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Unfall in Hamburg
Tod durch Akku

In Hamburg starb ein Mann wegen einer Akku-Explosion – die Ursachen sind unklar. Aber Experten warnen insbesondere vor Feuer durch zu heiße Akkus in Smartphones, Staubsaugern oder anderen Geräten. Von Reinhard Kowalewsky

Die Explosion eines Akku-Ladegerätes hat einen Mann in Hamburg tödlich verletzt. Dies hat schon am Donnerstag für Erschrecken gesorgt. Experten halten es für denkbar, dass die eingelegten aufladbaren Batterien defekt waren, sich überhitzten und am Ende zerbarsten. Da Akkus zunehmend Verbreitung in Smartphones, Laptops, kleinen Staubsaugern und vielen anderen Geräten stecken, gibt es die Sorge, dass sie zu einem Sicherheitsrisiko werden.


„Wir haben weltweit mittlerweile viele Milliarden Geräte mit Lithium-Akkus“, sagt dazu Hans-Hermann Drews, Geschäftsführer des Instituts für Schadensverhütung und Schadensforschung der öffentlichen Versicherer, „und in fast jedem Haushalt sind einige dieser Energiespeicher. Da steigt insgesamt das Risiko.“ Gerade Brände in Häusern würden immer häufiger entstehen, weil ein überhitzter Akku ein Feuer verursache. „Ich würde von einigen hundert Bränden in den letzten Jahren wegen überhitzter oder falsch bedienter Akkus ausgehen und auch von einigen Toten dabei.“

Was passieren kann, hat das Institut akribisch zusammengetragen: Da brannte ein Haus ab, weil ein Bewohner sich einen minderwertigen Akku in sein Notebook eingebaut hatte – der kleine Computer stand nach dem Brand noch auf dem Tisch. Der Akku eines Elektrofahrrads zündete beim Laden einen halben Keller an. Ein Akkustaubsauger entzündet sich beim Aufladen – Drews warnt davor, Geräte nachts unbeaufsichtigt an die Steckdose zu hängen. Ein Smartphone setzt ein Bett in Brand – zum Glück war die Inhaberin wach und merkte den Rauch. Drews zieht aus solchen Vorgängen eine allgemeine Lehre: „Aufzuladende Geräte sollten nur da liegen, wo es nicht brennen kann. Und die Käufer sollten nur hochwertige Akkus vom Hersteller kaufen und sich an die Bedienanleitung halten.“



Dabei führen aber keineswegs nur Bedienfehler zu Gefahren.Ein Tesla-Elektrowagen fing in der Schweiz Feuer. Der Feuerwehrmann Thomas Kuhn aus Grevenbroich sieht bereits ein grundsätzliches Problem: „Wir müssen bei Unfällen mit Elektrowagen noch vorsichtiger vorgehen, als wir es sowieso tun.“ Denn es müsse beim Bergen einer Person sicher sein, dass die Batterien wirklich vom Bordnetz abgeklemmt sind, damit es keine gefährlichen Stromschläge gibt.

Samsung musste 2016 mehrere Millionen Smartphone des Typs Galaxy Note 7 wegen möglicher Explosionsgefahr zurückrufen, einige Airlines verboten die Geräte an Bord. Ein weiteres Samsung-Gerät verursachte diesen Sommer angeblich einen Brand in den USA – für Experten wie Drews kein Wunder: „Wir haben eine hohe Energiedichte in den überwiegend genutzten Siliziumakkus, da sind Feuer nie ganz ausgeschlossen.“

Worauf Nutzer achten sollten, sagt Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland. Grundsätzlich sollten auf keinen Fall defekte Akkus genutzt werden. Das Ladegerät müsse unbedingt auch zum aufzuladendem Gerät passen, weil sonst möglicherweise mit einer falschen Spannung geladen wird. Billige Ersatzakkus für Smartphones sollten tabu sein.

Bei einem neuen Gerät sollten die Kunden beim ersten Laden unbedingt schauen, ob der Akku sich extrem aufwärmt oder ob sich der Kunststoffrahmen aufbläht – das signalisiert Gefahr.

Außerdem sollten Nutzer die Geräte besser nicht die pralle Sonne legen und sie nach Möglichkeit nie ganz entladen. „Es gibt da Nutzer, die ein Smartphone, das sich ausschaltete, doch wieder ohne neues Aufladen einschalten. Eine solche Tiefentladung kann Gift für die Lebensdauer sein.“

Der Technikexperte vom TÜV gibt trotzdem Entwarnung: „Gemessen an der Zahl der Geräte haben wir mit High-Tech-Utensilien relativ wenige Unfälle.“ Allerdings würden Smartphones indirekt zu vielen Toten führen: „Die Zahl der Unfälle, weil Autofahrer am Steuer auf das Display statt auf die Straße schauten, hat ja enorm zugenommen.“

Gibt es dagegen Schutz? Ja, eine Freisprecheinrichtung nutzen – oder ein drahtloses Headset mit der Funktechnik Bluetooth. Das hat zwar auch einen kleinen Akku – aber zum Entfachen einer Hitzewelle und eines Feuers ist er zu klein.