Wort- und Stimmakrobat Kapielski brachte Saarbrücker zum Lachen

Wort- und Stimmakrobat Kapielski brachte Saarbrücker zum Lachen

Der Berliner Schreiber und Künstler Thomas Kapielski gab in Saarbrücken eine gelesene Performance aus seinem Roman „Je dickens, destojewski“.

Hausherr Hans Gerhard hieß am Montagabend im voll besetzten Künstlerhaus die Hörer und den "illustren Gast" Thomas Kapielski "in der Randlage" der Republik willkommen. Der im schicken grauen Einreiher gekleidete Herr mit der gesunden Gesichtsfarbe und den kurz rasierten ergrauten Haaren, rückt seine schwarz gerahmte Vollrandbrille zurecht. "Ick fang ganz pastoral an", berlinert er.

"Die Erde atmet in Weinleuben", hebt er mit knarziger Stimme und bedeutungssalbender Geste an - und erntet die ersten Lacher des Abends. "Die Welt hat neun Vorteile", verkündet er in kräftiger Stimme mit ausgestreckten Armen, "sieben sind außer Kraft gesetzt", setzt er mit abfallender Stimme und senkenden Armen nach. Kapielski ist Performer - seine groteske "geosophische Ortskunde" lebt nicht nur vom Wortwitz, sondern von Mimik und Modulation seiner Stimme, die von klar-deutlich-laut bis unkenntlich-vernuschelt-leise reicht und die Aufmerksamkeit der Zuhörer durch Wechsel gewinnt.

Das gilt auch für den zweiten Teil der Lesung, in der Kapielski seinen just bei Suhrkamp erschienenen, sogenannten Volumenroman "Je dickens, destojewski" vorstellt. Der Plot: Protagonist Ernst L. Wuboldt tötet seine Frau und verliebt sich in die Wildschweindame Karola. Erzählt wird das Ganze von einem gewissen Pohlen, der Erzähler-Instanz. Von Schamlosigkeiten sieht Pohle nicht ab, denn das sei "heute ein Muss". Vielmehr treibt er mit sich, seinen Figuren und dem Leser ein hintersinniges Spiel, dass die Grenzen zwischen Realität und Fiktion aufzeigt und verschwimmen lässt.