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Kolumne: Total digital
Druck, Druck, Druck

3D-Drucker werden die Zukunft verändern – zum Guten und zum Schlechten. Von Florian Rinke

Karneval gab es für meine Mutter immer viel zu tun. Mal war es eine Piratenhose, die für uns Kinder genäht werden musste, mal ein Batman-Kostüm. Manches musste sie sich ausdenken, für anderes gab es Schnittmuster, die genau zeigten, wie es aussehen muss.


Die Schnittmuster der Zukunft sind die Baupläne, mit denen 3D-Drucker gefüttert werden. Und wie immer, wenn eine neue Technik die Welt verändert, gibt es große Chancen – und große Gefahren. Längst gibt es Baupläne für Waffen aus dem 3D-Drucker. Und natürlich gibt es viele Einsatzbereiche etwa für Produktpiraten. Gefahren drohen auch im Straßenverkehr, etwa wenn Menschen anfangen, ihre eigenen Ersatz- oder Tuning-Teile zu bauen.

Aber es gibt auch große Chancen. Zum einen werden 3D-Drucker zu einer noch stärkeren Individualisierung führen. In Werkstätten oder auf Baustellen könnten fehlende Ersatzteile kurzfristig gefertigt werden. Gleichzeitig könnten die Menschen auch Dinge reparieren, für die es heute keine oder nur teure Ersatzteile gibt. Theoretisch ließe sich dadurch der Elektroschrott verringern, weil Dinge seltener ausgetauscht werden müssten. In Krisengebieten könnten Ärzte Menschen besser versorgen, weil sie vor Ort passgenaue Prothesen etwa für die Opfer von Naturkatastrophen fertigen könnten.



Für Politik und Industrie ergeben sich daraus neue Aufgaben: Sie müssen Sicherheitsbehörden personell und technisch so ausstatten, dass sie kriminelle Machenschaften bekämpfen können, müssen Standards festlegen und vertrauenswürdige Plattformen schaffen, über die solche Baupläne verbreitet und erworben werden können. Und natürlich geht es um die Frage, ob Patentrechte angepasst werden müssen. Für die Arbeit braucht es keine modernen Printer, da reicht eine sehr alte Form: der Hochdruck.

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