Zwei Brüder, ein Sound

Zwei Brüder, ein Sound

Saarbrücken. Als die Gallagher-Brüder noch mit ihrer Band Oasis die englischen Stadien füllten, war die Rollenverteilung klar. Liam, der Sänger, gab mit großspuriger Breitbeinigkeit das Rockgroßmaul, das sich durch die Zeitungen und Fehden mit anderen Bands pöbelte, während Noel sich darauf konzentrierte, als musikalisches Mastermind die meisten Songs zu schreiben

Saarbrücken. Als die Gallagher-Brüder noch mit ihrer Band Oasis die englischen Stadien füllten, war die Rollenverteilung klar. Liam, der Sänger, gab mit großspuriger Breitbeinigkeit das Rockgroßmaul, das sich durch die Zeitungen und Fehden mit anderen Bands pöbelte, während Noel sich darauf konzentrierte, als musikalisches Mastermind die meisten Songs zu schreiben. Trotz vieler heftiger Kräche ging das fast anderthalb Jahrzehnte gut - eine Zeit, in der die beiden an ihrem Status als Britpop-Legenden werkeln konnten und ganze Generationen mit Hymnen versorgten. Aber im August 2009, platzte Noel der Kragen: Eine zertrümmerte Gitarre später war Oasis Musikgeschichte.Nun sind beide Solo unterwegs: Nachdem Liam bereits vor einigen Monaten mit seiner Band "Beady eye" vorgelegt hat, folgt jetzt Noel mit "Noel Gallagher's high flying birds". Zehn Songs sind darauf zu finden, von denen ein paar noch in der alten Oasis-Zeit geschrieben wurden. Und auch sonst findet man von der melancholischen Grundfärbung über manchen 60er Jahre-Einfluss bis zu den eingängig euphorischen Refrains hier musikalisch Einiges, was an seine Ex-Band erinnern lässt. Während Noel, sonst beim Einsatz am Mikro sehr zurückhaltend, mit seinem Gesang dabei den seines Bruders nicht wirklich vermissen lässt, beschwört er mit wenigen Ausnahmen im entspannten Midtempo große Gefühle: die Liebe, das Durchkämpfen und Fluchtbewegungen aus dem Alltag. Wie gut es Noel nach wie vor beherrscht, Emotionen in hymnisch kraftvollen Gitarrenpop zu verpacken, zeigt er auf diesem Album mehrfach - und schlägt dabei manchmal ungewohnte Richtungen ein. Dennoch klingt seine Musik letztlich doch vertraut - und nicht schlechter als mit dem maulenden Bruder an seiner Seite. ret

Noel Gallagher's High flying birds (Sour Mash Records)