Zwölf Kisten, ein Leben

Zwölf Kisten, ein Leben

Saarbrücken. Zwölf große Kisten - das ist der Nachlass des in Saarbrücken geborenen Regisseurs Wolfgang Staudte (1906-1984). Eigentlich lagern die Drehbücher, Briefe, Dokumente und vieles mehr im Düsseldorfer Filmmuseum. Zurzeit befinden sie sich aber in der Geburtstadt des Filmemachers

Saarbrücken. Zwölf große Kisten - das ist der Nachlass des in Saarbrücken geborenen Regisseurs Wolfgang Staudte (1906-1984). Eigentlich lagern die Drehbücher, Briefe, Dokumente und vieles mehr im Düsseldorfer Filmmuseum. Zurzeit befinden sie sich aber in der Geburtstadt des Filmemachers. Denn die Saarbrücker Staudte-Gesellschaft, die sich im April gründete, hat sich den Nachlass ausgeliehen - und im Umzusgwagen von Düsseldorf nach Saarbrücken gefahren, erklärt Uschi Schmidt-Lenhardt, die Vorsitzende. Die Kisten lagern momentan im Saarländischen Landesarchiv, das laut Schmidt-Lenhard "völlig unbürokratisch und sofort Gastfreundschaft gewährt" habe. Das Material umfasst Dokumente eines bewegten Lebens: etwa der Schriftwechsel über die katastrophalen Dreharbeiten zum Film "Heimlichkeiten" (1968), durch dessen kommerziellen Misserfolg Staudte sich lebenslang haushoch verschuldete. Erhalten ist auch ein Brief Staudtes aus dem Jahr 1945, in dem er ein Bild der Kriegszerstörung beschwört, mit ausgebrannten Panzern und toten Pferden, auf die sich die Hungernden stürzen. Erfreulicher sind die dokumentierten Glückwünsche zu Geburtstagen, darunter von Saarbrückens einstigem OB Oskar Lafontaine, und der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.Nun soll das Material eingescannt werden - wie, ist aber noch nicht ganz klar. Die gemeinnützige Gesellschaft, deren elf Mitglieder sich ehrenamtlich um Staudte kümmern, hofft auf Unterstützung des Landesarchivs oder der Universität - man will erneut den Antrag stellen auf die Einrichtung einer Staudte-Arbeitsstelle. Eine Internetseite soll demnächst entstehen. Es liefen Gespräche, sagt Schmidt-Lenhard, über mögliche Ausstellungen in Saarbrücken. Eine Schau scheint schon sicher: Mit einer hessischen Ausstellungsmacherin ist eine Zusammenarbeit in Kassel geplant - denn dort hat Staudte seinen Klassiker "Rosen für den Staatsanwalt" gedreht. tok

Termine: Am Samstag läuft im Filmhaus Saarbrücken "Der Untertan" (1951). Am Sonntag zeigt das Kino Achteinhalb (Sb) den Film "Kirmes" (1960). Beginn ist jeweils 20 Uhr, danach Umtrunk und Gespräche.

Zur Person

Wolfgang Staudte, 1906 in Saarbrücken geboren, dreht 1946 mit "Die Mörder sind unter uns" den ersten deutschen Nachkriegsfilm. Für die ostdeutsche Defa inszeniert er Klassiker wie "Rotation" (1948) und "Der Untertan" (1951). Anschließend arbeitet er im Westen und kritisiert filmisch immer wieder die mangelnde Vergangenheitsbewältigung in Deutschland ("Rosen für den Staatsanwalt", 1959; "Kirmes", 1960). Fürs Fernsehen dreht er unter anderem 1971 "Der Seewolf", 1977 "MS Franziska". 1984 stirbt er bei TV-Dreharbeiten. red