort war die dritte Schicht überflüssig. Die Produktion des Kompakt-Vans C Max hatte der Autobauer wegen mangelnder Nachfrage eingestellt. Der aktuelle Ford Focus, der in Saarlouis derzeit vom Band läuft, soll noch bis 2024 produziert werden. Was danach kommt, ist derzeit völlig offen.

Für die Tarifrunde 2020 in der Metall- und Elektroindustrie seien das keine guten Vorzeichen, sagte Desgranges. Im Gegensatz zu der Tarifauseinandersetzung 2018, wo die Wirtschaft auf Hochtouren lief, „betreiben wir die bevorstehende Runde in einer Krisensituation“. Im Vordergrund der Verhandlungen müssten neben einem höheren Entgelt „die Sicherung der Beschäftigung und eine bessere betriebliche Altersvorsorge stehen“. Die Herausforderungen hin zu einer möglichst klimaneutralen Produktion seien für die Unternehmen gewaltig. „Egal ob Stahl oder Automobil, eine derartige Veränderung der Industrielandschaft hat es seit der Erfindung der Dampfmaschine nicht mehr gegeben“, sagte Desgranges.

Heftige Kritik übte er an dem Vorschlag der Bundesbank, das Rentenalter mittelfristig auf fast 70 Jahre anzuheben. „Wo haben wir denn die Arbeitsplätze für die Alten?“, fragte er. „Wir haben augenblicklich nicht einmal die Arbeitsplätze für die Jungen, die Befristeten und die in Leiharbeit Beschäftigten.“ Er forderte, „dass alle, die 45 Jahre gearbeitet haben, das Recht auf eine abschlagfreie Rente haben“ und dass das Rentenniveau angehoben werden müsse.

Für die Beratung der französischen Grenzgänger ist bei der Verwaltungsstelle künftig Gewerkschaftssekretär Markus Andler zuständig. Zuvor hatte sich der ehemalige 2. Bevollmächtigte Guido Lesch, der inzwischen in Rente ist, darum gekümmert. „Diese Beratung bleibt notwendig, weil wir von einem Europa der Arbeitnehmer noch weit entfernt sind“, sagte Andler. Auch die intensiven Kontakte zur Grenzgängervereinigung in Frankreich, die inzwischen 23 000 Mitglieder habe, „werden beibehalten“. Zuletzt konnte erreicht werden, dass die Abfindungen für die Grenzgänger, die bei Ford gearbeitet haben, steuerfrei blieben. „Dafür haben wir lange, aber erfolgreich verhandelt“, sagte der zuständige Ford-Betriebsrat, Cedric Moltini.

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