Erste Tipps für das Festival Max Ophüls Preis

Kostenpflichtiger Inhalt: 41. Filmfestival Max Ophüls Preis : Tipps für die „Blaue Stunde“ beim Ophüls-Festival

Am Samstag beginnt der Kartenvorverkauf des 41. Filmfestivals Max Ophüls Preis. Vom 20. bis 26. Januar sind 149 Filme des deutschsprachigen Kinonachwuchses zu sehen. Vorab ein paar Tipps und ein Blick auf die Filme aus dem Saarland.

149 Filme. Lang, kurz, mittellang, fiktiv, dokumentarisch, an insgesamt 247 Kinovorstellungen: Am Montag, 20. Januar, beginnt das nächste Filmfestival Max Ophüls in Saarbrücken (und Ausflügen nach St. Ingbert, Bous und Saarlouis). Karten dafür gibt es ab dem morgigen Samstag – da beginnt in Saarbrücken mit der traditionellen „Blauen Stunde“ der Ticketvorverkauf der 41. Festivalausgabe.

Die Bandbreite im Spielfilmwettbewerb mit seinen 16 Produktionen reicht von Marco Gadges flotter Komödie „Julia muss sterben“ – über eine junge Schauspielerin – bis zu Salka Tizianas getragenem, fast meditativem Film „For the time being“ über Warten und das Verrinnen der Zeit im spanischen Mittelgebirge. Carmen Stadlers skurriler Wettbewerbsfilm „Sekuritas“ schaut dabei zu, wie ein Bürogebäude (!) vor dem Abriss nochmal sein nächtliches Personal in Liebesgeschichten zusammenzubringen versucht. Ausführliche Besprechungen gibt es nach den Uraufführungen – empfehlen kann man aber schon unter anderem Sabrina Mertens’ beklemmenden Film „Fellwechselzeit“ über eine heillos überforderte Mutter, die ihre Tochter permanent am Kontakt mit der Welt jenseits ihres modrigen Hauses zu hindern versucht. Ein schmerzhaft konsequenter Film der Isolation, mit exzellenten Darstellern, einer unbeweglichen, stoisch wirkenden Kamera und einer  Atmosphäre des muffigen Stillstands.

Freya Kreutzkam spielt die Mutter im Film „Fellwechselzeit“. Foto: MOP

Auch im Dokumentarwettbewerb mit seinen zwölf Filmen ist die Themenvielfalt groß: Um die Härte des Profisports geht es („Der perfekte Run“ von Lea Becker), um die Arbeit des Theaterregisseurs Herbert Fritsch („Fritsch’s Pfusch“ von Lisa Wagner), über die Kinder von Einwanderern, die in den USA von ihren Eltern getrennt werden („Arche Nora“ von Anna Kirst) und über die Versuche der Rechtsextremen, das Gedenken an die Bombardierung Dresdens „1945 für ihre Zwecke zu nutzen („Passionsspiele“ von Luka Lara Steffen).

Filme aus dem Saarland

Von saarländischen Filmemacherinnen und Filmemachern gibt es einiges zu sehen. Thomas Scherer hat seine humorige TV-Serie „Unter Tannen“ – über drei Waldarbeiter im Saar-Forst, einen Geldkoffer und eine herzlich unsympathische Gangsterbande – zu einem Kinofilm gemacht: von zwei Stunden SR-Serie auf anderthalb Stunden eingedampft, mit teils neuer Musik und Szenen, die im TV nicht zu sehen waren. Bei Ophüls erlebt „Unter Tannen“ in der Kinofassung seine Uraufführung, Regisseur/Autor Scherer hofft auf das Interesse eines Filmverleihs und würde mit dem Film gerne übers (bundesweite) Land reisen. (25. Januar, 13 Uhr; 26. Januar, 14.45, jeweils Cinestar).

Bejo Domen und Gerhard Polacek in „Unter Tannen“. Foto: WP Films

Der Saarbrücker Filmemacher Philipp Majer (Regie, Buch, Kamera, Montage) zeigt seine abendfüllende Doku „World Taxi“ über 24 Stunden im Leben von Taxifahrerinnen und Taxifahrern in Berlin, El Paso, Dakar, Bangkok und Prishtina. (25. Januar, 19.30 Uhr, Cinestar).

24 Stunden in fünf Städten: ein Motiv aus der Dokumentation „World Taxi“ des Saarbrücker Filmemachers Philipp Majer. Foto: Philipp Majer

