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Nicht alle Messenger sind Datenkraken





Saarbrücken
Nicht alle Messenger sind Datenkraken
David Seel,  11. März 2017, 02:00 Uhr
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Mit Kurznachrichten-Apps lassen sich Texte und Bilder verschicken. Die verschiedenen Anbieter wissen dabei unterschiedlich viel vom Nutzer. Grafik: pm

Whatsapp ist der beliebteste Kurznachrichten-Dienst in Deutschland. Verbraucherschützer kritisieren jedoch den Umgang mit Nutzerdaten. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat sich sechs Alternativ-Programme angeschaut.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom verwendeten im vergangenen Jahr 69 Prozent der bundesdeutschen Internetnutzer Messenger-Dienste. In der Altersgruppe zwischen 14 und 29 Jahren nutzen sogar über 80 Prozent Programme, mit denen sich Textnachrichten und Dateien austauschen lassen. Aus der Umfrage geht ebenfalls hervor, dass Whats-app mit einem Marktanteil von 63 Prozent der mit Abstand beliebteste Messenger in Deutschland ist.

Whatsapp steht bei Datenschützern allerdings seit längerer Zeit in der Kritik, besonders seit der Dienst 2014 von Facebook gekauft wurde. Whatsapp hat seine Datenschutzerklärung so geändert, dass künftig Nutzerdaten an alle Unternehmen der Facebook-Gruppe weitergegeben werden können. Aus diesem Grund hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sechs Alternativen zu Whatsapp unter die Lupe genommen. Getestet wurden ausschließlich Apps für iOS und Android, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung besitzen und weniger als fünf Euro im Monat kosten oder kostenlos sind. Generell empfiehlt die Zentrale, Apps nur aus dem jeweiligen App-Store zu laden und möglichst solche Anbieter zu verwenden, deren Server in der EU stehen und somit dem europäischen Datenschutzrecht unterliegen.

Gänzlich ohne Angabe von Nutzerdaten lässt sich die kostenlose App Hoccer verwenden. Die App zeigt nicht an, ob das Gegenüber gerade tippt. Die Angabe darüber, ob jemand den Dienst gerade nutzt (Online-Status) lässt sich jedoch nicht abschalten. Dafür lässt sich eine Lesebestätigung ein- und ausschalten. Laut Verbraucherzentrale ist es wichtig, ob diese Statusinformationen angezeigt werden, da sie das Nutzungsverhalten durchschaubarer macht.

Die Server von Hoccer befinden sich in Deutschland. Die App bietet eine Funktion, mit allen weiteren Hoccer-Nutzern in direkter Nachbarschaft zu kommunizieren. Die App Threema lässt sich ebenfalls ohne Angaben persönlicher Daten nutzen. Es lässt sich einstellen, ob dem Gesprächspartner angezeigt wird, dass der Nutzer gerade tippt. Gleiches gilt für die Lesebestätigung von Nachrichten. Eine Anzeige des Online-Status existiert nicht. Die Server stehen in der Schweiz und unterstehen ebenfalls dem europäischen Datenschutzrecht. Die Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass bei aktivierter Standortbestimmung Informationen an Google gesendet werden, womit dessen Datenschutzbestimmungen gelten würden. Threema wird für einmalig 2,99 Euro angeboten.

Simsme, der kostenlose Messenger der Deutschen Post, funktioniert nur bei Verknüpfung mit der Telefonnummer. Außerdem sammle die App „personenbezogene Daten für Umfragen und zu Werbezwecken, bis ein Widerspruch erfolgt“, so der Verbraucherschutz. Simsme verwendet Server in Deutschland. Weder wird angezeigt, ob der Nutzer gerade schreibt, noch ob er überhaupt online ist. Die Lesebestätigung lässt sich bei Bedarf abschalten.

Kostenlos ist auch die App Wire . Hier muss allerdings neben der Telefonnummer auch Vor- und Nachname angeben werden. Wire lädt standardmäßig Kontaktdaten aus dem Telefonbuch hoch, außerdem sammelt der Messenger anonyme Daten zum Nutzungsverhalten, was sich aber beides abschalten lässt. Es gibt weder Lesebestätigung noch Online-Status und keine Anzeige, ob jemand tippt. Kommuniziert wird über Server in der Schweiz.

Auch die Gratis-App Signal verfügt nicht über Lesebestätigung, Online-Status oder Tipp-Anzeige. Der Messenger muss mit der Telefonnummer verknüpft werden. Da das Unternehmen seinen Sitz in den USA hat, greift das europäische Datenschutzrecht nicht. Die Verbraucherschützer kritisierten außerdem, dass die Datenschutzerklärung nur auf Englisch verfügbar ist.

Ebenfalls keine deutsche Datenschutzerklärung besitzt die kostenlose App Telegram. Außerdem konnte die Verbraucherzentrale weder etwas über den Firmensitz noch über den Serverstandort in Erfahrung bringen – die Webseite von Telegram besitzt kein Impressum. Neben der Angabe des Vornamens verlangt die App die Telefonnummer. „Dazu kommt, dass Kontaktdaten aus dem Adressbuch gespeichert werden und Nutzer diese voreingestellte Funktion abschalten müssten, wenn sie das nicht wollen“, so die Verbraucherschützer. Lesebestätigung und die Angabe darüber, ob jemand tippt, lassen sich nicht abschalten. Ob der Online-Status angezeigt werden soll, kann der Nutzer einstellen.

www.verbraucherzentrale.de/

sichere-whatsapp-alternativen




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