Junger Geflüchteter aus Eritrea findet in den Arbeitsmarkt

Kostenpflichtiger Inhalt: Erfolgreiche Integration : Der Berufsweg eines jungen Flüchtlings

Der 19-Jährige Eritreer Henok Mahari hat mit Hilfe des Caritas-Zentrums Saarpfalz und des Projektverbandes „Pro Integra“ Arbeit im Saarland gefunden.

Inzwischen sind Erfolgsberichte über Geflüchtete, die im Saarland eine Ausbildung oder Arbeit finden, keine Seltenheit. Doch wie steht es um die wirklich schwierigen Fälle – insbesondere bei den Jugendlichen am Übergang zum Erwachsenenalter? Um sie kümmert sich der Projektverbund „Pro Integra“ der Caritas im Saarland.

Henok Mehari (19) hat nach langen Wirren mithilfe des Intensiv-Projektes doch noch die Chance zum Berufseinstieg bekommen. Henok Mehari ist schüchtern. Nach drei Jahren in Deutschland versteht der 19-Jährige gut deutsch, spricht aber immer noch wenig. Doch aktuell verbessert sich das Reden auf deutsch von Tag zu Tag – hier oben auf dem Dach eines Einfamilienhauses, das von der Firma Richard Grimm & Söhne aus Homburg gerade eingedeckt wird. Henok ist auf dem hoch gelegenen Terrain trittsicher und reagiert schnell auf Anweisungen der erfahrenen Dachdecker. Henok Mehari wurde geboren am 1. September 2000 in Dekemhare, Eritrea. Im August 2016 kommt der damals knapp 16-Jährige als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland und dann im September ins Saarland. Bis zu seinem 18. Geburtstag ist er beim Christlichen Jugenddorf (CJD) in Homburg untergebracht.

Als Volljähriger muss er aber aus der Jugendhilfe ausscheiden, sich eine Wohnung suchen und von diesem Tag an alleine sein Leben regeln. Das heißt auch: E-Mails schreiben, beim Jobcenter Leistungen beantragen oder Anträge ausfüllen. „Es war für uns schnell klar, dass Henok mehr als einige wenige Beratungen benötigt“, sagt der Leiter des Caritas-Zentrums Saarpfalz, Andreas Heinz. „Für Henok war ,Pro Integra‘ genau die richtige Hilfe, da sie aufsuchend und begleitend konzipiert ist.“ Und so kam Henok Mehari am 19. September 2018 erstmals zu Caritas-Mitarbeiterin Anika Bastigkeit aus dem Projekt „Pro Integra“.

Dabei handelt es sich um ein von der Ruhrkohle AG (RAG) gefördertes Intensivprogramm, das seit September 2017 junge Flüchtlinge in Schule, Ausbildung und Arbeit zu vermitteln versucht – und zwar in Form einer individuellen Begleitung. „So begann unser gemeinsamer Weg“, sagt die Beraterin und erzählt von den rund 40 gemeinsamen Terminen, die sie zusammen mit Henok Mahari hatte. „Er bekam wie andere Jugendliche in ähnlichen Situationen auch meine Diensthandynummer. Unter der kann er mich in dringenden Fällen direkt erreichen. Man kann sich ja vorstellen, wie schwer es einem jungen Mann in einem fremden Land und ohne Unterstützung seiner Eltern fallen muss, mit der deutschen Bürokratie klarzukommen“, sagt Anika Bastigkeit.

Laut der Diplom-Sozialarbeiterin hat Henok von Anfang an sehr gut mitgearbeitet. „Er ist sehr zuverlässig und überpünktlich. Die von mir aufgetragenen Aufgaben hat er immer direkt erledigt. Ich bin zufrieden mit seiner Entwicklung, seiner Mitarbeit und seiner Motivation.“ Doch es gab auch Rückschläge. Denn Henok konnte keinen Schulabschluss erwerben. Von Oktober 2018 bis zum Ende des Schuljahres im Sommer dieses Jahres absolvierte er bei der Firma Grimm in Homburg ein Praktikum – ein Glücksfall. Denn hier zeigte der Eritreer, was in ihm steckt. „Henok war mit großem Spaß und Eifer bei der Sache“, berichtet Oliver Grimm. „Die Kollegen haben sehr gerne während des Praktikums mit ihm zusammengearbeitet. Deshalb haben wir einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung zugestimmt.“ Das bedeutet: Seit August dieses Jahres arbeitet der Flüchtling in der Firma Grimm mit. Ziel ist für alle Beteiligten, dass Henok übernommen wird. So sieht es aktuell für den jungen Mann richtig gut aus, besser als je zuvor.

Dies gilt auch für zahlreiche andere junge Geflüchtete im Alter zwischen 18 und 25 Jahren an den anderen „Pro Integra“-Projektstandorten im Saarland bei den Caritasverbänden und dem Sozialdienst katholischer Frauen. Die Caritaseinrichtungen in der Landesaufnahmestelle Lebach übernehmen eine koordinierende Funktion. Seit 1. September 2017 wurde bislang 108 junge Männer und 45 junge Frauen von der Caritas im Saarland begleitet.

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