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Mehr Licht im Dunkel der Stadionfrage - SZ-Interview mit dem Geschäftsführer der Projekt-Gesellschaft



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Schäfer:
Mehr Licht im Dunkel der Stadionfrage - SZ-Interview mit dem Geschäftsführer der Projekt-Gesellschaft
18. Oktober 2014, 00:00 Uhr
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Die Flutlichtmasten im Ludwigspark sind nahezu ein Wahrzeichen von Saarbrücken. Sie sollen auch im Neubau Licht spenden. Foto: Schlichter Foto: Schlichter
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Diese Skizze stellte im Juni 2013 Saarbrückens Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer vor. Sie kam damit nicht so gut an. Fotos: SZ/GIU
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JürgenSchäfer
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Dieses Bild hat die Projektgesellschaft im Mai 2014 vorgestellt: Die Hintertor-Tribünen sollten vom FSV Mainz 05 kommen.
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Das aktuelle Modell, vorgestellt im Oktober dieses Jahres. Mit diesem Modell will die Planungsgesellschaft in die Ausschreibungen gehen.
Saarbrücken. Im November 2013 hat die Stadt Saarbrücken mit dem Land die Projektgesellschaft Sanierung Ludwigspark gegründet. Ihre Aufgaben sind Planung, Koordination, Betreuung und Realisierung von Umbau- und Modernisierungsarbeiten am Ludwigsparkstadion. SZ-Redakteur Michael Kipp hat sich mit Jürgen Schäfer, Geschäftsführer der Projektgesellschaft, gesprochen.
 
Herr Schäfer, macht Stadionbauen Spaß?

Jürgen Schäfer: Es macht sehr viel Spaß. Auch wenn wir einen schwierigen Start hatten.

Was war schwer?

Schäfer: Wir hatten eine Planungsgrundlage, die aber laut Gutachter nicht alle Kriterien erfüllt hatte, die ein Stadion braucht.

Welche Kriterien fehlten?

Insbesondere die wirtschaftliche Seite war laut Gutachtern noch nicht auf dem richtigen Weg. Sowohl die Experten von Lagardère und auch insbesondere die Überarbeitung von Stadionbauer Stefan Nixdorf haben uns auf den jetzigen Weg gebracht. Dieses Dreiviertel-Jahr war sehr spannend.

Die Planungen sind jetzt abgeschlossen?

Schäfer: Alle Beteiligten sind der Meinung, dass der nun vorliegende Entwurf wesentlich besser ist als das, was am Anfang auf dem Tisch lag.

18 000 Plätze, 16 Millionen Euro. Das macht ungefähr 890 Euro pro Platz. Das scheint mit das billigste Stadion Deutschlands zu werden?

Schäfer: Es ist bewusst kein Luxusstadion. Aber dennoch finde ich es gelungen, zumal das Stadion entwicklungsfähig ist.

Das Projekt wird also tatsächlich umgesetzt?

Schäfer: Ja, die Zeit der Ankündigungen war lange genug. Auch wenn die Fans sagen: Die bauen ja eh nicht. Diese Zeit war nötig. Ansonsten hätten wir mit dem ersten Vorschlag begonnen, dann läge das Kind jetzt schon im Brunnen. Wir brauchen die Zeit einfach, um alles durchzuplanen, durchzudenken. Das ist beim 4. Pavillon in Saarbrücken zum Beispiel nicht geschehen. Was dabei rausgekommen ist, sieht man.

Es gab ja noch weitere Umwege bis zum aktuellen Entwurf.

Schäfer: Wir hatten ja zunächst überlegt, alte Tribünen aus Mainz aufzukaufen. Dieser Zwischenschritt war auch nicht unwichtig, weil wir mit ihm auch davon wegkamen, die alten Kurven zu erhalten. Mit ihm kamen wir näher ans Spielfeld ran. Wir bekamen immer mehr ein deutlicheres Bild davon, wie das Stadion aussehen kann und sollte.

Warum hat der Kauf der Tribünen aus Mainz nicht geklappt?

