Schüler erhalten an der Saar-Uni Einblicke in Forschung von Ingenieuren

Kostenpflichtiger Inhalt: Schülerpraktikum an der Saar-Uni : Ausflug in die Arbeitswelt der Akademiker

Beim Schülerbetriebspraktikum der Saar-Uni erhalten Neuntklässler Einblicke in den Berufs- und Forschungsalltag von Ingenieuren.

Auf dem Tisch liegen in einer kleinen Tüte bunte Bauteile, unter anderem eine Platine, ein kleiner Prozessor, eine Batterie, LED-Lämpchen und Widerstände. Aufgabe für die 13 Schüler, die im Rahmen ihres Betriebspraktikums an die Saar-Uni gekommen sind, ist es, daraus einen elektronischen Würfel zusammenzubauen. „Wir wollen Schüler und Schülerinnen für Technik begeistern und ihnen die vielfältigen Möglichkeiten an der Saar-Uni aufzeigen“, sagt Organisator Andreas Schütze, Professor für Messtechnik in der Fachrichtung Mechatronik. Das Praktikum sei einzigartig in Deutschland.

Zwei Wochen lang dürfen die Neuntklässler in die Welt der Ingenieurwissenschaften eintauchen. Im Schülerlabor SinnTec am Lehrstuhl für Messtechnik gehen sie unter anderem der Frage nach, wie sich aus Körpergröße und Taillenumfang das Gewicht eines Menschen abschätzen lässt, beschäftigen sich mit Luftqualitätsmessungen und bauen einen elektronischen Würfel zusammen.

Auch am Nachmittag sind die elf Schüler und zwei Schülerinnen noch eifrig bei der Sache. Obwohl die meisten von ihnen noch nie einen Lötkolben in der Hand gehalten haben, gelingt ihnen die Aufgabe und alle können am Ende des Tages ihren Würfel, bei dem auf Tastendruck nach dem Zufallsprinzip ein bis sechs Lämpchen leuchten, mit nach Hause nehmen.

„Ich habe mich bewusst für das Betriebspraktikum an der Uni beworben“, erzählt Julius. Der 14-Jährige besucht das Ludwigsgymnasium in Saarbrücken und weiß bereits, dass er später einmal studieren möchte. Die Fachrichtung sei allerdings noch unklar. Begeistert berichtet er vom Vortag, den die Gruppe an der Uniklinik Homburg verbracht hat: „Wir haben dort die Neuroradiologie besucht und mit einem MRT die Hirnaktivitäten eines Menschen bei verschiedenen Aufgaben gemessen.“ Auch Marcel Schunk findet das Schülerbetriebspraktikum an der Uni „extrem interessant“. Er könne sich sowohl ein medizinisches als auch ein technisches Studium vorstellen: „Die Naturwissenschaften liegen mir sehr.“ Die beiden Jungs sind mit Eifer bei der Sache: Während sie den elektronischen Würfel zusammenbauen, diskutieren sie, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, einen Sechser zu würfeln. Über die richtige Antwort – eins zu sechs – sind sie sich schnell einig.

Auf dem Programm der beiden Wochen stehen außerdem Versuche mit Solarzellen, der Bau einer elektronischen Wasserwaage, die Programmierung von Ein-Chip-Computersystemen (Mikrocontroller) und ein Workshop zum Aufbau eines Elektromotors. Ein ganzer Tag ist für Firmenbesuche reserviert: in Sulzbach bei Hydac, Hersteller für Industrie- und Mobilhydraulik-Produkte und in Blieskastel bei der Hager Group, einem Anbieter für Systemlösungen in der Elektroinstallation. „Die Schüler erfahren dabei, wie und wo Industrie-Ingenieure überall tätig sind“, erklärt Andreas Schütze. Die Partnerschaft mit Unternehmen sei besonders wichtig für die Betriebspraktika, die dreimal im Jahr stattfinden. Ein regelmäßiger Partner ist neben Hydac auch Autozulieferer ZF. Beide Firmen unterstützen das Projekt auch finanziell.

Das Schülerbetriebspraktikum an der Universität des Saarlandes ist eine gemeinsame Initiative der ingenieurwissenschaftlichen Lehrstühle und von drei Schülerlaboren. Studierende stehen den Jugendlichen während der gesamten Zeit des Praktikums zur Seite. Zu ihnen zählt auch der wissenschaftliche Mitarbeiter Sebastian Höfner. Ihm ist wichtig, den jungen Menschen praxisnah die Möglichkeiten der Ingenieurswissenschaften zu vermitteln. Die Voraussetzungen dafür seien „das Tüftler-Gen und mathematisches Interesse“, das auch er in seiner Jugend gehabt habe.

Ähnliches gilt für Schülerpraktikantin Alicia. Die 14-Jährige besucht die Marienschule in Saarbrücken. Zu ihren bevorzugten Fächern zählen Physik und Chemie. „Ich weiß, dass ich mich anstrengen muss, um Ingenieurin zu werden, aber dafür habe ich später auch gute Berufsaussichten“, sagt sie während sie die LED-Lämpchen anlötet. Die Praxis macht ihr sichtlich Spaß, aber auch die Theorie interessiert sie.

Das Betriebspraktikum an der Uni endet mit einer Präsentation, an der neben den betreuenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch Lehrkräfte aus den beteiligten Schulen und die Eltern teilnehmen. „Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Erlebnisse, Erfahrungen, Versuche und technischen Entwicklungen vorstellen – ganz so, wie es ein echter Ingenieur oder eine echte Ingenieurin später auch tun muss“, erläutert Schütze, der bei dieser Gelegenheit viele positive Rückmeldungen erhält. „Eltern erzählen immer wieder, dass ihre Kinder nach dem Praktikum mit viel mehr Ansporn lernen, weil sie erkannt haben, wofür das Wissen gebraucht wird. Das freut uns dann schon sehr.“