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Treffen der Länder-Wirtschaftsminister
Zulieferer sollen Hilfen für neue Auto-Technik bekommen

Saarlands Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD).
Saarlands Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). FOTO: dpa / Oliver Dietze
Gonnesweiler/Tholey. Der Wandel der Automobilindustrie ist nicht nur für Hersteller ein Kraftakt, sondern auch für Zulieferer. Die brauchen jetzt besondere Hilfe, sagt die Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz. dpa

Bei der Umstellung auf neue Technologien im Autobau sollen die Zulieferer mit neuen Förderinstrumenten stärker unterstützt werden. „Wir wollen, dass die mittelständischen Unternehmen, die vor einem Riesen-Transformationsprozess stehen, diesen auch bewältigen können“, sagte Saarlands Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf das Treffen der Wirtschaftsminister der Länder am Mittwoch und Donnerstag im Saarland.


Die Mittelständler stünden auf dem Weg hin zu neuer Antriebstechnik und zu autonom fahrenden Autos mitsamt der Digitalisierung unter einem „enormen Innovations- und Anpassungsdruck“: „Und bei dieser Umstellung braucht es eben angepasste Förderinstrumente.“ Rehlinger, die den Vorsitz bei dem Ministertreffen hat, mahnte, nicht nur auf die Autohersteller zu schauen, für die die kommende Umstellung „auch schon ein Kraftakt“ sei. Man müsse aufpassen, dass dabei die finanziell schwächeren Zulieferer „nicht hinten runterfallen“.

Neue Arbeitsplätze und neue Geschäftsmodelle seien durchaus möglich: „Aber dabei darf man gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht alleine lassen.“ Alleine im Saarland gebe es 44 000 Beschäftigte im Automobilsektor. Die Vize-Regierungschefin an der Saar geht nach eigenen Worten davon aus, dass eine Mehrheit ihrer Kollegen den Ruf nach neuer Förderung unterstützt.



Beim Treffen der Länder-Wirtschaftsminister soll es auch um die Folgen eines möglichen Handelskriegs mit den USA und um Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel im Gesundheitssektor und im Gastgewerbe gehen. „Handelskrieg ist ein starkes Wort. Ich finde, wir befinden uns am Rande eines solchen“, sagte Rehlinger. „Und es stellt sich jetzt natürlich die Frage, wie sehr das Ganze eskaliert. Wir brauchen einen fairen und freien Handel und nicht das Wettrüsten von Zöllen.“

Die Gesundheitsversorgung habe große Bedeutung für die Wirtschaftspolitik. „Das ist schon auch ein hartes Standortthema.“ Ob sich ein Unternehmen in einer Region ansiedele, hänge von deren Attraktivität für Fachkräfte ab. Neben Kita, Schule und Kultur gehe es dabei auch um die Gesundheitsversorgung. Der Fachkräftemangel könne nur behoben werden, wenn das Berufsbild attraktiv werde und die „fortdauernde Überlastungssituation der Pflegekräfte“ beendet werde.

Dabei gehe es nicht nur um Geld: Man müsse vor allem für Entlastung sorgen. Dazu gehörten beispielsweise Versuche, Frauen die Rückkehr in Pflegeberufe zu erleichtern, Arbeitszeiten zu flexibilisieren und jungen Leuten Ausbildungsmöglichkeiten anzubieten. „Der nicht ausbildungsfähige Jugendliche ist ein Auslaufmodell“, sagte Rehlinger. „Wir können es uns nicht mehr leisten, irgendjemanden auf der Strecke zu lassen.“

Im Gastgewerbe müsse die „Arbeitgeberattraktivität“ erhöht werden: „Dort brauchen wir definitiv ein Umdenken“, sagte Rehlinger. Fachkräfte könnten sich heute in der Branche ihren Arbeitsplatz aussuchen. Viele Unternehmen seien aber nicht an Tarifverträge gebunden. Es bedürfe nun einer gemeinsamen Anstrengung von Betrieben, Branchenorganisationen, Kammern, Politik und Verwaltung, um beispielsweise bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf Fortschritte zu machen.