Der 14. Solilauf in St. Ingbert war nichts für Weicheier

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Bei Dauerregen schafften 1188 Läufer im Mühlwaldstadion immerhin noch 12805 Kilometer für den „Wünschewagen“.

Mit solchen Wassermassen, die es beim Solilauf zu bewältigen galt, hatten es die Veranstalter, die Gemeinden St. Pirmin und St. Michael, noch nie zu tun. Gegen das Wasser von oben konnte man sich zur Not mit Regencape oder Schirm schützen, doch der Lauf auf der Bahn wurde zur Schlammschlacht. Auch die Technik kapitulierte. Nicht alle Runden konnten sauber gezählt werden. Doch die hochmotivierten 1188 Teilnehmer waren bester Stimmung und nahmen in Kauf, dass die Kleidung irgendwann vor Dreck stand. Aufgeben war keine Option. Man feuerte sich gegenseitig an, machte Späße und ignorierte das Mistwetter, so gut es ging.

Mehrere Bands sorgten auf der Bühne zusätzlich dafür, dass die Laune auf einem hohen Level blieb. „Wenn man von hier oben auf die vielen Läufer schaut, das motiviert doch trotz des Wetters“, sagte eine Schwalbacherin, die sieben Runden lief. Eigentlich sollten es zehn werden, doch der Regen war einfach zu stark. „Dafür ist meine Tochter extra aus Günzburg gekommen und sie läuft noch weiter“, sagte die 62-Jährige, die das zweite Mal nach 2017 dabei war. Damals ging der Erlös an die „Elterninitiative krebskranker Kinder“, was Motivation für ihre Teilnahme gewesen sei, zumal ihr Sohn selbst an Leukämie erkrankt war. In diesem Jahr war es ihr Herzensanliegen, mit den gesponserten Runden den „Wünschewagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) zu unterstützen, mit dem sterbenskranken Menschen ein letzter Wunsch erfüllt wird. Während die Unermüdlichen wacker ihre Bahnen ums Mühlwaldstadion zogen, schauten sich die Besucher diesen besonderen ASB-Krankenwagen an, mit dem seit Februar 2018 bereits 80 letzte Wünsche erfüllt werden konnten. „Wir finanzieren uns zu 100 Prozent aus Spenden und sind auf jeden Cent angewiesen“, erzählte Projektleiter Jürgen Müller, „laut unserer Kalkulation brauchen wir jährlich rund 100 000 Euro mehr.“ Da kommt der Erlös aus dem Solilauf gerade recht. Das Durchschnittsalter der Fahrgäste sei 55 Jahre, der jüngste war gerade mal sechs Jahre alt. Meist sind es Wünsche wie eine letzte Fahrt ans Meer, aber es sind auch Besuche im Lego-Land oder auch eine Fahrt zur Hochzeit Enkelin, die der Wünschewagen erfüllen hilft. Die Mitarbeiter des ASB lobten die „super Stimmung“ und fanden das Engagement der Läuferinnen und Läufer sowie des Orga-Teams „bewundernswert“.

Von der „Motivationskulisse“ im Stadion ließ sich auch Nabiou Soumanou, Partner des Vereins „Perspektiven für Benin“ anstecken, der die Veranstaltung 2018 erlebte und nun selbst fast zeitgleich mit der St. Ingberter Veranstaltung einen Lauf in seiner westafrikanischen Heimat initiierte, bei dem 200 Läufer an den Start gingen.

Nach 24 Stunden standen im Mühlwald 12805 Kilometer zu Buche. „Respekt, dass trotzdem noch so viele Leute gekommen sind und ihrem Team die Treue gehalten haben“, sagte Gabriele Strobel vom Orga-Team mit Blick aufs Wetter. „Nächstenliebe ist nichts für Weicheier“, hatte Pfarrer Daniel Zamilski am Sonntag im Gottesdienst gesagt und die Läufer damit besonders gewürdigt. „Der Schlamm hat die Wadenmuskulatur ganz schön gefordert“, so Strobel. Einer, der 24 Stunden durchhielt, war der Schweizer Patrick Kaufmann, der mit 144 Kilometern als Sieger ins Ziel kam. Sylke Weingärtner machte mit 78 Kilometern bei den Frauen das Rennen. Teilnehmerstärkstes Team war mit 113 Läufern die DJK-SG.

Den Hut zieht Gabriele Strobel aber auch vor den Kindern: „Die wollten zum Teil gar nicht mehr nach Hause, liefen immer weiter und mussten dann von ihren Eltern regelrecht vom Platz ,gezerrt‘ werden. Solch ein tolles Engagement – als Veranstalter finde ich das genial, was will man mehr.“

www.solilauf.org

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