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Start-Up-Studiengang zu Cybersicherheit an der Saar-Uni ausgezeichnet

Kostenpflichtiger Inhalt: Landespreis Hochschullehre : Preisgekrönte Praxis an der Saar-Uni

Ein Studiengang der IT-Sicherheit verbindet Theorie mit Gründergeist und erhält dafür den Landespreis Hochschullehre.

Was zeichnet eine gute Hochschule aus? Es sind gute Leistungen in Forschung und Lehre. Wobei über die Gewichtung dieser beiden Faktoren an den Hochschulen gerne gestritten wird. Doch über diesem Streit wird leicht vergessen, dass hochmotivierte Studenten, die hervorragend ausgebildet und mit vielen tollen Ideen im Kopf ins Berufsleben entlassen werden, dort nicht automatisch reüssieren. Denn Theorie ist nicht genug. Zum Erfolg gehört Wissen über die Praxis – und speziell in der IT-Welt führt der Weg zum Erfolg typischerweise über die Gründung eines Unternehmens. Weil sich Praxis nur am praktischen Beispiel erlernen lässt, haben die Informatik-Professoren der Saar-Uni, Bernd Finkbeiner und Andreas Zeller – beide arbeiten am Computersicherheitszentrum Cispa in Saarbrücken –, einen Studiengang ins Leben gerufen, der die Gründung eines Unternehmens zum integralen Bestandteil eines Master-Studiengangs macht. Er heißt „Entrepreneurial Cybersecurity“ (sinngemäß: Unternehmerische Cybersicherheit) und ist vergangene Woche mit dem saarländischen Landespreis Hochschullehre ausgezeichnet worden.

Der im Wintersemester 2018/19 gestartete Masterstudiengang zielt auf Studenten, die ihre Zukunft eher als Unternehmer denn als Wissenschaftler sehen. Er ist als Nachbrenner des 2014 eingeführten Bachelors Computersicherheit konzipiert und soll an dessen Inhalte mit einer konkreten Geschäftsidee anknüpfen. Die bringen die Bewerber um einen Studienplatz idealerweise gleich selbst mit. In Frage komme die Entwicklung eines Prototyps, eines Demonstrators oder die praktische Umsetzung einer auf dem Campus entwickelten wissenschaftlichen Theorie. „Eben alles, womit sich ein Informatiker heute selbstständig machen kann“, sagt Andreas Zeller. „Ziel ist, dass die Studenten anschließend oder sogar schon während ihres Studiums darauf aufbauend ein Unternehmen gründen können“, so Zeller.

Studenten verbringen die Hälfte ihrer Zeit mit regulären Lehrveranstaltungen der Informatik und der Cybersicherheit. In der anderen Hälfte entwickeln sie in kleinen Gruppen eine Forschungsidee der Cybersicherheit zur Marktreife. Wobei die Studenten zum Abschluss jedes Semesters ihre Prototypen und Ideen vor einer gemischten Jury verteidigen müssen. Im ungünstigsten Fall habe ein Student am Ende der vier Semester einen Master-Abschluss in der Tasche, „im besten Fall hat er dazu sein eigenes Unternehmen“, erklärt Zeller. Im Wintersemester 2018/2019 ist der Studiengang „Entrepreneurial Cybersecurity“ mit 13 Teilnehmern gestartet. 30 Studenten können pro Jahr aufgenommen werden, die Zahl der Bewerbungen liege mittlerweile beim Dreifachen, erklärt der Saarbrücker Informatiker.

Unter den drei Projektteams des Studiengangs „Entrepreneurial Cybersecurity“ am weitesten fortgeschritten sei derzeit das Team Bitahoy, erklärt Andreas Zeller. Dessen Studenten haben einen elektronischen Wachhund für das „Internet der Dinge“ entwickelt. Darunter verstehen Informatiker die mittlerweile unüberschaubare Vielzahl elektronischer Kleingeräte in unseren Haushalten, die alle übers Heimnetzwerk kommunizieren können. Das macht das Leben im sogenannten Smart Home bequemer, bietet aber auch Hackern jede Menge Angriffsziele. Der „Wachhund“ ist ein zigarettenschachtelgroßes Gerät, das einfach ans WLAN angeschlossen wird und daraufhin automatisch das Netzwerk auf Schwachstellen bei den angeschlossenen Geräten untersucht – gerade bei den Anwendungen für das „Smart Home gibt es zahlreiche Anbieter von Billiggeräten, die nicht dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik entsprechen“, erklärt Zeller. Der Wachhund, dessen Programmcode veröffentlicht wird, damit sich jedermann davon überzeugen kann, dass vom Wächter keine Gefahr ausgeht, könne von sich aus Meldung machen, wenn ein Gerät im Heimnetzwerk durch ungewöhnliche Aktivitäten auffällt, wenn ein Toaster also plötzlich ein Mikrofon benutzen möchte oder der Fernseher selbst im Internet mit persönlichen Daten seiner Benutzter auf Sendung gehen möchte.