Zarte Madonnen und imposante Heiligenfiguren

Zarte Madonnen und imposante Heiligenfiguren

Straßburg. Der Blick auf die eigene Geschichte ergibt eine exzellente Ausstellung. Das beweist das "Museum der Werke Unserer Lieben Frau" gegenüber dem Straßburger Münster. Im Haus der einstigen, im 13. Jahrhundert errichteten Münsterbauhütte widmet man sich derzeit Straßburg als Kunstzentrum der Gotik

Straßburg. Der Blick auf die eigene Geschichte ergibt eine exzellente Ausstellung. Das beweist das "Museum der Werke Unserer Lieben Frau" gegenüber dem Straßburger Münster. Im Haus der einstigen, im 13. Jahrhundert errichteten Münsterbauhütte widmet man sich derzeit Straßburg als Kunstzentrum der Gotik. Entstanden ist ein wissenschaftlich fundierter, spannender Parcours durch die Blütezeit der Stadt im Elsass. 100 Werke - vom Gemälde über ein Trinkhorn bis zur Zeichnung - bezeugen Qualität. Das mag nicht zuletzt an den "schönen Madonnen" liegen, die zu den Kennzeichen des in der Zeit des Spätmittelalters gepflegten "weichen Stils" der spätgotischen Malerei gehörten: zarte Marienfiguren mit verklärtem Blick und weich fallenden, plastisch wirkenden Gewändern wie sie die "Jungfrau vor dem Erdbeerfeld" oder selbige im "Paradiesgärtlein" verkörpern. Dazu gesellt sich der "Meister der Kreuzigung mit dem Dominikaner". Anders als der namentlich unbekannte Maler des "Paradiesgärtleins" haben die Ausstellungsmacher durch den Vergleich mit dessen Zeichnungen und Glasmalereien erstmals den Straßburger Hermann Schadeberg als Maler der Kreuzigung identifiziert. Überhaupt gilt hier der Vergleich viel, um zu beweisen, wie sehr sich Malerei, Bildhauerei und Textilkunst, aber auch profane Erzeugnisse wie Spielkarten oder Wandteppiche an gleichen Motiven orientierten. Das Münster repräsentiert das Selbstbewusstsein der Stadtoberen. Denn nicht der Bischof, - den hatten die Patrizier 1262 verjagt - sondern die Bürger der seitdem Freien Reichsstadt betrieben die Münsterbauhütte. Lebensgroße Heiligenfiguren und selten gezeigte meterlange Aufrisszeichnungen des Münsters bekunden den Rang Straßburgs um 1400, als man dort Althochdeutsch sprach.Die Wandtexte sind nur in Französisch. Doch es gibt einen Audioguide und eine Führung auf Deutsch, eine mit Überraschungen gefüllte Gärtnerschürze für kleine Besucher des Paradiesgärtleins sowie einen Stadtplan, der zu Gebäuden der Gotik in der Innenstadt führt. sgLäuft bis 6. Juli. Di-Fr: 11-18 Uhr. Sa, So: 10-18 Uhr. Führungen in Deutsch ab 13. April jeden So, 11.30 Uhr (außer 4. Mai, 1. Juni, 6. Juli). Infos im Internet unter: www.strasbourg1400.com