Zu viel Salz im Essen legt unser Immunsystem lahm

Medizin : Zu viel Salz im Essen legt unser Immunsystem lahm

Unter zu hohem Salzkonsum leiden vor allem Zellen der Körperabwehr, die auf den Kampf gegen Bakterien spezialisiert sind.

(np) Fünf Gramm pro Tag – das ist die Maximalmenge an Natriumchlorid, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) uns täglich zugesteht. Bei Natriumchlorid, besser bekannt als Kochsalz, liegt der tatsächliche Verbrauch in Deutschland allerdings weit über diesem Limit. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts kommen Männer im Durchschnitt auf zehn und Frauen auf gut acht Gramm täglich.

Dass zu viel Salz schlecht für den Blutdruck ist, das ist mittlerweile allgemein bekannt. Doch salzreiche Kost schadet auch dem Immunsystem, warnen jetzt Wissenschaftler der Uni Bonn. Das zeigten Versuche mit Mäusen. Bei Menschen, die das Doppelte der empfohlenen Salzdosis zu sich nehmen, arbeite das Immunsystem schlechter. Diese Dosis sei schnell erreicht. Sie entspreche etwa dem Salzgehalt zweier Fast-Food-Mahlzeiten. Diese Erkenntnis kommt für die Forscher etwas überraschend, erklärt Professor Christian Kurts vom Institut für Experimentelle Immunologie. Weil bestimmte Hautkrankheiten bei salzreicher Kost gut heilen, war bisher vermutet worden, Natriumchlorid fördere eher Funktionen des Immunsystems.

Damit wichtige Stoffwechselprozesse funktionieren, muss die Salzkonzentration im Blut und in den Organen weitgehend konstant bleiben, erklärt die Forscherin Dr. Katarzyna Jobin. Die große Ausnahme sei die Haut. Sie sei der Salzspeicher des Körpers und deshalb wirke Salz auch bei manchen Hauterkrankungen so gut. An anderen Stellen im Körper komme zusätzlich mit der Nahrung aufgenommenes Salz aber nicht an, weil die Nieren es herausfiltern und über den Urin ausscheiden. Bei hohen Salzkonzentrationen im Blut entstünden als Nebenwirkung dieses Filterprozesses sogenannte Glukokortikoide. Diese Hormone bremsten das Immunsystem aus. Zu diesen Substanzen gehört zum Beispiel auch Kortison, ein Wirkstoff, der Entzündungen unterdrückt.

Glukokortikoide bremsen die Aktivität der am weitesten verbreiteten Immunzellen, der Granulozyten. Sie zählen zu den Fresszellen und attackieren vor allem Bakterien. Wenn ihre Aktivität gebremst wird, verlaufen Infektionen heftiger. Das habe sich bei menschlichen Testpersonen gezeigt, die eine Woche doppelte Portionen Fast Food futtern mussten. Die Blutproben, die ihnen nach diesem Test entnommen wurden, hätten Granulozyten enthalten, die deutlich schlechter mit Bakterien fertig wurden.

(dpa)