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Wo das Saarland Weltklasse ist

Meinung. Saarbrücken, so hat ein Informatiker der Saar-Universität einmal formuliert, gelte unter seinen Kollegen in Deutschland als "geheime Hauptstadt der Informatik". Es war ein vollmundiger Spruch. Aber keine Übertreibung. Das zeigte gestern eine Äußerung des Intel-Vizepräsidenten Justin Rattner auf dem Campus in Saarbrücken Von Peter Bylda

Saarbrücken, so hat ein Informatiker der Saar-Universität einmal formuliert, gelte unter seinen Kollegen in Deutschland als "geheime Hauptstadt der Informatik". Es war ein vollmundiger Spruch. Aber keine Übertreibung. Das zeigte gestern eine Äußerung des Intel-Vizepräsidenten Justin Rattner auf dem Campus in Saarbrücken. Die Uni-Informatik sei "Weltklasse", sagte der Intel-Vertreter bei der Einweihung des "Intel Visual Computing Institute". Während die Computer-Branche unter der Wirtschaftskrise leidet und viele Hersteller Rekordverluste melden, wird der Weltmarktführer aus Kalifornien aktiv, baut seine Forschungsaktivitäten aus und schließt die nach eigenen Worten bedeutendste Forschungs-Kooperation mit einer europäischen Hochschule. Er wählt dafür die Saar-Universität. Oder präziser: den Informatik-Standort Saarbrücken. Denn die Uni ist mittlerweile nur noch einer von mehreren gleichberechtigten Partnern im Software-Land Saarland. Längst sind neben ihr andere Teilnehmer einer Software-Allianz zu beachtlicher Größe gewachsen. Neben den beiden Informatik-Instituten der Max-Planck-Gesellschaft tragen das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und der junge Exzellenz-Cluster "Multimodal Computing and Interaction" an der Saar-Universität wesentlich zum Ruf Saarbrückens in der Welt der Informatik bei. Rund 400 Informatiker zählt mittlerweile allein der Standort Saarbrücken. Rechnet man die Forscher hinzu, die auf der Schiene Saarbrücken-Kaiserslautern Computer-Forschung betreiben, kommt man auf das Doppelte dieser Zahl. Der Informatik-Standort Saarland, der in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert, fällt damit nicht mehr allein durch Köpfchen auf, sondern auch durch die schiere Zahl der Köpfe, die hier Forschung rund um den Computer betreiben. Entscheidend für den Entschluss des Welt-Konzerns Intel, seine größte universitäre Forschungs-Kooperation in Europa ausgerechnet am Standort Saarbrücken zu besiegeln, waren jedoch nicht ausschließlich solche Betrachtungen. Diese Wahl sei nicht vom Himmel gefallen, erklärte Intel-Vize Rattner, sondern Ergebnis einer Jahre dauernden guten Zusammenarbeit. Und die war nur möglich, weil sich die Computer-Experten in Saarbrücken - einerlei, ob sie an einem Institut der Universität oder in einer der anderen Einrichtungen arbeiten - über die Grenzen ihrer Institutionen hinweg als ein Team verstehen. Das macht den Informatik-Standort Saarbrücken in den Augen des externen Beobachters zu dem, was er ist: eine in Europa einzigartige Einrichtung.