Landkreis Neunkirchen will Entwicklung der Kinder-Betreuungseinrichtungen fördern und mitgestalten

Kostenpflichtiger Inhalt: Quote nicht erfüllt : Krippenplätze sind im Kreis Mangelware

Ob diese Idee jemals umgesetzt wird, ist noch offen: Landrat Sören Meng bringt das Areal der abgerissenen Neunkircher Kreissporthalle als Standort einer großen Kinder-Betreuungseinrichtung ins Spiel. Denn es mangelt an Krippenplätzen im Kreis Neunkirchen.

Gemäß des saarländischen Kinderbetreuungs- und Bildungsgesetzes hat der Landkreis Neunkirchen als öffentlicher Jugendhilfeträger die Bedarfsplanung mit den Gemeinden und dem Land abzustimmen. Im Klartext heißt dies, dass der Kreis letztlich dafür verantwortlich ist, dass genug Plätze im Krippen- und Kindergartenbereich zur Verfügung stehen. Die Bundesregierung hat für die Krippen (Kinder von 0 bis 3 Jahren) eine Quote von 35 Prozent festgelegt. Für ein gutes Drittel jeden Jahrgangs müssen also Krippenplätze zur Verfügung stehen. Diese Quote unterschreitet der Landkreis mit seinen sieben Kommunen um fast fünf Prozentpunkte. Die SZ sprach mit Landrat Sören Meng (SPD) und der zuständigen Dezernentin Birgit Mohns-Welsch über die Möglichkeiten, diesen Mangel zu beheben (über die Situation in den einzelnen Städten und Gemeinden werden wir noch gesondert berichten).

„Wir befinden uns ständig im Dialog mit den Kommunen und den Trägern und Betreibern der Einrichtungen“, schickt der Landrat voraus. Dazu muss man wissen, dass die Kommunen und die katholische Kirche je 21 Einrichtungen betreiben. Die evangelische Kirche ist mit zehn Kindertagesstätten dabei. Das Lebenshilfewerk Neunkirchen, die Neunkircher gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Familien- und Nachbarschaftshilfe sowie der Neunkircher Verein Villa Winzig haben je eine eigene Einrichtung.

Zurzeit sind 3297 Kinder unter drei Jahren im Landkreis Neunkirchen gemeldet. Ein Betreuungsangebot von 35 Prozent verlangt aufgerundet 1154 Plätze. Momentan sind 781 Plätze vorhanden.

In dem Entwicklungsplan 2018 bis 2019 sind 218 neue Plätze durch Baumaßnahmen vorgesehen. Die verbleibende Lücke von 155 Plätzen soll durch verstärkte Anwerbung von Tagesmüttern oder bei rückläufigen Geburtenzahlen durch die Umwandlung von Kindergarten- in Krippenplätze geschlossen werden, so die Statistik des Kreises. „Bislang wurde die 35-Prozent-Quote bei uns noch nie erreicht und auch im übrigen Saarland sieht es nicht viel anders aus, auch wenn einzelne Gemeinden wie Spiesen-Elversberg dank neuer Gruppen die Quote sogar übererfüllen werden.“

Was bleibt, wenn die Städte, Gemeinden und anderen Träger angesichts der immer schwieriger werdenden Rahmen- und Baubedingungen den wachsenden Bedarf nicht decken können? Der Kreis Saarlouis hat mit dem Kinderland in Saarwellingen die Rolle des Bauherrn und Trägers übernommen, die Kosten werden auf die Kommunen verteilt, aus denen die betreuten Kinder kommen. „Damit der Kreis das leisten kann, müssen ganz neue Strukturen aufgebaut werden. Im Kreis Saarlouis arbeitet man mit einer GmbH“, sieht Sören Meng eine Herausforderung auf seine Verwaltung zukommen. Er bringt nämlich die Idee ins Spiel, dort, wo bis vor drei Jahren die Kreissporthalle an der Neunkircher Fernstraße (gute Verkehrsanbindung!) stand, eine vom Landkreis getragene Einrichtung zur Kinderbetreuung zu bauen. „Das muss jetzt im politischen Raum beraten werden“, sagt Meng. Ein gewisser Druck ist auf dem Kessel, da es in anderen Bundesländern durchaus schon Regress-Klagen an die Kreise von Eltern gab, die durch den Mangel an Krippenplätzen berufliche und finanzielle Nachteile erlitten haben. „Hier hatten wir das noch nicht“, so Birgit Mohns-Welsch, dennoch sei es dringlich, das Angebot vor allem im Krippenbereich zu vergrößern. Die Realität sehe eben so aus, dass Eltern schon bald nach der Geburt ihres Kindes wieder ganztags berufstätig sein wollen oder müssen. Im Kindergarten-Bereich für die älteren Kinder ist die Versorgung im Landkreis weitgehend gesichert.

Schon seit Jahren unterstützt die Kreisverwaltung interessierte Träger finanziell bei der Planung zusätzlicher Plätze. Angeregt werden auch Träger-Verbünde oder die interkommunale Zusammenarbeit im Dienste der Familien. „Für uns sind Krippen und Kindergärten Bildungseinrichtungen“, unterstreicht Meng die Wichtigkeit des Themas.

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