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Wirtschaftsfaktor Zuwanderer

Saarbrücken. Längst stellen Unternehmer mit ausländischen Wurzeln einen bedeutenden Teil der Arbeitgeber in Deutschland. Und schaffen dabei neue Märkte, wie ein Experte der Uni Mannheim in Saarbrücken erläuterte. Joachim Wollschläger

Welche Bedeutung haben Einwanderer als Unternehmer für die Wirtschaft? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Montag das "IQ-Netzwerk Integration durch Qualifizierung" auf einem Diskussionsabend in Saarbrücken . René Leicht, Diplom-Soziologe der Uni Mannheim, hatte darauf eine klare Antwort: eine große! Die Zahl unternehmerisch tätiger Migranten ist zwischen 2000 und 2015 um fast 70 Prozent gestiegen. Bei den deutschen Selbstständigen beträgt der Zuwachs nur rund 15 Prozent. Außerdem beschäftigen Unternehmer mit Migrationshintergrund 2,18 Millionen Arbeitnehmer - rund sechs Prozent aller Arbeitsplätze und rund 14 Prozent aller Jobs in inhabergeführten Unternehmen. "Unternehmer mit einem Migrationshintergrund machen einen wichtigen Teil unserer Wirtschaft aus", sagt Leicht. Und sie erschließen neue Märkte, weil sie oft Angebote schaffen, die es in Deutschland nicht gibt, die aber von anderen Migranten nachgefragt werden.

Auch angesichts der Flüchtlinge, die ins Saarland gekommen sind, gewinnt das Thema Migrantenökonomie an Bedeutung. Gründungen in diesem Bereich würden allerdings noch dauern, sagt Faruk Sahin, Berater beim IQ-Netzwerk, das Migranten bei der Unternehmensgründung berät. "Dafür ist es noch zu früh. Im ersten Schritt geht es erst einmal darum, hier anzukommen." Im zweiten Schritt sei aber auch die Selbstständigkeit ein Thema. Es seien beispielsweise viele Handwerker unter den Flüchtlingen. Und auch im Dienstleistungssektor gebe es für gering Qualifizierte die Chance, sich eine Existenz aufzubauen. In jedem Fall stelle sich das IQ-Netzwerk auch darauf ein, mehr Gespräche in arabischer Sprache zu führen. Dafür stünden Sprachmittler zur Verfügung, sagt Sahin.

Ein Hauptthema der Diskussion war das Thema Finanzierung. Immer wieder entstehe der Eindruck, dass Migranten größere Schwierigkeiten haben, eine Finanzierung zu bekommen. Das liegt Sahin zufolge auch daran, dass viele Unternehmensideen ungewöhnlich und erklärungsbedürftig sind.

Solch eine ungewöhnliche Idee haben Lydie Makamdem und Leonnel Christophe, die aus Kamerun stammen und in Saarbrücken an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) studieren. Ihre Idee: ein Internet-Portal, über das Studenten ihre Familien in der Heimat unterstützen und Lebensmittel bestellen können.

" Aktuell schicken viele Studenten Geld nach Hause. Das ist teuer, und das Geld wird oft auch nicht zum Kauf von Lebensmitteln genutzt", sagt Makamdem. Die beiden Gründer wollen deshalb über ihr Portal sicherstellen, dass Studenten in ihren Herkunftsländern bestimmte Waren bestellen können, die dann dort in einem Partnerladen abgeholt werden können. "So kann man seine Unterstützung gezielt einsetzen", sagt Christophe. Zwei Pilotgeschäfte in Kamerun haben bereits ihre Zusammenarbeit zugesagt. Offen ist noch die Frage der Bezahlung in Kamerun. Dafür suchen die Gründer nun eine Partnerbank .