| 12:30 Uhr

Konjunktur in Topform
Deutsche Verbraucher zum Jahresauftakt in Kauflaune

Konsumforscher sehen trotz der anhaltenden Hochstimmung der Verbraucher das Ende der Fahnenstange beim Konsumklima noch nicht erreicht. Foto: Markus Scholz
Konsumforscher sehen trotz der anhaltenden Hochstimmung der Verbraucher das Ende der Fahnenstange beim Konsumklima noch nicht erreicht. Foto: Markus Scholz FOTO: Markus Scholz
Nürnberg/Frankfurt/München. Die Konsumforscher der GfK berichten heute über die Verbraucherstimmung zum Jahresauftakt. Angesichts der weiterhin boomenden Wirtschaft gehen Experten davon aus, dass sich das Konsumklima in Deutschland im Januar weiter verbessert hat. dpa

Die deutschen Verbraucher sind so optimistisch wie selten zuvor ins neue Jahr gestartet. Viele sehen die Konjunktur in Topform und rechnen mit weiter steigenden Einkommen, wie das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK in einer Konsumklimastudie schreibt.



Entsprechend groß sei ihre Bereitschaft zu größeren Anschaffungen wie ein neues Auto, neue Möbel oder Unterhaltungselektronik. Auch für teure Reisen oder Wellness-Angebote sitze das Geld so locker wie selten zuvor, teilte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl mit.

Die Kauflaune stützt auch die Aussicht auf höhere Tariflöhne, etwa in der Metallindustrie, in der die IG Metall ein Gehaltsplus von 6 Prozent fordert. Und für den Öffentlichen Dienst hatte Verdi einen höheren Tarifabschluss als in den vergangenen Jahren gefordert. Die Zeichen für höhere Tarifabschlüsse für Millionen Beschäftigte stünden 2018 „so gut wie schon lange nicht mehr“, heißt es in einer Studie der Dekabank. Auch die deutschen Unternehmen sind zuversichtlich: Der Ifo-Geschäftsklima-Index stieg im Januar auf Rekordniveau. Von höheren Tarifabschlüssen profitierten etwas verzögert auch Rentner.

GfK-Experte Bürkl hält eine noch bessere Verbraucherstimmung für möglich. Die Gfk erwartet für Februar einen Anstieg des Konsumklimaindexes um 0,2 auf 11 Punkte. Das wäre der höchste Wert seit September 2001 - kurz vor dem Platzen der Internet-Blase. Es gebe aber einen entscheidenden Unterschied: „Damals haben die Menschen in Erwartung hoher Börsengewinne große Ausgaben geplant“, sagte Bürkl. Nun stehe das Konsumklima vor allem wegen der guten Beschäftigung auf einem solideren Fundament. Für 2018 rechnen Arbeitsmarktforscher im Schnitt mit 2,48 Millionen Arbeitslosen - 60 000 weniger als 2017.

Am stärksten ist nach der GfK-Umfrage unter 2000 Verbrauchern der Konjunkturoptimismus gestiegen. Der entsprechende Index kletterte im Januar im Vergleich zum Dezember 2017 um 9,2 Zähler auf 54,4 Punkte. „Dies ist der höchste Stand seit Februar 2011“, hieß es. Etwas moderater wuchs die Einkommenserwartung der Bürger und die Anschaffungsneigung. „Im Schlepptau steigender Konjunktur- und Einkommensaussichten verbessert auch die Konsumneigung ihr ohnehin hohes Niveau.“



Die GfK sieht aber auch Risiken, etwa eine wirtschaftliche Abschottung der USA und schleppende Brexit-Verhandlungen. „Diese könnten das Konsumklima im weiteren Verlauf eintrüben“, warnen die Forscher. Zudem hoffen sie auf eine baldige Regierungsbildung.

Zum Jahresstart zeigte sich die deutsche Wirtschaft indes unbeeindruckt. Die Stimmung in den Unternehmen gemessen am Ifo-Index erreichte im Januar wieder das Rekordniveau vom vergangenen Herbst. Das Geschäftsklima kletterte um 0,4 Punkte auf 117,6 Zähler, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. „Die deutsche Wirtschaft startet mit Schwung ins neue Jahr“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Bankvolkswirte hatten mit einem Rückgang gerechnet.

Die Hochkonjunktur dürfte sich in höheren Tarifabschlüssen widerspiegeln, schreiben Ökonomen der Dekabank. Insgesamt werden laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund in diesem Jahr für 9,7 Millionen Beschäftigte neue Vergütungstarifverträge verhandelt. Die Studie der Deka bezieht sich auf 8 Millionen Beschäftigte in führenden Branchen.

Hochgerechnet auf der Grundlage, was dort in den vergangenen Jahren erzielt wurde, erwarten die Ökonomen für 2018 am oberen Ende Tariflohnabschlüsse von 3,1 Prozent. „Dank der guten Konjunktur stehen etwa drei Prozent Lohnsteigerungen zur Verfügung, ohne dass die Unternehmen zu außerplanmäßigen Preiserhöhungen gezwungen sind“, erklärte Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Da aktuelle Abschlüsse erst im Jahresverlauf wirksam werden und noch etliche ältere Lohnvereinbarungen gelten, erwartet die Deka 2018 ein Plus von 2,6 Prozent bei den Tariflöhnen. Damit dürften die Löhne erneut stärker zulegen als die Inflation, womit Bürgern mehr im Geldbeutel bleibt.

Mitteilung Ifo

Pressemitteilungsportal der GfK

Deka-Research

IG Metall zur Tarifrunde

Gesamtmetall zur Tarifrunde

DGB zu Tarifrunden 2018

Verdi zu Tarifrunde 2018

Statistisches Bundesamt zu Inflation

Bundesamt zu Reallöhnen Q3/2017

Mitteilung WSI zu Reallöhnen im europäischen Vergleich

Hans-Böckler-Stiftung zu Reallöhnen 2017