Gemeinden im Kreis Merzig-Wadern berichten über Zustand von Wald und Forst

Kostenpflichtiger Inhalt: Merzig-Wadern : Wie geht es dem Wald im Grünen Kreis?

Gleich mehrere Faktoren setzen den Wäldern im Kreis zu. Die Kommunen ziehen eine Zwischenbilanz der aktuellen Situation.

Nicht zuletzt wegen seiner Wälder ist der Landkreis Merzig-Wadern im Volksmund als Grüner Kreis bekannt. Doch die vergangenen zwei außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer haben den Bäumen zugesetzt. Mehr noch: „Die letzten fünf Jahre waren die trockensten in der 30-jährigen Geschichte der Forstbetriebsgemeinschaft Saar-Hochwald“, sagt deren Vorsitzender, Klaus Borger. Der Verein vertritt und berät die privaten Waldbesitzer der Region. Die Situation ist angespannt, das bestätigen auch die Förster der Kreis-Gemeinden – und sie erklären, wie sie dieser Situation und anderen Herausforderungen begegnen wollen.

Viele Forste im Grünen Kreis werden stark von Laubbäumen dominiert, wie etwa in Mettlach (60 Prozent), in Wadern (75 Prozent) oder in Perl, wo der Anteil sogar bei 85 Prozent liegt. In den Privatwäldern, die die Forstbetriebsgemeinschaft betreut, liegt hingegen der Nadelwaldanteil höher, bei etwa 70 Prozent. „Der Wald – und zwar alle Hauptbaumarten und auch der Mischwald – leidet gegenwärtig unter erheblichen Stress“, erklärt Wolfgang Müller vom Beckinger Forstbetrieb.

Eine Baumart wurde zuletzt jedoch besonders in Mitleidenschaft gezogen. „Die Fichten machen uns massive Sorgen“ erklärt Ralf Simon, Revierförster in Losheim am See. 5000 Festmeter habe die Gemeinde deshalb in diesem Jahr bereits gefällt, weitere 2000 bis 3000 kämen wohl noch hinzu. Festmeter ist ein Maß für Rundholz, also unverarbeitete gefällte Baumstämme. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse.

Hitze und Trockenheit setzen den Bäumen laut Simon doppelt zu, denn unter dem Wassermangel leide nicht nur der Stoffwechsel. Gleichzeitig schwäche die Dürre die Abwehrkräfte der Pflanzen gegen den Borkenkäfer. „Unter normalen Bedingungen produzieren die Fichten Harz, an dem die Schädlinge ersticken“, erläutert der Losheimer Revierförster. Wegen des ausbleibenden Regens seien die Fichten dazu in diesem Jahr jedoch kaum in der Lage gewesen. Das Resultat ist die alarmierende Zahl befallener Bäume. „Die Insekten zerstören die Leitungsbahnen, über die die Versorgung mit Nährstoffen abläuft – und der Baum stirbt“, erklärt Simon. „Wir brauchen dringend zwei bis drei Sommer, die nicht so trocken sind.“

Diese Situation führt unmittelbar zu einer weiteren Problematik. Denn mit dem intensiven Sommer hatten nicht nur die Forste im Grünen Kreis zu kämpfen, sondern auch die Wälder vieler anderer Regionen in Deutschland und Europa. Da man sich dort ebenfalls gezwungen sah, wesentlich mehr Bäume als üblich zu fällen, wurde der Markt mit Fichtenholz geschwemmt. In der Folge seien die Preise pro Festmeter dramatisch eingebrochen, von etwa 90 Euro vor zwei Jahren auf 35 Euro, klagt Simon. Der Befall kann auch dazu führen, dass die heimischen Wälder anfälliger für weitere Schäden sind. „Die durch zahlreiche Lücken aufgelichteten Nadelholzbestände sind für die Zukunft in erheblichem Maße für Stürme gefährdet“, warnt das Mettlacher Forstamt. Andere Faktoren können in diesem Zusammenhang ebenfalls wichtig sein. „Bei Bäumen, die noch voll im Laub sind, ist die Gefahr, dass Äste abbrechen, größer,“ erklärt Losheims Revierförster. Die Blätter bieten laut Simon eine größere Angriffsfläche und seien durch den Regen schwer.

