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Im Triathlon zählt jetzt Klasse statt Masse





Saarbrücken
Im Triathlon zählt jetzt Klasse statt Masse
22. März 2017, 02:00 Uhr
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Der Umbruch im deutschen Triathlon ist gewaltig: Rebecca Robisch (links) hat aufgehört, Hanna Philippin (Mitte) ist aktuell nicht fit, neue Hoffnungsträgerin ist Laura Lindemann (rechts). Foto: Kleindl/DTU

Foto: Kleindl/DTU
Nur drei deutsche Athleten haben bei einer Leistungsüberprüfung die Qualifikation für einen Start bei der WM-Serie geschafft.

Dass die Olympia-Saison 2016 nicht nur keine gute, sondern eine beinahe desaströse für die Deutsche Triathlon Union (DTU) war, ist bekannt. Und sie hatte ihre Auswirkungen. Chef-Bundestrainer Ralf Ebli räumte seinen Posten, Elite-Bundestrainer Dan Lorang ging ebenfalls. Ihre Abgänge hatten schon vor den enttäuschenden Ergebnissen bei den Sommerspielen im August festgestanden. In Rio waren Laura Lindemann und Anne Haug nicht über die Plätze 28 und 36 hinausgekommen. Deutsche Männer waren in Brasilien gar nicht am Start. Für eine Sportart, die in Deutschland nach wie vor boomt und die mit Stephan Vuckovic (Silber 2000 in Sydney) und Jan Frodeno (Gold 2008 in Peking) schon zwei Medaillengewinner hervorgebracht hat, eindeutig zu wenig.

Das neue Fernziel heißt Tokio 2020. Bis dorthin soll es besser werden. Auch deswegen hat sich die DTU neu aufgestellt. Langjährige Galionsfiguren wie Steffen Justus (Triathlon-Freunde Saarlouis) beendeten ihre Karriere. Auch Vereinskollegin Rebecca Robisch oder Gregor Buchholz, der lange in Saarbrücken gelebt und trainiert hat, haben aufgehört.

Am Bundesstützpunkt in Saarbrücken wurde Ex-Junioren-Vizeweltmeister Christian Weimer vom saarländischen Landestrainer zum Bundestrainer befördert. Und in Frankfurt am Verbandssitz gibt der neue Sportdirektor Jörg Bügner jetzt die Leitlinien vor. Der promovierte Sportwissenschaftler war in den vergangenen acht Jahren beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) tätig, davor war er über 17 Jahre lang Schwimmtrainer (A-Lizenz).

Und im Schwimmen scheint Bügner den ersten großen Hebel ansetzen zu wollen. Das jedenfalls scheint das Ergebnis der zentralen Leistungsüberprüfung der DTU zu sein, die am vergangenen Wochenende am zweiten Bundesstützpunkt in Potsdam stattfand. Der bisher nur für den Nachwuchs angewandte Test wurde nun erstmals auf den U23- und Elitebereich ausgedehnt. 70 Triathleten nahmen teil – und die Ergebnisse vor allem im Schwimmen waren ernüchternd. Viele Athleten blieben hinter den von der DTU geforderten Normzeiten zurück. Die wären aber notwendig gewesen, um sich für internationale Wettkämpfe zu qualifizieren.

„Wir wissen jetzt, wo wir stehen“, ließ Bügner verlauten. Die betroffenen Triathleten wissen es auch. So scheiterte Jonathan Zipf (Saarbrücken), im vergangenen Jahr immerhin zweitbester Deutscher der WM-Serie auf Platz 26, ebenso an der Schwimmnorm für den Europacup wie Lasse Priester, der für das Kiologiq Team Saar in der Bundesliga startet. Die beiden Saarländer Marc Trautmann und Jonas Breinlinger erfüllten die Europacup-Normen hingegen.

In die „große“, die Weltmeisterschafts-Serie, schafften es nur drei Triathleten, wo in der Vergangenheit auch mal bis zu zehn Deutsche gestartet sind: Toptalent Laura Lindemann (20, Triathlon Potsdam), Lasse Lührs (21, Triathlon Potsdam) und Justus Nieschlag (25, Lehrter SV). Damit sind diese drei vorläufig die einzigen, die Deutschland in der WM-Serie vertreten dürfen. Anne Haug und Hanna Philippin, beide vom LAZ Saarbrücken, waren aus Verletzungsgründen nicht in Potsdam dabei. Mit beiden hat die DTU Einzelvereinbarungen bezüglich der internationalen Startberechtigungen getroffen. Die genauen Inhalte sind unbekannt.

Klasse statt Masse – darauf zielt die DTU offenbar in Zukunft noch stärker ab. „Der Grundgedanke unsere neues Konzepts ist es, langfristig wieder Siegleistungen zu produzieren“, sagt Bügner: „Wir möchten Athleten, die bereits in jungen Jahren das Siegen lernen und später im Hochleistungsalter die Weltspitze mitbestimmen. Dauerhaft im Mittelfeld der WM-Serie Punkte einzusammeln, ist nicht unser Anspruch.“ Die Messlatte ist also nach oben gelegt worden. Nur ist das aktuelle Potenzial der besten deutschen Triathleten davon weit entfernt.




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