Schäfer: Das Problem war, dass diese Tribünen einige neuere baurechtliche Anforderungen nicht erfüllt haben. Diese hätten wir im Nachhinein einbauen können, doch das hätte wiederum den Kostenrahmen gesprengt. Letztlich kommt es uns billiger, neue Tribünen aufzusetzen als die alten aus Mainz, abzuschlagen, zu modernisieren und wieder aufzubauen.

Bereits im Februar gab es die Meldung, dass sich die Planungen nach hinten verschieben, da es Probleme mit Geldflüssen gäbe. So musste zum Beispiel das Land prüfen, ob und wie es seine 10,7 Millionen Euro effizient und rechtens zur Verfügung stellen kann – ohne Subventionsrechte zu verletzen. Ist das Problem gelöst?

Schäfer: Das ist in der abschließenden Klärung. Aber auch da sind wir im Zeitplan, und damit sollte es auch keine Probleme mehr geben. Wir gehen davon aus, dass Anfang 2015 gebaut werden kann.

Stadt und Land müssen also nicht fürchten, dass wie beim Flughafen Zweibrücken zurückgezahlt werden müssen?

Schäfer: Auch dazu gibt es Gutachten, dies im Vorfeld zu klären. Für das Stadion gibt es auch keine Zuschüsse von der EU, wie dies beispielsweise am Nürburgring der Fall war. Daher habe ich da keine Bedenken.

Wann geht das Projekt in die Ausschreibungen?

Schäfer: Geplant ist, vor Weihnachten noch die erste Ausschreibung zu veröffentlichen. Darin sollen die Erdarbeiten ausgeschrieben werden, die im Winter ja keinen Sinn machen.

Die Ausschreibungen laufen bauabschnittsweise?

Schäfer: Ja, so kommen wir meist mit nationalen Ausschreibungen aus. Die dauern maximal drei Monate bis Auftragserteilung. Europaweite dauern bis zu einem Monat länger. Was natürlich immer passieren kann, ist, dass ein unterlegenes Unternehmen Klage gegen die Vergabe erhebt. Die kostet Zeit. Wir hoffen es aber nicht.

Die so genannten europaweiten Ausschreibungen sind erst ab einem Bauvolumen von fünf Millionen Euro verpflichtend?

Schäfer: Genau. Das wird eventuell die Haupttribüne betreffen, die in etwa 7,6 Millionen Euro kosten wird, falls mit einem Generalunternehmer gebaut wird.

Warum sollen die Bürger glauben, dass die 16 Millionen Euro reichen?

Schäfer: Wir müssen in diesem Rahmen bleiben. Daher gibt es auch keine Luxus- oder Komfortausstattung. Wir bauen nur das, was möglich ist. Ein großes Display oder luxuriös ausgebaute Vip-Logen wird es nicht geben. Solche Addons sind zwar jederzeit einbaubar, aber das müssten zum Beispiel Sponsoren zahlen.

Sie sind sich also sicher, im Kostenrahmen zu bleiben?

Schäfer: Ich bin seit 13 Jahren Geschäftsführer bei der GIU (Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung, Anm.d.Red.), und wir haben in jedem Bauvorhaben die Zahlen erreicht. Ich stehe mit meinem guten Ruf dafür ein, dass das Stadion nicht teurer wird.

Zwei Jahre dauert der Bau. Der FCS soll eineinhalb Jahre auf sein Heimspielrecht verzichten, soll in ein anderes Stadion ausweichen.

Schäfer: Das tut weh, klar. Aber das ist das Ergebnis der Planungen und auch die einzig verträgliche Lösung.

Die SV Elversberg konnte nach wenigen Spielen wieder in ihre Baustelle zurückwechseln . . .

Schäfer: Ihr Funktionsgebäude mit den Kabinen ist ja auch nie abgerissen worden. In Saarbrücken wollen wir die alte Haupttribüne abreisen und damit auch die Kabinen. Natürlich könnten wir da auch an eine Containerlösung denken, an Baustopps an Spieltagen. Aber beides kostet Geld. Geld, das wir lieber in den Bau stecken.

Ist denn ein Bebauungsplan notwendig?

Schäfer: Damit haben wir uns relativ lange beschäftigt. Da wir hier einzelne Abschnitte umbauen und lediglich einen Abschnitt gänzlich neu bauen, ist dies für uns immer noch ein Umbau. Und die brauchen kein Bebauungsplan-Verfahren.

