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| 20:19 Uhr

Zumindest einer will den Minister Schildknecht

Saarbrücken. Bereits in seiner Amtszeit als Generalintendant (1991-2006) wirkten Äußerungen Kurt Josef Schildknechts (65) mitunter wie vitalisierende Duschen auf die Kulturszene. Jetzt wieder Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Saarbrücken. Bereits in seiner Amtszeit als Generalintendant (1991-2006) wirkten Äußerungen Kurt Josef Schildknechts (65) mitunter wie vitalisierende Duschen auf die Kulturszene. Jetzt wieder. Seine in der SZ veröffentlichte Kritik an der CDU-Kulturpolitik, seine Positionierung für Oskar Lafontaine ("Die Linke") und die Tatsache, dass er sich für das Kulturministeramt ins Gespräch gebracht hat, ruft Widerspruch hervor. Fast unisono reiben sich die heute Kultur-Verantwortlichen an der "Meckerei" nicht nur Schildknechts, sondern vieler verdienter Altvorderer wie Walter Klumpp (FDP), Kurt Bohr (SPD) oder Johann Peter Lüth. Kunsthochschul-Rektor Ivica Maksimovic (Foto: bub) meint, die "Nörgelei" und die "Verklärung" Lafontaines stimme ihn traurig. Schildknecht sei einer der "ehemaligen großen Herren", von denen er "Großzügigkeit und Ermutigung" für neue Wege statt der Romantisierung der Vergangenheit erwarte. Maksimovic, in SPD-Zeiten Professor geworden und in CDU-Tagen zum Rektor berufen, hält insbesondere Schildknechts Aussage zum angeblich unnötigen "Vierten Pavillon" für untragbar: "In diesem Land ist kulturell nichts überflüssig."

Ralph Melcher, 2004 wie Maksimovic eine Personal-Wahl von Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) als Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, wundert sich: "Bisher hat sich 'Die Linke' immer für den Erweiterungsbau stark gemacht." Ob das Kulturklima unter Lafontaine besser gewesen sei, könne er nicht beurteilen. Aber die wichtige Neuordnung der Stiftungs-Museen verdanke das Land Schreiers "Willen und Durchsetzungsvermögen". Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer führe die Sache "stringent und verlässlich" weiter. "Ich wüsste nicht, wo es in Deutschland bessere Arbeitsbedingungen und attraktivere Neugestaltungs-Möglichkeiten für einen Museumschef geben könnte." Auch das Staatstheater - von Schildknecht indirekt angepfiffen - habe sich positiv verändert: "Dass Dagmar Schlingmann mit der Sparte 4 die Öffnung zur Subkultur geschafft hat, finde ich klasse." Melcher meint, die Personalpolitik der CDU-Regierung verdiene Anerkennung, denn heute herrsche Teamgeist statt "Platzhirschgehabe".

"Wir wollen, dass alle gemeinsam vorwärts kommen", bestätigt Thomas Duis, Rektor der Musikhochschule (HfM). Dafür brauche man auf keinen Fall einen Kultusminister, der wie Schildknecht das Geld nach "Prioritäten" verteilen und nur das Staatstheater stark sehen wolle. "Ich hoffe, dass Kramp-Karrenbauer Ministerin bleibt. Für die Hochschule wurde von der CDU-Regierung viel getan. Die meisten Kollegen in der Republik mussten Federn lassen. Seit meinem Amtsantritt 2004 ist der Etat von 3,3 auf vier Millionen gestiegen."

Dagmar Schlingmann (Foto: Maurer) äußert sich wie folgt: "Es liegt in der Natur eines Intendantenwechsels, dass dem geschiedenen Theaterleiter von seinen Getreuen zugetragen wird, früher sei manches besser gewesen. Im Unterschied zu meinem Vorgänger habe ich derzeit keinerlei Ambitionen, mich für den anstehenden Wahlkampf zu profilieren. Dafür bin ich viel zu beschäftigt, täglich das Staatstheater zu 'retten'".

In ein grundsätzlicheres Licht setzt Meinrad Maria Grewenig, in SPD-Tagen Generaldirektor des Völklinger Weltkulturerbes geworden, die Schildknecht-"Bewerbung": "Es müssten generell viel mehr Künstler politische Ämter bekleiden." Es sei eine "Notwendigkeit", ihr kreatives Problemlösungs-Potenzial mehr zu nutzen. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass man mit den üblichen technokratischen Polit-Strategien nicht mehr weiter komme. "Ich hätte nichts gegen einen Kultusminister Schildknecht, fände es aber prickelnder, wenn er das in einer CDU-Regierung wäre."