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| 21:10 Uhr

Zum Auftakt ein kleiner Sieg für Suu Kyi

Singapur. Ruhig im Ton, knallhart in der Sache - so kennen ihre Anhänger Aung San Suu Kyi. Die birmanische Friedensnobelpreisträgerin ist trotz 13 Jahren Hausarrests ungebrochen. Von Müdigkeit, Schwäche oder Verzweiflung zeigte sie beim Auftakt ihres weltweit kritisierten Prozesses in Rangun keine Spur: Von der ersten Minute an drängte sie das Militärregime in die Defensive Von dpa-Mitarbeiterin Christiane Oelrich

Singapur. Ruhig im Ton, knallhart in der Sache - so kennen ihre Anhänger Aung San Suu Kyi. Die birmanische Friedensnobelpreisträgerin ist trotz 13 Jahren Hausarrests ungebrochen. Von Müdigkeit, Schwäche oder Verzweiflung zeigte sie beim Auftakt ihres weltweit kritisierten Prozesses in Rangun keine Spur: Von der ersten Minute an drängte sie das Militärregime in die Defensive. Wenn die Behörden nicht einmal ihren Namen richtig wiedergäben, werde sie nicht am Verfahren teilnehmen, ließ sie nach Angaben aus Oppositionskreisen wissen. Die Ankläger mussten nachgeben - sie sprachen die 63-Jährige mit vollem Namen an - auch dem Bestandteil, den sie zuerst verweigert hatten: Aung San. Das ist der Name von Suu Kyis berühmten Vater, der als Widerstandkämpfer verehrt wird. Es war ein kleiner Sieg für Suu Kyi, die angeklagt ist, weil sie die Auflagen ihres Hausarrests verletzt haben soll. Hintergrund ist ein mysteriöser Besuch eines US-Bürgers, den Suu Kyi vor zwei Wochen beherbergt hatte, nachdem er angeblich unbeobachtet von den Wachen zu ihrem strengstens abgeschirmten Haus an einem See geschwommen war.Die Europäischen Union spricht von einem "Schauprozess", der elementare Menschenrechte verletzt, und forderte die Regierung auf, die Oppositionsführerin freizulassen. Auf eine weitere Verschärfung der Wirtschaftssanktionen verzichtete die EU jedoch zunächst. Kampfgeist zeigt Aung San Suu Kyi nicht erst vor Gericht, den hatte sie schon im vergangenen Jahr unter Beweis gestellt: Obwohl sie seit 2003 ununterbrochen in Isolation verbracht hat und jede Abwechslung willkommen ist, schlug sie ein Treffen mit dem UN-Gesandten Ibrahim Gambari aus. Suu Kyi war offensichtlich wenig beeindruckt von dessen Vermittlungsbemühungen mit dem Regime. Die 63-Jährige ist die Ikone des birmanischen Widerstands. An ihr hängen die Hoffnungen von Millionen, die von der Militärdiktatur seit 1962 drangsaliert werden. Für eine bessere Zukunft kämpfen allerdings viele Menschen: In den Gefängnissen des Regimes vegetieren 2156 politische Gefangene vor sich hin. "Silent Killing Fields" - "stille Todeslager" -nennt die Gefangenenhilfsorganisation AAPP die Kerker. "Die Situation der Gefangenen wird immer prekärer", sagt einer ihrer Vorsitzenden, Bo Kyi. "Viele werden in abgelegene Gefängnisse geschafft, wo es keine Ärzte gibt und sie oft an Malaria und Tuberkulose erkranken." Die Gefangenen sind auf ihre Angehörigen angewiesen, wenn sie Essen und Medikamente brauchen. Die Verlegung in hunderte Kilometer entfernte Gefängnisse macht das fast unmöglich. 127 Gefangene bräuchten dringend ärztliche Hilfe, sagt Bo Kyi. Etwa der populäre Komiker Zarganar, der wegen seiner Hilfe für Zyklon-Opfer verurteilt wurde, oder der Studentenführer Min Ko Naing.Den Gefangenen im Insein-Gefängnis in Rangun, wo nun auch Suu Kyi eingesperrt ist, geht es nicht besser. Bo Kyi weiß das aus eigener Erfahrung. Er war dort sieben Jahre eingekerkert, teils in Isolationshaft in einer kaum zweieinhalb mal dreieinhalb Meter großen Zelle. Als Toilette diente ihm ein Eimer. Er wurde geschlagen und gefoltert und musste auf dem Boden schlafen. Suu Kyi wird in einer Baracke festgehalten, die das Regime zynisch als "Gästehaus" bezeichnet. Dort gibt es zwar eine Toilette. Aber dafür einen furchterregenden Blick aus dem Zellenfenster - direkt auf die Hinrichtungsstätte.