Wiener Sängerknaben verzauberten Mandelbachtal

Kostenpflichtiger Inhalt: Gastspiel in Ommersheim : Der Zauber der Wiener Sängerknaben

Am Donnerstagabend gastierte der älteste Knabenchor der Welt in der Ommersheimer Pfarrkirche. Das Repertoire umfasste geistliche sowie weltliche Lieder und natürlich weihnachtliche Weisen.

Heidelberg, Stuttgart, Düsseldorf und nun Mandelbachtal – ungefähr so liest sich der aktuelle Tourplan der Wiener Sängerknaben. Manche Konzertbegeisterte werden wohl ihren Augen nicht getraut haben, als in den Veranstaltungshinweisen der Region dieser Knabenchor aus Österreich zum ersten Mal beworben wurde. Entsprechend gut lief der Vorverkauf, auch wenn er zwischendurch mal ins Stocken kam. „Schließlich ist heute Nikolaustag, den viele Familien zuhause verbringen wollen“, sagte am Konzertabend Jan Flieger, stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsvereins Mandelbachtal, „aber das hier ist eine tolle Geschichte für uns.“ Er ist am Veranstaltungstag nicht nur „Security“, sondern war auch in die aufwändigen Vorbereitungen eingebunden. So baute der Schreiner ein Podest, auf dem der Chor, bestehend aus 25 Sängern und ihrem Kapellmeister Jimmy Chiang, später zwischen erleuchteten weißen Stofftannenbäumen, Weihnachtssternen und Geschenken stand.

Manfred Pfeiffer, der Vereinsvorsitzende, hatte vor dem Konzert zwar offene Ohren für alle Belange und kümmerte sich persönlich um einige der 700 Besucher, die ihre Sitzplätze nicht fanden, aber seine Anspannung war trotz der Vorfreude zu spüren.

Und dann war es soweit. Vom ersten Moment an zogen die 25 singenden Jungs die Gäste in ihren Bann, unabhängig vom Liedgut, das zwischen traditionellen lateinischen Kirchenliedern bis zurück ins 15. Jahrhundert aber auch internationalen Titeln in Originalsprache wechselte. Man hing als Besucher unwillkürlich an den Lippen der jungen Sopran- und Alt-Sänger, die dem ältesten Knabenchor der Welt angehören. Sie sind neun bis maximal 14 Jahre alt und ihr „Stammbaum“ reicht bis ins 15. Jahrhundert. „Seit 500 Jahren gibt es sie, und sie waren noch nie im Mandelbachtal“, sagte Pfeiffer bei der Begrüßung, „wir sind aber sehr froh, dass wir sie hier haben.“

Auch der Kapellmeister begrüßte die Zuhörer: „Guten Morgen. Entschuldigung – Guten Abend. Wir wissen schon gar nicht mehr, in welcher Zeit wir sind.“ Kein Wunder, hat dieser Chor doch bis kurz vor Weihnachten mit Proben, Fahrten zu den Tourneeorten und den Auftritten selbst ein straffes Programm zu absolvieren. Da kann man schon mal durcheinanderkommen. Die in Ommersheim gastierenden Jungs gehören dem Haydn-Chor an, der dieses Jahr durch Deutschland tourt. Er ist einer von vier Chören der Wiener Sängeknaben, die alle nach Komponisten benannt sind, die eine enge Beziehung zu diesem Chor hatten, so auch nach Mozart, Bruckner und Schubert.

Der Auftritt der Knaben lässt sich eigentlich gar nicht richtig beschreiben, denn was sie an diesem Abend geboten und geleistet haben, war der „Wahnsinn“, wie es ein Besucher formulierte. So lassen wir einfach ein paar Zuhörer zu Wort kommen, die bereits nach dem ersten Teil des Konzerts aus dem Häuschen waren, noch bevor im zweiten mehr weihnachtliche Literatur und damit bekanntere Titel gesungen wurden. „Oma, stimmts, die singen wie die Engel“, fand demnach eine junge Frau, die vom Gesang ergriffen und den (Freuden-)Tränen nahe war. „Bei den kleinen Kerlen sitzt jeder Ton und das ohne Noten“, bemerkte ein anderer Besucher.

Gerade die Partien, bei denen einige Knaben solitische Parts hatten, zeigte einmal mehr, welch glasklare und teils glockenähnliche Stimmen die Jungs haben. Richtig Spaß hatten die Knaben vor allem bei der Interpretation des „Kaiserwalzer“ von Johann Strauss II oder bei der flotten Polka „Leichtes Blut“ desselben Komponisten. Gut, dass dieses Konzert als Weihnachts- und nicht als Kirchenkonzert deklariert war, bei denen diese beiden Stücke normalerweise nicht dargeboten werden.

Kannte die Bewunderung für die Sänger bereits vorher mit „Bravo“-Rufen und Pfiffen kaum Grenzen, steigerte sich diese noch beim vorletzten Stück. Johann Ritter von Herbecks „Pueri concinite“ endete mit einem „Alleluia“, dessen letzter, lang gehaltener Ton so nachklang, als sei „er nicht von einem Irdischen gesungen“. Mehr Lob wie von dieser Besucherin geht kaum. „Die Wiener Sängerknaben waren da. Nun kann Weihnachten kommen“, sagte ein Ommersheimer nach dem Konzert auf dem Nachhauseweg, den er mit einem vorher aufgeschnappten Ohrwurm behaftet, antrat.