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Arbeitskampf bei Ryanair
Ryanair drohen weitere Streiks

Mit einem Streik in Deutschland und anderen Ländern haben Piloten den Billigflieger Ryanair empfindlich getroffen. Allein in Weeze waren etwa 2500 Fluggäste betroffen. Piloten und Gewerkschaft drohen mit weiteren Streiks. Von Clemens Boisserée und Mischa Ehrhardt

„Wir haben in kurzer Zeit den größten Streik in der Ryanair-Geschichte organisiert“, sagte Janis Georg Schmitt, Sprecher der Pilotengewerkschaft „Cockpit“. „Die Mitarbeiter haben ein klares Zeichen gesetzt, wie unzufrieden sie mit den Arbeitsbedingungen bei der Ryanair sind.“ Einzig am Flughafen Baden-Baden habe die Airline in Deutschland Flüge mit Hilfe von französischen Piloten abwickeln können.


Für den Samstag hat die Gewerkschaft eine ausführliche Bewertung des Streiks angekündigt. Anschließend wolle man auf Signale des Unternehmens warten. „Wir sind an einer konstruktiven Lösung interessiert“, sagte Schmitt. „Aber für eine solche Lösung muss Ryanair endlich in seine Mitarbeiter investieren und einen Tarifvertrag abschließen.“ Sollte die Airline kein verbessertes Angebot machen, seien weitere Streiks nicht ausgeschlossen. „Diese werden wir sicherlich nicht direkt am Montag machen, sondern 24 Stunden vorher ankündigen“, sagte Schmitt.

Ein Pilot der Ryanair, der anonym bleiben will, sagte unserer Redaktion: „Wenn sich die Airline nicht bewegt, streiken wir immer weiter, wenn es sein muss, auch vier Tage am Stück.“ Diese Ankündigung wollte Gewerkschaftssprecher Schmitt zunächst nicht bestätigen: „Ein mehrtägiger Streik wäre eine weitere Eskalationsstufe, über die erst einmal beraten werden muss.“



Seit Dezember 2017 erkennt die irische Billigairline Gewerkschaften an, seither verhandeln beide Seiten. „Cockpit“ will erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag vereinbaren, dieses sei in der Branche längst üblich. Ryanair verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, die laufenden Verhandlungen zu blockieren.

Der für 24 Stunden angesetzte Pilotenstreik bei Ryanair in mehreren europäischen Ländern trifft an diesem Freitag rund 55.000 Passagiere – davon 42.000 allein in Deutschland. Wegen des Streiks hatte die Airline bereits am Mittwoch vorsorglich nahezu das komplette Programm ihrer in Deutschland platzierten Jets gestrichen. An Flughäfen in NRW fielen Dutzende Flüge aus, allein in Köln/Bonn rund die Hälfte der für diesen Tag angesetzten Ryanair-Flüge. Die Passagiere hatten sich allerdings gut darauf eingestellt. „Ein Großteil von ihnen war bereits zuvor von der Fluggesellschaft informiert worden und sind gar nicht erst zum Flughafen gekommen“, sagte ein Sprecher. Nur vereinzelt habe es Nachfragen gegeben.