Sie fürchten auch keine Klagen von Anwohnern?

Schäfer: Das kann beim Bauen immer passieren. Wichtig ist, dass wir dann zeigen können, dass sich was für die Anwohner verbessern wird. Ein wichtiger Aspekt für sie ist zum Beispiel der Lärmschutz. Da sind wir gerade dabei, die heutige Lärmsituation festzuhalten: Wie laut ist das Stadion, was kommt auf dem Rodenhof an? Daher wird auch in jedem einzelnen Bauantrag drin stehen, wie groß die Verbesserung in Sachen Lärmschutz sein wird.

Die Ecken des Stadions sind offen. Wenn sie geschlossen wären, wäre der Lärmschutz noch besser?

Schäfer: Natürlich, aber auch das kostet wieder Geld, dass wir in unserer minimalistischen Planung nicht haben. Dennoch: Unsere Planung wird den Anwohnern eine spürbare Verbesserung bringen.

Auch in der Parkplatzsituation? An Spieltagen ist das komplette Wohngebiet Rodenhof betroffen.

Schäfer: Wir würden gerne den Rodenhof an Spieltagen für Nicht-Anwohner sperren und die Parkenden an den Eurobahnhof ins neue und unter die Westspange ins alte Parkhaus leiten: Das kostet jeweils drei Euro für Fußballparker. Bisher wird das Angebot kaum wahrgenommen. Das Sperren ist natürlich Aufwand für die Polizei, aber der Nutzen für die Anwohner wäre groß.

Was in den ersten Skizzen fehlt, ist zum Beispiel eine Anzeigentafel?

Schäfer: Die gibt es darin auch nicht. Das ist zum Beispiel ein Teil, dass sich gut Fremdfinanzieren lässt und wir uns daher nicht mit den Kosten belasten wollen. Ausreichende Displays kosten 80 000 Euros. Geld, das wir uns sparen, das aber für einen Sponsor leicht zu stemmen sein dürfte. Auch über die Namensrechte des Stadions muss nachgedacht werden. Auch das sind Zusatzeinnahmen, die irgendwann in den weiteren Ausbau fließen könnten.

Warum ist zwischen Tribünen und Spielfeld zehn Meter Platz. Geht es nicht noch enger?

Schäfer: Wir haben so den Vorteil, dass wir einen Umlauf haben, der befahrbar ist. So können wir zum Beispiel auch Konzerte im Park stattfinden lassen. Dazu ist dies auf Seite der Camphauserstraße auch nicht anders machbar. Da geht es zum Beispiel um Sichtwinkel. Wären wir näher dran, sehen einige auf dem oberen Rang nicht mehr den ganzen Platz. Die ganze Tribüne verschieben können wir nicht.

Was ist mit der Rasenheizung? Auch die fehlt?

Schäfer: Die können wir unter Erhalt der Rasenfläche nachträglich unter den Rasen sozusagen schießen. Die entsprechenden Vorrichtungen in den Funktionsgebäuden bauen wir bereits vorher ein. Der Betrieb kostet jährlich 150000 Euro, wenn sie eingebaut ist. Das Geld sparen wir uns, bis der FCS aufsteigt und die Heizung lizenzbindend ist.

Bei anderen Stadionprojekten werden Fans in die Stadionplanungen mit eingebunden. In Saarbrücken bisher nicht.

Schäfer: Das ist aber fest eingeplant. Zunächst müssen wir die Aufträge an Architekten und Planungsbüros vergeben. Die Planer, die kommen, sollen nicht losgelöst im stillen Kämmerlein arbeiten. Sie sollen alle Gruppierungen in ihre Planungen einbeziehen. Was wir jetzt haben, ist nur ein Vorentwurf. Aber noch keine Detaillierung. Bei der können auch Fans mitreden.

Soll die Planungsgesellschaft auch die Vermarktung und den Betrieb des Stadions übernehmen?

Schäfer: Nein, die Projektgesellschaft soll nur bauen. Das ist ihre einzige Funktion. Das Stadion bleibt im Besitz der Stadt. Wichtig ist natürlich im Nachhinein eine professionelle Vermarktung. Aber das ist nicht unser Job.
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