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Woll-Pfannen sind weltweit gefragt

Qualitätskontrolle: Anna Keller und Dieter Zimmer achten auf eine einwandfreie Beschichtung der Alu-Pfannen. Foto: Iris Maurer
Qualitätskontrolle: Anna Keller und Dieter Zimmer achten auf eine einwandfreie Beschichtung der Alu-Pfannen. Foto: Iris Maurer FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken. Im Saarland gibt es etliche Unternehmen, die wenig bekannt sind, aber zu den Marktführern in ihrer Branche zählen. Solche stillen Stars stellt die SZ in einer Serie vor. Heute: die Norbert Woll GmbH in Saarbrücken. Joachim Wollschläger

Am Anfang war die Unzufriedenheit. Norbert Woll, gelernter Koch, wollte gerne mit Pfannen arbeiten, deren Griff man abnehmen kann. Und weil es diese nicht gab, hat er sie selber gemacht. Das war 1979, erzählt André Woll. 1981 habe sein Vater die erste Pfanne mit abnehmbaren Griff eingeführt.

Als kleine Firma hat die Norbert Woll GmbH Ende der 70er Jahre in Bischmisheim begonnen, heute hat der Pfannenhersteller aus Saarbrücken fast 100 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 22 Millionen Euro. Rund 800 000 Pfannen und Töpfe hat das Unternehmen im vergangenen Jahr in über 50 Ländern verkauft.

Die Norbert Woll GmbH ist ein echtes Familienunternehmen. Als sein Vater 1997 starb, ist André Woll vom Studium in Amerika zurückgekommen und hat neben seiner Mutter Ursula die Geschäftsführung übernommen. Seine Frau arbeitet ebenso im Unternehmen wie seine beiden Geschwister.

Und in den 18 Jahren, in denen der heute 39-Jährige die Firma führt, hat sie sich enorm weiterentwickelt. In den Anfängen lag der Schwerpunkt vor allem im Direktvertrieb . Zwar ist Woll auch heute noch auf Messen präsent und verkauft auch über Tele-Shopping-Auftritte und über das Internet. "Aber dieser Vertriebsweg macht heute nur noch fünf Prozent unseres Umsatzes aus - obwohl er gewachsen ist", sagt André Woll. Das Hauptwachstum komme über den Export, sagt der Geschäftsführer. Die Exportquote betrage mittlerweile 70 Prozent. Während Woll in Frankreich, Niederlande und Belgien mit einem eigenen Vertrieb vertreten ist, würden die übrigen Länder vor allem über regionale Großhändler versorgt.

Obwohl Woll-Pfannen in die ganze Welt gehen, findet die Produktion der Pfannen und Töpfe fast ausschließlich in Deutschland statt. Die Pfannen werden in einem speziell entwickelten Alu-Schmiedeguss-Verfahren im Sauerland gegossen, für die Beschichtung und Weiterverarbeitung ist das firmeneigene Werk in Saarwellingen zuständig. Nur die Glasdeckel kämen mittlerweile aus Ungarn. Das Saarland sei als Produktionsstandort überhaupt gut geeignet, sagt Woll. Sowohl wegen der Kostenstruktur als auch wegen der Verkehrsanbindung. Schwierig sei es nur, die entsprechenden Fachkräfte zu finden: "Aber aktuell sind wir gut aufgestellt."

Dass Pfanne nicht gleich Pfanne ist, zeigt auch die Entwicklung der Produktpalette: "Ich bin viel in der Welt unterwegs und höre deshalb auch viel über unterschiedliche Kochgewohnheiten", sagt Woll, der auch für die Innovationen im Unternehmen zuständig ist. Entsprechend gelte es, Produkte zu entwickeln, die zusätzlichen Nutzen bieten. Wie beispielsweise neue Deckel, die wahlweise ganz oder bis auf einen kleinen Spalt schließen, oder ein Silikoneinsatz, der wahlweise als Dämpfer, Sieb, Spritzschutz oder Untersetzter benutzt werden kann.

Aber auch die Kochtechnik verlangt nach Neuentwicklungen: "Für Induktionsherde sind Aluminium-Pfannen nicht geeignet", sagt Woll. Deshalb würde für die Induktionsserie speziell eine Edelstahlplatte auf den Boden gelötet. In Deutschland machen Induktions-Produkte bereits 60 Prozent aus, in Norwegen sogar 90 Prozent. Dass diese Pfannen und Töpfe dann auch für Ceran-Felder taugen, sei aber nicht richtig, sagt Woll. "Dafür sind reine Alu-Pfannen weit besser geeignet."

Woll hat jetzt schon ein weiteres Segment im Blick: die professionelle Gastronomie. Bereits jetzt beliefert das Unternehmen Sterneköche mit seinem Kochgeschirr . In drei Monaten soll nun eine spezielle Gastronomie-Serie an den Start gehen.