Zum Denken bringen, nicht verschrecken

Zum Denken bringen, nicht verschrecken

Saarbrücken. Eine Skulpturengruppe aus 40 in Bronze gegossenen, gesägten Baumstämmen wird zum Mahnmal der Erinnerung an die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ermordeten saarländischen Juden

Saarbrücken. Eine Skulpturengruppe aus 40 in Bronze gegossenen, gesägten Baumstämmen wird zum Mahnmal der Erinnerung an die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ermordeten saarländischen Juden. Die Jury um den Leiter des Jüdischen Museums München, Bernhard Purin, gab unter den elf Projekten, die zum von der Landeshauptstadt ausgelobten Wettbewerb um den "Erinnerungsort Rabbiner Rülf-Platz Saarbrücken" eingeladen waren, einer klassischen Bildhauerarbeit den Vorzug vor konzeptionellen, dokumentarischen und temporären Entwürfen: Es ist "Der unterbrochene Wald" des 1959 in Buenos Aires geborenen Bildhauers Ariel Auslender, der an der TU Darmstadt den Lehrstuhl für Plastisches Gestalten innehat.Die 110 Zentimeter hohen bronzenen Baumstämme gruppieren sich ungeordnet um die für den Platz vorgesehenen Reihen mit insgesamt 14 japanischen, besonders feingliedrigen Schnurbäumen und bilden so den von Auslender geplanten Kontrast zwischen "natürlichem Wald" und dem stilisierten "Erinnerungswald". Ein Teil der Stämme findet auf der zum Saarufer führenden Treppe Platz. Eine Texttafel mit einem Zitat aus den Lebenserinnerungen des bis 1935 in Saarbrücken tätigen Rabbiners Friedrich Salomon Rülf ergänzt den Entwurf, für dessen Realisierung rund 200 000 Euro bereit stehen. Das von Auslender gewählte Bild des Baumstumpfs schafft ein einfaches, geradezu handgreifliches Bild für Erinnerung, Verlust und brutal gekappte Tradition. Umso mehr, als das jüdische Leben an der Saar zerstört und verschwiegen wurde, betonte der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann, gestern bei der Bekanntgabe des Preisträgers.

Eine Reihe der Beiträge hatten das Themenfeld Haus, Heimat, Verlust aufgegriffen, "doch einige wollten zu viel auf dem kleinen Platz", sagt der Juryvorsitzende Bernhard Purin. Auslenders Entwurf überzeugt mit Verständlichkeit und einer Bildsprache, die es schafft, den "Widerhaken" im Stadtbild ausbilden, der für Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer "zum Denken bringt, aber nicht verschreckt." Auch verträgt sich der Entwurf mit dem Umfeld. Die beiden mit der Gestaltung der Berliner Promenade sowie dem Rabbiner-Rülf-Platz betrauten Saarbrücker Architekturbüros "können ihn sich als integrierendes Element gut vorstellen", betont Wandel-Hoefer.

Die Bauarbeiten sollen im Herbst 2012 beginnen und mit der Einweihung am 9. November 2013 abgeschlossen sein.

Ausstellung aller Entwürfe bis zum 22. Juni in der Stadtgalerie Saarbrücken. Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr.