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Zur letzen Unruhe

„Die Ään und das Anner“ mit Bettina Koch (rechts) und Alice Hoffmann in der Saarbrücker Congresshalle. Foto: Maurer
„Die Ään und das Anner“ mit Bettina Koch (rechts) und Alice Hoffmann in der Saarbrücker Congresshalle. Foto: Maurer FOTO: Maurer
Saarbrücken. Über Männer redet frau bekanntlich am liebsten in der Vergangenheitsform – also auf dem Friedhof. Dort spielt auch das neue Kabarettprogramm „Knete.Kerle.Karma.“ von Alice Hoffmann und Bettina Koch. Oliver Schwambach

Es muss was Wunderbares sein - an ihrem Humor, ihrem Programm, und natürlich an diesen beiden Frauen. Sitzen bei "Die Ään und das Anner" doch selbst entzweite Rote wieder kuschelig beisammen in der ersten Reihe der Congresshalle: Charlotte Britz, Saarbrückens SPD-Oberbürgermeisterin, und just daneben das Vorzeige-Paar des gesamtdeutschen Sozialismus Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine. Aber schließlich stehen da ja auch Bettina Koch (die Ään) und Alice Hoffmann (das Anner) auf der Kabarettbühne. Was Älteren ein wohliges Déjà-vu bescheren dürfte. Machten die beiden doch schon gemeinsame Bühnensache, als Lafontaine noch als jüngster Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt amtierte.

In der Zwischenzeit gab es für Koch und Hoffmann auch viel Getrenntes. Kabarett, Theater und auch Fernsehen bei Bettina Koch. Und noch viel mehr Fernsehen bei Alice Hoffmann. In vielerlei Hinsicht war sie als Hilde Becker ja die bessere Hälfte vom TV-Heinz. Aber damals wie heute: Bei Hoffmann und Koch stimmt einfach das Timing, die Worte fliegen, die Pointen sitzen. Und ihr neues Programm hat Biss und Witz schon in der Grundkonzeption, wo sich zwei Damen auf dem Friedhof zu Tratsch und Sticheleien treffen. Die "Ään", Hessisch babbelnd, aber auch mit hochdeutschem Dünkel gesegnet, versucht so komisch wie vergebens mit Speckweghöschen und Leoparden-Top ihre Jugend oder doch wenigstens ihr Mittealter festzuhalten. Darum scannt sie zwischen den Grabreihen auch nach (finanziell) verwertbaren Witwern. Die - oder im saarländischen Neutrum - das Aaner hat in ihrer Kittelschürzenomahaftigkeit die Kerle schon abgehakt. Oder? "Mir kommt keener me rin", sagt sie. Um dann vieldeutig nachzulegen: "ins Haus".

Klar, es geht auch bei "Knete. Kerle. Karma.", dem Programm, das Koch und Hoffmann auch gemeinsam geschrieben haben, ums Thema Nummer eins, aber auch um die Last mit dem Älterwerden, und natürlich ums Geld. Da folgt auf Eigenurin-Therapie schon mal profunde Kapitalismuskritik. Und mit zehn Äpfeln zum Exempel machen das die beiden Friedhofsschwestern sogar einleuchtender als es der große Wirtschaftsweltenerklärer Lafontaine je vermochte.

Was beim Auftritt der beiden aber am meisten verblüfft: Zwar hagelt es auch reichlich Zoten und ergraute Wechseljahrewitze, doch bevor das Programm ganz unter die Comedy-Gürtellinie rutscht, liften die zwei ihr Alterswerk wieder gekonnt (auch gesanglich!) mit Brecht "O Falladah" (Koch) und Glucks "Orpheus" (Hoffmann) auf Niveau. Schön, dass es sowas wieder gibt.

Zusatzvorstellung: 20. Juli, 19 Uhr, Congresshalle Saarbrücken, Kleiner Saal. Karten unter Tel. (06 81) 5 84 95 90.