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Sieben Monate nach dem Start entscheiden heute Minuten über die Milliarden-Mission





Hochspannung vor Europas Mars-Landung
Sieben Monate nach dem Start entscheiden heute Minuten über die Milliarden-Mission

dpa-Mitarbeiter Thomas Körbel,  19. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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Gibt oder gab es Leben auf dem Mars? Kleine grüne Männchen? Die Raumfahrtagenturen Esa und Roskosmos suchen zusammen nach Antworten und wollen dafür erstmals eine gemeinsame Sonde auf dem Roten Planeten landen lassen. Von dem heiklen Manöver hängt vieles ab.

Die Spannung steigt mit jedem Kilometer, die sich die europäisch-russische Sonde dem Mars nähert – auf der Suche nach Spuren von Leben. Erstmals wollen die Europäische Raumfahrtagentur Esa und ihr russischer Partner Roskosmos gemeinsam ein Testmodul auf dem Roten Planeten landen lassen. Nach rund 500 Millionen Kilometern und sieben Monaten Flugzeit soll es heute gegen 17 Uhr soweit sein. „Alles muss mit Millisekunden-genauer Präzision funktionieren“, sagt der Esa-Experte Jorge Vago. „Und unsere Einflussmöglichkeiten sind gleich null.“ Denn: Die Daten der Sonde brauchen rund zehn Minuten, um zur Erde zu gelangen. Ein Computer steuert das Landemanöver. Wenn Informationen über Probleme im Kontrollzentrum in Darmstadt eintreffen, kann das Testmodul „Schiaparelli“ daher längst als Weltraumschrott im rötlichen Marssand liegen. „Deswegen sprechen die Amerikaner bei diesen Manövern von den sieben Minuten des Schreckens“, erklärt Vago. „In unserem Fall sind es sogar nur sechs Minuten.“ Der 54-jährige Ingenieur aus Argentinien ist zuversichtlich: „Unsere Simulationen geben uns eine Erfolgschance von fast 98 Prozent.“ Sofern alles klappt, dürften die Batterien ausreichen, um wenige Tage lang Daten zu schicken.
 

Infografik: Mission to Mars | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Für die Experten bei Esa und Roskosmos hängt viel vom Gelingen ab. Es wäre nicht nur die erste gemeinsame Marslandung in der Geschichte beider Raumfahrtagenturen. Auch finanziell wäre ein Erfolg hilfreich. Das Projekt, für das die Esa 1,3 Milliarden Euro ausgegeben hat und an dem sich Roskosmos mit etwa einer Milliarde Euro beteiligt, ist noch nicht ganz gesichert: Zunächst für 2018 geplant, wurde die zweite Phase von ExoMars mit einem Rover auf 2020 verschoben. Die Mehrkosten müssen die Esa-Mitgliedstaaten bewilligen. „Es geht um rund 300 Millionen Euro“, sagt Vago.

Auch für den russischen Partner Roskosmos sind die Finanzen ein heikles Thema. Wegen einer schweren Rezession hatte die Regierung in Moskau im Frühjahr das Raumfahrtbudget um rund 30 Prozent gekürzt. ExoMars gilt aber als Prestige-Projekt für Russland. Gerade in politisch schwierigen Zeiten vor allem wegen der Kriege in Syrien und der Ukraine ist ein Gemeinschaftsprojekt wie ExoMars zudem eine wichtige Brücke zwischen Russland und dem Westen. Erst kürzlich hatte Roskosmos-Direktor Igor Komarow Kremlchef Wladimir Putin das Programm als „Meilenstein der Forschung“ präsentiert. Der russische Experte Maxim Mokroussow sieht in ExoMars einen Prototypen für künftige internationale Kooperationen. „Die Erkenntnisse und die Technik können zum Beispiel für eine Mondmission genutzt werden“, meint er. Roskosmos plant, in den kommenden Jahren Sonden sowie bis zum Jahr 2030 Kosmonauten zum Erdtrabanten zu schicken.

Mit ExoMars erproben die Esa und Roskosmos die technische Kooperation in vielen Bereichen. Ein Forschungssatellit – der „Trace Gas Orbiter“ (TGO) – mit Geräten beider Agenturen an Bord war im März gemeinsam mit dem 600 Kilogramm schweren Landegerät „Schiaparelli“ vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All gestartet. Nach der erfolgreichen Trennung der beiden am Sonntag steuert TGO nun auf eine Umlaufbahn um den Mars. Er soll unter anderem nach Spuren von Methan in der Marsatmosphäre suchen, die biologischen Ursprungs sein könnten. Doch zunächst steht dem Satelliten ein langwieriges Bremsmanöver bevor. Nach Plänen von Esa und Roskosmos wird es bis etwa Ende 2017 dauern, bis TGO seinen Ziel-Orbit erreicht und die Arbeit 400 Kilometer über dem Mars aufnehmen kann.

Herzstück der Mission ist der Rover, der 2020 zum Roten Planeten aufbrechen soll. Der Roboter soll nach Spuren von vergangenem Leben suchen. Dazu kann er zwei Meter tief in den Boden bohren – ein Novum in der Marsforschung. Bisherige US-Rover konnten nur wenige Zentimeter ins Marsinnere vordringen. Damit der Rover in gut vier Jahren erfolgreich ankommt, benötigen Esa und Roskosmos die Erfahrung mit dem Testlander „Schiaparelli“. „Es ist, als wenn Sie gerade die Abschlussprüfung in der Schule machen und schon daran denken, dass Sie nächstes Jahr zur Uni müssen“, erklärt Vago die Aufregung vor der Landung. Mit einem Auge das Manöver im Blick, mit dem anderen schon die neuen Herausforderungen. „ExoMars braucht dringend gute Nachrichten.“



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