DLRG beklagt Bäder-Sterben in Deutschland: Sanierrungsstau im Saarland

Kostenpflichtiger Inhalt: Petitionsausschuss des Bundestags beschäftigt sich mit Lage in Deutschland : Sanierungsstau in Saarlands Bädern

Anderswo in Deutschlands sieht es nicht viel besser aus. Der Bundestag beschäftigt sich in einem Petitionsausschuss mit dem Thema.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schlägt Alarm und hat sogar eine Eingabe an den Bundestag initiiert, mit der sich der Petitionsausschuss erstmals am Montag auseinandersetzte. Jährlich stellen rund 80 Bäder den Betrieb ein. Während es 2018 laut DLRG noch 6400 Schwimmbäder bundesweit gab, waren es 2017 etwa noch 5000. Und der Zustand vieler Bäder lässt zu wünschen übrig. So sind alleine im Saarland laut Innenministerium 35 von 69 Schwimmbädern sanierungsbedürftig.

Die Geschäftsführerin des saarländischen Städte- und Gemeindetags, Barbara Beckmann-Roh, spricht von einem „immensen Sanierungsstau“. Während eine Analyse aus dem Jahr 2015 von rund 67 Millionen Euro im Saarland an nötigen Investitionen ausgeht, beläuft sich eine aktuelle Schätzung auf etwa 80 bis 100 Millionen Euro an fehlenden Mitteln.

„Die Kommunen können diese Last nicht alleine stemmen“, sagt Beckmann-Roh, weist aber darauf hin, dass der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU) bereits um die Not der Kommunen wisse. Fünf Millionen Euro aus sogenannten Bedarfszuweisungen, kommunales Geld, das unter Verwaltung des Ministers steht, wurde im Rahmen eines Sonderprogramms für Lehrschwimmbecken vom Innenministerium zur Verfügung gestellt.

Es fehlt an Becken. Bundesweit sind drei von fünf Kindern im Grundschulalter keine sicheren Schwimmer. Denn jede vierte Grundschule in Deutschland hat keinen Zugang zu einem Schwimmbad. „Auch im Saarland müssen die Bäder erhalten werden, sonst werden wir zu einem Land der Nichtschwimmer“, meint Kathrin Angnes, Pressesprecherin der DLRG Saar. Beispielsweise würden Tauchbecken mit einer Tiefe von drei bis fünf Metern benötigt.

Dort, wo Becken vorhanden sind, ist Platz rar. „Die Vereine sitzen sich praktisch gegenseitig auf der Pelle“, sagt Ernst Gilcher, Vorsitzender des Schwimmvereins 08 Saarbrücken. Teils müssten sich mehr als zehn Kinder eine Schwimmbahn teilen. Verantwortungsvolle Schwimmkurse seien so nicht möglich. Babyschwimmkurse wiederum seien in manchen Bädern wegen zu geringer Wassertemperatur nicht möglich. Und in St. Johann kann die DLRG Saar zum Beispiel keine Anfängerkurse anbieten, weil es freie Becken erst ab 20 Uhr gibt. Anfänger müssen deshalb ausweichen. Erst die Jugendkurse können dann in St. Johann stattfinden.

Auf den Bädern in öffentlicher Hand lastet hoher finanzieller Druck. Der Bäderbetrieb sei für die Kommunen sowohl eine Aufgabe der Daseinsvorsage als auch ein Attraktivitätsfaktor, sagt Beckmann-Roh, die Geschäftsführerin des Saarländischen Städte- und Gemeindetags. „Die Haltung, immer nur Sparen kann dementsprechend auch schlecht sein“, gibt sie zu Bedenken.

In Saarbrücken weiß der Pressesprecher der Stadt, Thomas Blug, hingegen zu beschwichtigen: „Eine Schließung von Bädern steht in Saarbrücken nicht zur Debatte.“ Doch auch in der Landeshauptstadt ist der Bäderbetrieb defizitär. Eine finanzielle Unterstützung von Seiten des Bundes sei deswegen zielführend und sinnvoll, meint Blug.

Auf Bundesebene tut sich etwas. 130 000 Unterstützer hat die Petition des DLRG gegen den Bäderschwund gewonnen, mit der sich der Bundestag gestern im Petitionsausschuss auseinandersetzte. In der Petition fordert die DLRG eine systematische Bedarfsplanung im Rahmen eines bundesweiten Masterplans. Deutschlandweit wird der Finanzbedarf für die kommenden zehn Jahre auf 14 Milliarden Euro beziffert. Die Summe sollen Bund und Länder je zur Hälfte tragen.

In der Anhörung ließen Vertreter aller Bundestagsparteien Sympathie für den Vorstoß erkennen. „Wir sind uns über die Fraktionsgrenzen hinweg einig, dass Handlungsbedarf besteht“, fasste der FDP-Abgeordnete Manfred Todtenhausen die Stimmung zusammen.

Nach der Anhörung hat der Petitionsausschuss die Möglichkeit, eine Vorlage für das Plenum des Bundestages zu erarbeiten, die die Regierung zum Handeln auffordert.