Die Brandgefahr ist bei reinen Nadelwäldern besonders hoch. Entsprechend sieht Michael Hermann von der Perler Forstverwaltung die eigene Areal als gut gewappnet an. Hermann erklärt deshalb: „Besondere Maßnahmen zur Verringerung der Waldbrandgefahr sind nicht erforderlich. Das Verbot von offenem Feuer und das Rauchverbot sind während des Sommers jedoch strikt einzuhalten.“ Für dieses Jahr gilt die Gefahr als gebannt, doch etwa in den Wäldern Mettlachs und Losheims herrschte während der Sommermonate die höchste Risikostufe, wie beide Gemeinden mitteilen.

Das Wissen um die Vorteile von Mischwäldern ist nicht neu. Sie gelten unter anderem als widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen, Pilzbefall und extremem Wetter. Entsprechend wollen die Gemeinden Merzig-Waderns zumindest die dem Borkenkäfer anheimgefallenen Bestände mit der geeigneten Zusammensetzung von Baumsorten aufforsten. „Dies ist nur zu stemmen, wenn entsprechende staatliche Zuschüsse fließen. Die derzeitige Förderpraxis ist jedoch sehr kompliziert“, kritisiert Müller vom Beckinger Forst.

Exotischen neuen Baumarten stehen die Verantwortlichen der Gemeinden skeptisch gegenüber. Die Merziger Forstverwaltung etwa verweist auf ausstehende Forschungsergebnisse. Klaus Borger von der Forstbetriebsgemeinschaft bekräftigt: „Wir haben unsere heimischen Baumarten und diese sind in unseren Breiten sehr anpassungsfähig.“ Tobias Misczyk bringt ins Spiel, zumindest mit gewohnten Baumarten anderer Herkunft, etwas aus dem Mittelmeerraum zu experimentieren. Den künftigen Nutzen der Fichte stellt er hingegen grundsätzlich infrage: „Die Fichte wird langfristig als Wirtschaftsbaum in Deutschland ausfallen“, sagt der Weiskircher Revierförster voraus. Er unterstreicht: „Die Forstwirtschaft ist kein Selbstzweck. Wir machen das, um wertvolle Hölzer zu produzieren.“

Das Thema beschäftigt inzwischen auch die Bundespolitik: Kürzlich lud Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Berlin zum sogenannten Waldgipfel ein. Ziel war es, dabei zu helfen, die Gesundheit der Baumbestände für die Zukunft zu sichern und gegebenenfalls wiederherzustellen. Klöckner sagte unter anderem zu, Schutz und Betrieb der Wälder bundesweit mit bis zu 800 Millionen Euro zu unterstützen. Wie viel davon in den einzelnen Kommunen und bei den privaten Waldbesitzern ankommen werden, ist jedoch noch unklar. Klöckner empfahl zudem eine konsequentere Jagd auf Rehe. Diese behinderten die Aufforstung, indem sie Baumsprösslinge fressen. Auch die Förster im Grünen Kreis sehen diese Gefahr, zumal die Wildtiere die Bemühungen um eine stärkere Mischung der Wälder sabotieren können – denn sie gelten als Feinschmecker: „Das selektive Äsungsverhalten des Rehwildes bewirkt, dass gerade die selteneren Mischbaumarten verbissen werden“, erklärt Forstoberamtsrat Wolfgang Müller. Er verweist auf Landeswaldgesetz sowie das Saarländische Jagdgesetz. Beide legen fest, dass das Wohl des Waldes und dessen möglichst natürliche Erholung Vorrang haben. Wichtig sei, mit den Jägern gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, betont der Beckinger Förster. „Die Wiederbewaldung im Waderner Wald erfolgt überwiegend durch Naturverjüngung und Anpflanzung von Wildlingen und erfordert daher eine konsequente Jagd auf Rehwild“, pflichtet Horst Staub bei, der beim Saarforst-Landesbetrieb für die Waldareale der Hochwaldstadt zuständig ist.

Einblick in den Hochwald von Weiskirchen. Foto: Dieter Ackermann

Wildschweine stellen dagegen im Moment kein größeres Problem im Grünen Kreis dar. In den vergangenen Jahrzehnte habe zwar die Bestand enorm zugenommen, doch darauf werde mit entsprechend höheren Abschusszahlen reagiert, wie die Gemeinden mitteilen.

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