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Zocker endlich vor Gericht

Peter Stefan Herbst Chefredakteur saarbruecker-zeitung.de/woche Liebe Leserinnen, liebe Leser, die Verantwortlichen der Banken- und Finanzmarktkrise haben Milliarden versenkt und sind mit Millionen belohnt worden.

Einige Banker haben zwar ihren Job verloren, aber trotz Versagen und teilweise sogar hoher krimineller Energie meist noch üppige Abfindungen erhalten. Da mag es das gesunde Rechtsempfinden freuen, dass sich seit dieser Woche der komplette frühere Vorstand der HSH Nordbank vor einem Gericht wegen eines fragwürdigen und verlustreichen Geschäftes verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft wirft den Top-Bankern Untreue in einem besonders schweren Fall und zwei Angeklagten zudem Bilanzfälschung vor. Ob es allerdings zu Verurteilungen kommen wird, ist fraglich. Wird doch juristisches Neuland betreten und geht es um komplexe Zusammenhänge, die auch von einem Gericht nicht einfach zu klären sind. Trotzdem kommt dem Prozess eine große Bedeutung zu. Stehen doch in Deutschland erstmals Zockereien und windige Praktiken auf dem Prüfstand, die so oder so ähnlich auch bei vielen anderen Kreditinstituten angewendet wurden.

Kommt es zu Verurteilungen, dürfte dies Auswirkungen auf andere Verfahren haben. Endet der Prozess mit Freisprüchen, wird der Druck auf die Politik wachsen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Banken weiter zu verschärfen. Beides wäre gut. Denn eine Situation, in der erneut die Steuerzahler in Haftung genommen werden, muss in jedem Fall vermieden werden. Kein Spekulant und keine Bank sollte Gewinne in die eigene Tasche stecken und die Verluste der Allgemeinheit aufbürden dürfen.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende