ALLESPROFIS.DE - Profis für alle Lebenslagen
Sie sind hier: HomeSaarlandNeunkirchenStadt NeunkirchenStadtteil Neunkirchen

Kahlschlag bei St. Wendeler Klinik?





St Wendel/Kreis Neunkirchen
Kahlschlag bei St. Wendeler Klinik?
21. April 2017, 02:00 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Die Marienhausklinik in St. Wendel sägt zum 30. Juni die geriatrische Rehabilitationsabteilung ab. Grund sei das hohe Defizit. Fotos (5): hgn
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Dr. Klaus-Peter Reimund, Geschäftsführer
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Thomas Gärtner, kaufmännischer Direktor
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Werner Wilhelm, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Die Tage sind gezählt: Auf diesem Informationsschild am Eingang des St. Wendeler Krankenhauses steht noch „Fachklinik für Geriatrische Rehabilitation“. Diese wird zum 30. Juni geschlossen.

Die Marienhausklinik in St. Wendel schließt die Abteilung für geriatrische Rehabilitation. Bereits am 30. Juni ist Schluss.

Die plötzliche Entscheidung war für viele der betroffenen 94 Beschäftigten ein Schock. Zwar habe das Damoklesschwert schon geraume Zeit über ihrem Arbeitsplatz geschwebt, sagt Werner Wilhelm. „Aber dass es jetzt so schnell geht, damit haben die meisten nicht gerechnet“, berichtet der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, nachdem seine Kollegen Mittwochvormittag von der Geschäftsführung der St. Wendeler Marienhausklinik über den einschneidenden Schritt informiert worden waren: Das Krankenhaus verliert seine Abteilung für geriatrische Rehabilitation (Reha). Und das bereits zum 30. Juni.

Dabei liege es nach Aussagen von Geschäftsführer Dr. Klaus-Peter Reimund gewiss nicht an den Patientenzahlen. „Wir waren die meiste Zeit zu 100 Prozent ausgelastet.“ Auch die Arbeit des Teams sei hervorragend, lobt er. Aber: „Die Leistung wird nicht adäquat gegenfinanziert.“

Was er damit konkret meint, erläutert Wilhelm: „Die Krankenkassen zahlen nicht in dem Maße, damit das Krankenhaus kostendeckend arbeiten kann.“ Obwohl die Bundesregierung und der Landkreis St. Wendel die Abteilung als Pilotprojekt seit Juli 1995 gefördert haben, sei sie nicht wirtschaftlich gewesen. Das bestätigt Reimund: „Nur zweimal in mehr als 20 Jahren hat die geriatrische Reha ein Plus gemacht.“

Zu wenig befindet der kaufmännische Direktor Thomas Gärtner. „Wenn wir das Defizit in diesem Bereich hätten weiter auflaufen lassen, wäre der Fortbestand des gesamten Standortes St. Wendel gefährdet worden.“ Er spricht bei der jetzigen Entscheidung von einer Notbremse.

Dabei habe sein Haus noch versucht, die Abteilung zu retten. 25 der 60 Reha-Plätze seien Anfang vergangenen Jahres in Akut-Geriatrieplätze umgewandelt worden. Sie sind Notfällen vorbehalten, werden von Krankenkassen anstandslos bezahlt und sollen über den 30. Juni hinaus fortbestehen, sichert Gärtner zu. Außerdem: Wer zu dem Stichtag in geriatrischer Reha in der Marienhausklinik behandelt wird, laufe keineswegs Gefahr eines Abbruchs, ergänzt Reimund. Bis auf Weiteres würden Patienten für diesen Bereich aufgenommen. „Wir mussten uns aber einen Stichtag setzen.“

Das Defizit sei immens. So lief monatlich ein Minus von 90 000 Euro auf, mehr als eine Million pro Jahr, rechnet Reimund vor. Das entspreche täglich dem durchschnittlichen Monatsgehalt eines Saarländers, bilanziert Gärtner. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Reimund: „In den vergangenen Jahren ging die Kosten-Erlös-Schere weiter auseinander. 44 Prozent Kostensteigerung standen 17 Prozent Erlöszuwächse gegenüber.“

Während andere Krankenhausträger entsprechende Abteilungen in Tochterbetriebe mit erheblich geringeren Löhnen auslagerten, schlage das Marienkrankenhaus diesen Weg nicht ein. „Wir halten die Qualitätsanforderungen nur, wenn wir unser Personal halten“, unterstreicht Reimund.

Damit liegt er auf gleicher Wellenlänge mit Mitarbeitervertreter Wilhelm. Dieser lobt die Politik seines Arbeitgebers: „Hier hat es noch nie betriebsbedingte Kündigungen gegeben.“ Das soll auch im konkreten Fall so bleiben. Die Kollegen aus der abzuwickelnden Abteilung sollen im Klinikverbund Saar-Ost unterkommen: in St. Wendel bleiben oder nach Ottweiler beziehungsweise Neunkirchen-Kohlhof (St. Josef) wechseln. Wilhelm: „Die Gespräche werden in den nächsten Tagen beginnen.“

Damit wird es ab Jahresmitte unter dem Marienhaus-Dach – trotz alternder Gesellschaft – an keinem saarländischen Standort mehr eine geriatrische Reha geben. Gärtner: „Wir vermitteln dann an unsere Kooperationspartner nach Illingen oder Mettlach.“

Zum Thema:

Sie wendet sich an ältere Menschen. Sie sollen dadurch wieder in die Selbstständigkeit im eigenen Zuhause entlassen werden.




Neunkirchen

Es ruckelt noch im Klinik-Alltag

. Mit ernsten Mienen werden die Pressevertreter im Konferenzraum des Diakonie Klinikums Neunkirchen empfangen. Mehr
Neunkirchen

Debatte um Sanierungshaushalt

Nach einer Schweigminute für die Opfer der Anschläge von Brüssel und der Erledigung einiger Formalitäten ging es am Mittwoch im Neunkircher Stadtrat ans Eingemachte. Mehr
Neunkirchen

Klinik-Verkauf: Entscheidung naht

. Oberbürgermeister Jürgen Fried sowie die Chefs der beiden stärksten Fraktionen im Stadtrat, Willi Schwender (SPD) und Karl Albert (CDU), waren sich im vergangenen Jahr schnell einig: Die ... Mehr



Teilen und diskutieren

Kommentieren Sie diesen Beitrag über Facebook, Twitter oder Google+:

FACEBOOK
GOOGLE+
TWITTER



Anzeige
Neu für Vereine:
SaarZeitung

Termin melden

Text schicken
Lokalausgabe Neunkirchen
Jetzt die SZ lesen:

ANZEIGE
Tipps


ANZEIGE
Beilagen




Anzeige