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Radfahrer, Motocross-Fahrer und Wanderer teilen sich Waldwege im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Konflikte mit Wanderern vermeiden : Wanderer und Zweiradfahrer streiten im Wald

Saar-Umweltminister Jost will gegen rücksichtslose Mountainbiker vorgehen. Auch Motocross-Fahrer sind nach Angaben des Nabu ein Problem.

Das Saarland ist stolz auf seine Wälder. Aber auf den attraktiven Wanderwegen gibt es zur Zeit Ärger. Umweltminister Reinhold Jost (SPD): „Gerade in diesen Tagen suchen viele Menschen Erholung und sportlichen Ausgleich im Wald. Dabei sind aber generell und im Besonderen in Zeiten der Corona-Pandemie einige Regeln zu beachten. Bei allem Verständnis für die sportlichen Ambitionen vieler Mountainbiker dient etwa die Einschränkung für das Radfahren nur auf Waldwegen allein dem Ziel, Unfälle zu vermeiden und Wildtieren Ruheräume zu lassen.“

Dabei ist das Fahrradfahren laut einer Sonderregelung in Paragraf 25 des Landeswaldgesetzes klar geregelt. Das Gros der Fahrradfahrer hält sich aus Sicht des Ministers an diese Vorgaben. Immerhin habe das Saarland in Zusammenarbeit mit der Tourismuszentrale und den betroffenen Waldeigentümern ein landesweites Radewegenetz ausgewiesen. Neben den klassischen Radlern hätten zuletzt aber insbesondere die Mountainbiker an Bedeutung zugenommen. Sie seien allerdings an anderen Strecken interessiert, die eine größere körperliche Herausforderung bieten. Deshalb kommt es zu Konflikten zwischen Mountainbikern und Förstern.

Landesjägermeister Josef Schneider stöhnt bei diesem Thema gequält auf: „Wenn sich doch nur alle bei der allgemeinen Waldnutzung an die Spielregeln halten würden!“ Immer wieder höre er von seinen Kollegen Klagen über Mountainbiker, die sich rücksichtslos über geltendes Recht hinwegsetzten. „Aber solche schwarzen Schafe trüben zum Glück eher vereinzelt das an sich gute Verhältnis unserer saarländischen Jäger mit den vernünftigen Mountainbikern, denen wir immer öfter auf unseren Waldwegen begegnen.“

Ähnlich sieht das auch Michael Klein, Vorsitzender des Saarländischen Waldbesitzerverbandes. „So lange sie sich an die gesetzlichen Vorgaben für die multifunktionale Nutzung unserer Wälder halten, können wir Waldbesitzer mit ihrem Sport weitgehend einvernehmlich leben. Aber bei rücksichtslosen, die Gesetze missachtenden Bikern und erst recht bei den verstärkt durch unsere Wälder donnernden Motocrossern kommen bei uns ganz schnell auch Haftungsfragen ins Spiel.“

Rudi Reiter, stellvertretender Nabu-Landesvorsitzender, bestätigt die Beobachtungen von Klein: „Die ständig zunehmenden Probleme mit Mountainbikern und Motocrossern müssen wir gemeinsam in den Griff bekommen.“ Solche gesetzwidrigen Auswüchse seien gerade in der jetzigen Brut- und Setzzeit für die Natur verhängnisvoll. Umso dankbarer sei er für die Jost-Initiative, diese „schwarzen Schafe“ aus den Wäldern zu verbannen, „von denen sich zum Glück die gesetzestreuen Mountainbiker immer mehr distanzieren“.

Auch Joachim Altmeyer, Förster in Homburg, erzählt von sich häufenden Berichten des Saarforst-Landesbetriebs über Ärger mit Mountainbike-Fahrern. Dabei gehe es meist um permanente Verstöße gegen das Waldgesetz sowie gegen das saarländische Naturschutzgesetz. Dulden Waldbesitzer die illegalen Hindernisstrecken, müssen sie einer Verkehrssicherungsverpflichtung nachkommen. Die Fachabteilung habe Saarforst daher inzwischen angewiesen, solche Parcours konsequent zu beseitigen oder durch die Verursacher zurückbauen zu lassen. Eine ältere Dame habe sich bei Altmeyer darüber beschwert, dass ein Biker unmittelbar hinter ihr einen Riesensatz über den Wanderweg machte. „Das muss doch nicht sein!“, meint Altmeyer.

Das sieht Dirk Hemmerling aus St. Ingbert ähnlich. Er koordiniert im Saarländischen Radfahrer-Bund die Aktivitäten der organisierten Mountainbiker. Für ihn versteht sich ein freundlicher Umgang seiner Biker mit Wanderern von selbst, „und spätestens beim illegalen Radeln im Wald jenseits der Wege distanziere ich mich von solchen Radsportlern“. In St. Ingbert gehen die Radler mit gutem Beispiel voran. „Dort haben wir vom Saarforst seit vier Jahren ein Gelände gepachtet, in dem wir legal unsere sportliche Leidenschaft ausleben können.“ Insbesondere Mountainbike-Anfänger, die oft noch keine echte Beziehung zur Natur mitbrächten, müssten dann gelegentlich vom Verband gebremst werden. Hemmerling: „Unsere naturverträgliche Nutzung der gepachteten Waldfläche funktioniert auch deshalb, weil wir Mountainbiker und der Forst jeweils Ansprechpartner haben, die mögliche Konflikte mit Wanderern oder anderen Waldnutzern moderieren können. Solche Erfahrungen werden wir gerne in den Dialog mit dem Minister einbringen.“

Spaziergänger stellen zwei Motocross-Fahrer zur Rede, die rücksichtslos im Wald unterwegs gewesen sein sollen. Foto: Dieter Ackermann

Das Umweltministerium will diese Ordnungswidrigkeiten laut Minister Jost nicht länger tolerieren. „Trotzdem suchen wir zusätzlich das konstruktive Gespräch mit den Betroffenen.“ Jost will nach der Corona-Pause zu einem „Runden Tisch“ einladen, bei dem man sich mit allen betroffenen Organisationen und Vereinen zusammensetzen will, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.