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Universität des Saarlandes und Saarbrücker Firma entwickeln Lernplattform

Kostenpflichtiger Inhalt: Digitale Anwendung „School to go“ : Saarländer entwickeln Schule der Zukunft

Derzeit sind die Schulen wegen des Coronavirus geschlossen. Mit der Lernplattform „School to go“ muss niemand auf Bildung verzichten.

Die Schulen sind geschlossen, das Lernen hat Pause. Letzteres wollte Professorin Julia Knopf nicht auf sich bewenden lassen. Die Inhaberin des Lehr­stuhls Fach­di­dak­tik Deutsch in der Pri­mar­stufe an der Saar-Universität hat zusammen mit 20 Pädagogik-Fachleuten und Informatikern innerhalb einer Woche die Lernplattform „School to go“ entwickelt. Am Freitagnachmittag wurde das kostenlose Angebot freigeschaltet. „Wir wollen erreichen, dass die jungen Leute die schulfreie Zeit sinnvoll nutzen“, sagt Knopf. Damit die Mädchen und Jungen Interesse an den Lerninhalten haben, „kann man nicht einfach kopierte Arbeitsblätter ins Netz stellen“, sagt sie. Auch eine Liste mit weiterführenden Links sei nicht sehr zielführend, um junge Leute zum digitalen Lernen zu bewegen.

 „Die Schülerinnen und Schüler finden auf ,School to go‘ eine Netzumgebung vor, wie sie sie von sozialen Medien wie zum Beispiel Instagram oder Tik Tok gewohnt sind“. So wie auf diesen Plattformen Bilder oder Videos mit kurzen Beschreibungen hochgeladen werden können, „kann jeder, der möchte, passendes Lernmaterial schicken“, sagt die Hochschullehrerin. Das gelte nicht nur für Lehrer, sondern auch für Schüler. Allerdings würden die Inhalte darauf geprüft, ob sie ins pädagogische Konzept passen und lehrplankonform sind. Das Lern­angebot richtet sich an Schüler aller Alters- und Jahrgangsstufen. Die Teilnehmer sollen sich nicht nur neues Wissen aneignen. „Sie sollen auch erfahren, welche Möglichkeiten die Digitalisierung heute bereits bietet, um Lerninhalte mit zusätzlichen Angeboten anzureichern“, sagt Knopf.

Die neue Plattform lädt beispielsweise zu virtuellen Rundgänge durch die Pyramiden im antiken Ägypten ein – Lehrstoff für die fünfte oder sechste Klasse. Zehntklässler können eine Mathe-Rallye im eigenen Garten zurücklegen. Auch am Sportunterricht können Jugendlichen teilnehmen. Virtuelle Profis zeigten, wie sie sich in der schulfreien Zeit ohne Turnhalle oder Trainingsplatz fit halten können. Diese Sportstunde ist auf Elftklässler zugeschnitten, aber auch Ältere oder Jüngere sind eingeladen. In einem Digital Espace Room, einem realitätsgetreu nachgebauten thematischen Raum, sollen Leseübungen für Achtklässler stattfinden. Für noch jüngere Leute (vierte Klasse) werden in einem Chatbot Mathematik-Aufgaben behandelt. In Chatbots werden Anfragen automatisiert beantwortet, ohne dass ein Mensch an diesem Dialog beteiligt ist.

Weitere Themen im Start-Angebot sind das Erkunden britischer Sehenswürdigkeiten in englischer Sprache. Interessierte lernen zudem, wie Journalisten arbeiten oder wie Grafiken gelesen werden, wer auf einem Diagramm „das größte Stück vom Kuchen“ bekommen hat und warum das so ist. In einem Podcast geht der Sprecher auf Aufstieg und Fall Alexanders des Großen ein, der im vierten vorchristlichen Jahrhundert binnen kurzer Zeit ein Riesenreich geschaffen hatte. Der Unterrichtsstoff kann auch auf dem Smartphone gelernt werden – allerdings nicht über eine eigene App, sondern als Browser-Darstellung.

Am schnellen Aufbau dieser Lernplattform, „die von ihrem Ansatz etwas vollkommen Neues ist“, wie Julia Knopf sagt, „waren viele kreative Leute beteiligt“. Ganz vorn mit dabei das Team des Forschungsinstitut Bildung Digital (Fobid), das Knopf vor drei Jahren zusammen mit Antonio Krüger gegründet hat. Krüger ist heute Vorsitzender der Geschäftsführung und wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Die Hochschullehrerin ist Geschäftsführerin des Fobid, das digitale Lehr- und Lernprozesse im Deutschunterricht erforscht. Das DFKI ist zudem mit seiner Forschungsgruppe „Smart Enterprise Engineering“ eingebunden, die von Professor Oliver Thomas geleitet wird. Dort werden „digitale Geschäftsmodelle für das Unternehmen der Zukunft“ entwickelt – so zum Beispiel neue Verfahren der Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen. Ein weiterer Partner ist die Saarbrücker Firma Didactic Innovations, ein Unternehmen, an dem Knopf und Thomas beteiligt sind. Didactic Innovations testet Software-Systeme, die künftig in der Schule sowie in der beruflichen Aus- und Weiterbildung eingesetzt werden. Obwohl Knopf und Thomas mit ihrer Firma an der Entwicklung von „School to go“ mitgewirkt haben, „verdienen wir nicht daran“.

Die Initiatoren der Lernplattform suchen weitere Mitstreiter. Als Partner konnte bereits der Didacta Verband gewonnen werden. Julia Knopf kann sich vorstellen, „dass auch Influencer aus der Youtube-Szene zu uns stoßen, die Entwicklungen und Abläufe des Zeitgeschehens aus ihrer Sicht erklären“.

www.schooltogo.de