In einem saarländischen Programm zusammengefasst sind fünf Filme zwischen drei und 29 Minuten Länge (22. Januar, 14 Uhr, und 25. Januar, 17.30 Uhr, jeweils im Cinestar): Als Uraufführung läuft der Kurzfilm „Weißes Herz“ von Nicola Bläs – ein Siebenminüter über einen jungen Mann, der die Gesellschaft von Schaufensterpuppen als nervenschonend empfindet im Vergleich zum Kontakt mit leibhaftigen Menschen. Kilian Armando Friedrich schildert in seinem Dokumentarfilm „Ich will ins Paradies“ (16 Minuten) das Leben einer Frau, die nachts Zeitungen austrägt und tagsüber Wohnungen abklappert, um das Wort Gottes zu predigen. In der Komödie „Ich bin Kunst“ (29 Minuten, Koproduktion der Kunsthochschule in Saarbrücken) erzählen Roman Eich und Raphael Petri von einem Doku-Regisseur, der mit einem Rundum- und Großkünstler das sprichwörtliche blaue Wunder erlebt. Anne Rieckhof ist als Schauspielerin seit 2017 am Saarländischen Staatstheater engagiert, dreht seit 2015 Kurzfilme und zeigt ihren dreiminütigem Experimentalfilm „Traumfactory“ über einen Dreaming-On-Demand-Dienst mit Traum je nach Wunsch. Als Uraufführung läuft „Headache“ von Tobias Kirschner und Philip Müller, die an der HBK in Saarbrücken studieren – der 22-Minüter erzählt vom Sprayer Kareem, den eine Graffiti-Tour buchstäblich einholt.

In der Kinderfilmreihe zeigt die Regisseurin Lydia Bruna aus Saarlouis als Uraufführung ihren 15-minütigen Film „Omas Geheimnis“ über eine Großmutter, die plötzlich ein merkwürdiges Gebaren an den Tag legt. (24. Januar, 15 Uhr, Kino Achteinhalb). Uraufgeführt wird auch der jüngste „Tatort“ von der Saar mit den beiden neuen Ermittler-Darstellern Daniel Sträßer und Vladimir Burlakov: „Das fleißige Lieschen“ heißt ihr erster Fall, der in der ARD erst am Ostermontag im April Premiere feiert – bei Ophüls ist er am 24. Januar um 21.30 Uhr im Cinestar zu sehen.

Runa Scholz in Lydia Brunas Film „Omas Geheimnis“. Foto: MOP/Sebastian Knoebber

Vergäbe das Festival einen Preis für den längsten oder den originellsten Titel, müsste er in diesem Jahr an eine Web-Serie gehen  (acht Folgen à acht bis zehn Minuten): „Haus Kummerveldt oder wie die Adlige Luise Hysterie heilte, indem sie so lange schrie, bis ihr Korsett von der Taille in des Vaterlands Fresse platzte“. (21. Januar, 20.30 Uhr, Camera Zwo; 23. Januar, 10 Uhr. Cinestar). Regisseur Mark Lorel erzählt von einer jungen Blaublütigen, die die engen Grenzen im Deutschen Kaiserreichs des 19. Jahrhunderts zu spüren bekommt – nicht nur als Frau, sondern auch noch als Frau, die Schriftstellerin werden will.

Filme aus Isreal

Die Gäste mit der weitesten Anreise in diesem Jahr kommen aus Israel: Das Ophüls-Festival hat in einer Kooperation mit dem Tel Aviv Student Festival fünf junge Filmemacherinnen und Filmemacher mit ihren Produktionen eingeladen – zu sehen am 23. Januar, 12 Uhr, und 24. Januar, 12.45 Uhr, im Cinestar. Der Spielfilm „Rift“  von Yarden Lipshitz Louz erzählt von einer schwierigen Tochter-Vater-Beziehung, die Dokumentation „Mini DV“ konfrontiert den Regisseur Shauly Melamed mit seiner Kindheit, und einen Animationsfilm gibt es auch: „Alef B’Tamuz“ von Yael Reisfeld über eine seltsame Nacht auf einem alten jüdischen Friedhof.

Hommage an Ophüls und Staudte

Wer bei Ophüls in die Vergangenheit schweifen will, kann dies in der Hommage an zwei in Saarbrücken geborene Filmemacher tun: Regisseur und Festivalnamensgeber Max Ophüls (1902-1957) drehte 1936 in Holland die „Komödie ums Geld“ – beim Festival stellt den Film Max Ophüls‘ Urenkel vor (zugleich Enkel von Oscar-Preisträger Marcel Ophüls): Benjamin Seyfert, der in Los Angeles über das Kino der Weimarer Republik promoviert. (23. Januar, 18 Uhr, Stiftung Demokratie Saarland). Eine selten gezeigte Rarität läuft beim Festival in Zusammenarbeit mit der Saarbrücker Wolfgang-Staudte-Gesellschaft: „Zwischengleis“ (1978), der letzte Kinofilm des Regisseurs aus Saarbrücken (1906-1984, „Rosen für den Staatsanwalt“), ein Nachkriegsdrama mit Pola Kinski, Mel Ferrer und Volker Kraeft („Die Buddenbrooks“). Letzterer reist zur Vorstellung an und wird von den Dreharbeiten erzählen, ebenso wie  der damalige Regie-Assistent Staudtes, Michael Werlin. (21. Januar, 18 Uhr, Kino Achteinhalb.)

Rosa von Praunheim und Heike Makatsch

Nicht verpassen sollte man die beiden Ehrengäste des  Festivals, die in Saarbrücken einige ihrer Filme vorstellen: Rosa von Praunheim, der zudem sein jüngstes Werk „Darkroom“ als Eröffnungsfilm (20. Januar) mitbringt, und Heike Makatsch: Sie zeigt vier Filme – darunter die Biografie „Hilde“,  in der Heike Makatsch Hildegard Knef spielt: 24. Januar, 14 Uhr, im Saarbrücker Filmhaus.

Infos, Termine und Karten unter: www.ffmop.de