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Tahsin Ehweich berät als Beschäftigungs-Coach Flüchtlinge beim Berufseinstieg





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Tahsin Ehweich berät als Beschäftigungs-Coach Flüchtlinge beim Berufseinstieg

Von  Sebastian Ostendorf, 
01. Dezember 2016, 02:00 Uhr
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Verleihung des Integrationspreises an Karate Dojo Neunkirchen ( 1. Platz, Mitte), SV Neunkirchen 1923 (2. Platz, links) und TuS Wiebelskirchen, Abteilung Turnen (3. Platz, rechts). Foto: Thomas Seeber Foto: Thomas Seeber
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Tahsin Ehweich

Viele Migranten im Saarland wollen eine Ausbildung machen und arbeiten. Doch oft mangelt es an praktischer Erfahrung. Tahsin Ehweich, Beschäftigungs-Coach im Landkreis Neunkirchen, macht sie für den deutschen Arbeitsmarkt fit.

Wundertaten könne er nicht vollbringen, sagt Tahsin Ehweich. Doch einen Beitrag zur Integration der Flüchtlinge allemal. Ein Sportlehrer war aus Syrien geflohen und wollte unbedingt eine Ausbildung zum Physiotherapeuten machen, erzählt er. Sein Deutsch war gut, aber ihm fehlte noch das nötige Rüstzeug, um sich ausbilden zu lassen. Das holt er nun als Praktikant in einem Krankenhaus nach. Tahsin Ehweich hat es ihm in Absprache mit den Ausbildungs-Betrieben vermittelt. Ehweich ist Beschäftigungs-Coach im Landkreis Neunkirchen. Er hat fast nur mit syrischen Flüchtlingen zu tun. Viele wollten eine Ausbildungen machen, wüssten aber nicht welche Vorkenntnisse die Betriebe einfordern.

Der 48-jährige kam vor knapp 30 Jahren aus Syrien nach Deutschland. Dort studierte er in Frankfurt und Gießen Elektro- und Medizintechnik. Zunächst arbeitete der Familien-Vater in der Software-Entwicklung, später in einem Ingenieur-Büro. Für ihn ist es ausgeschlossen, nach Syrien zurückzukehren. Der Bürgerkrieg habe das Land unbewohnbar gemacht. In Deutschland sei er ohnehin stärker verwurzelt. „Meine Kinder sind hier aufgewachsen“, sagt er. Sein ganzes berufliches Leben habe er in Deutschland und Frankreich verbracht.

Seit 1. Mai ist er nun Beschäftigung-Coach im Kreis Neunkirchen. Dort ist er angestellt. „Wir haben jemanden gebraucht, der die Mentalität der Leute versteht“, sagt der Leiter des Kreissozialamtes Christoph Faber. Jobcenter und Schüler hätten den Coach als Vermittler angenommen.

„Ich will den Leuten helfen, die ihr Land verloren haben und sich hier eine Zukunft aufbauen“, erzählt Ehweich. Seine Arbeit beginnt, wenn die Flüchtlinge im Landkreis ankommen. Viele erkundigen sich in Sprachkursen oder Infoveranstaltungen des Jobcenters, wie sie beruflich Tritt fassen können. Ehweich sucht sich gezielt diejenigen aus, die wirklich motiviert sind. Das ist dann ein Job rund um die Uhr. Er besucht die Familien, baut ein Vertrauen auf und hilft auch bei Problemen mit Arbeitgebern oder Behörden. „Zur Not können mich meine Schüler auch am Wochenende anrufen.“

Gleichzeitig knüpft Ehweich Kontakte zu den Betrieben der Region. „Die Unternehmen geben fast allen eine Chance“, erzählt er. Wer eine Ausbildung machen möchte, wird meist erst als Praktikant angelernt. Die Teilnehmer müssten Ehrgeiz und Lernbereitschaft haben. „Deutschland bietet ein Bildungssystem mit vielen Möglichkeiten. Die sollen sie nutzen.“ Viele der Schüler entscheiden sich noch für den Friseurberuf. Der ist leicht zu erlernen und das schnelle Geld winkt. „Immer mehr wollen Orthopäde, Automechaniker oder Physiotherapeut werden.“Die Überraschung des Abends war der Karate Dojo Neunkirchen. Den Vorsitzenden selbst stand die Verwunderung ins Gesicht geschrieben. Der Verein errang den ersten Platz bei der Verleihung des Integrationspreises 2016 und heimste ein Preisgeld von 1000 Euro ein. Die Jury lobte, wie die Kampfsportler den Teamgeist zwischen den Schülern unterschiedlicher Nationalität stärkten. Der Zusammenhalt reiche bis in die Familien der Kinder.

Zum ersten Mal verliehen am Dienstagabend der Neunkircher Sportverband (NSV), die Stadt Neunkirchen und die Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft (GSG) in der Stummschen Reithalle den Integrationspreis. Der stand unter dem Motto „Grenzenlos Sport erleben“. Die Wohnungsgesellschaft steuerte mit 3000 Euro das Preisgeld bei. Gelder, die beim Sport dringend notwendig sind. „Wir können den Menschen ein Dach über den Kopf geben. Aber Sport-Vereine leisten die echte Integrationsarbeit über Sprachen und Religionen hinweg“, sagte GSG-Geschäftsführer Guido Esseln.

Von Februar bis Oktober hatten die Vereine im Landkreis Zeit, sich zu bewerben. Eine Jury begutachtete, wie die Athleten Flüchtlinge in die Vereinsarbeit integrieren. Ihre Entscheidung verkündeten die Juroren allerdings erst am Dienstagabend. Und dort gab es neben dem Karate-Dojo noch andere Überraschungen. Die Jury würdigte auf den vorderen Plätzen Vereine, die nicht zum Massensport zählen. Der dritte Platz mit einem Preisgeld von 500 Euro entfiel auf den TuS Wiebelskirchen, Abteilung Turnen. Der veranstaltet in Kindergärten immer wieder Turngruppen. Dort können Flüchtlingskinder und Deutsche gemeinsam durch die Hallen toben. Der Schwimmverein Neunkirchen (SV) 1923 belegte den zweiten Platz und konnte 700 Euro mit nach Hause nehmen. Er hilft vor allem Schulen, Flüchtlingskinder an das Wasser zu gewöhnen.

NSV-Vorsitzende Hans-Artur Gräser betonte, dass trotz des Preisgeldes die Arbeit der Vereine nicht hoch genug zu würdigen sei. „Sie gewinnen keine Wettkämpfe, fördern aber den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Der Preis solle Ansporn für andere sein.



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