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Zurück in die Zukunft

Saarbrücken. Zwei lohnende Filme sind gerade auf DVD erschienen: Der clevere Zeitreisefilm „Predestination“ und „Schlacht in den Wolken“, ein britisches Flieger-Drama über den Ersten Weltkrieg. Tobias Kessler

Wer entwirft bloß solche austauschbaren und öden DVD-Hüllen? Schauspieler Ethan Hawke mit einer Waffe im Anschlag lässt auf einen 08/15-Krimi vom Videotheken-Grabbeltisch schließen. Dabei ist der Film "Predestination", der jetzt ohne Kino-Umweg bei uns auf DVD erscheint, eine Perle - ein wendungsreicher Film über Zeitreise und Schicksalhaftigkeit. Hawke spielt einen Regierungs-Agenten aus der Zukunft, der in die Vergangenheit reist, um Verbrechen zu verhindern, bevor sie verübt werden; die Aufträge erledigt er reibungslos, bis er an einen Bombenleger gerät, der ebenfalls durch die Zeit reist und ihm immer wieder entkommt.

So beginnt der Film, schlägt dann aber erzählerisch einen großen Haken: Der Agent, der in der Vergangenheit eine Geheimidentität als Barmann besitzt, lernt am Tresen einen Mann kennen, der ihm seine schier unglaubliche Lebensgeschichte erzählt - um das sprichwörtliche Durchboxen im Waisenhaus dreht sie sich, um Geschlechter-Identität, um ein mysteriöses Raumfahrtprogramm und um eine menschliche Enttäuschung, die ein ganzes Leben aushebeln kann. Wunderliche und sehr berührende Szenen sind das, grandios gespielt von der bisher wenig bekannten Sarah Snook, die langsam wieder zu der Haupthandlung zurückfinden und dort eine zentrale Rolle spielen werden. Wie die beiden Regisseure Michael und Peter Spierig das alles zu einem großen Drama über Schicksalhaftigkeit verbinden, ist ein Kunststück - und der Film eine Entdeckung (erschienen bei Tiberius Film).

1976 lief Jack Golds Kriegsfilm "Schlacht in den Wolken" an, der jetzt restauriert bei uns auf DVD und Blu-ray erscheint. Malcolm McDowell ("Uhrwerk Orange") spielt einen jungen britischen Flieger im Ersten Weltkrieg, der die zunehmend unerfahrenen Neuzugänge unter den Piloten im Einsatz vor dem Tod zu bewahren versucht und daran langsam zerbricht. Bis in die Nebenrollen ist der Film mit Christopher Plummer , Trevor Howard und Peter Firth edel besetzt. Dem alten Problem des Genres - den Krieg kritisieren, gleichzeitig aber auch filmische Spannung aus den Kämpfen gewinnen zu wollen - entgeht der Film nicht ganz, die Luftkämpfe sind rasant und packend inszeniert, auf den maximalen Effekt hin. Aber Regisseur Jack Gold zeigt auch den Schrecken, die Todesangst und die langsame Abstumpfung im Krieg, er lässt Maschinen auf Felder krachen und Piloten als lebende Fackeln vom Himmel fallen. Die Figuren, die überleben, sind fürs Leben gezeichnet. (erschienen bei Studiocanal).