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Zwei Abschlüsse in drei Jahren

Meike Merscher ist froh über ihren Doppelabschluss. Foto: Rich Serra
Meike Merscher ist froh über ihren Doppelabschluss. Foto: Rich Serra FOTO: Rich Serra
Saarbrücken. An fünf Berufsschulen im Saarland können Lehrlinge auch noch zusätzlich zu ihrer Ausbildung das Fachabi machen. Ein strammes Lernprogramm, das sich lohnt, wie Meike Merscher aus Saarbrücken erfahren hat. Hélène Maillasson

Meike Merscher ist erst 19. Doch sie hat keine Zeit verloren. Innerhalb von drei Jahren schloss die Saarbrückerin ihre Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten erfolgreich ab und erlangte gleichzeitig die Fachhochschulreife. "Ich wusste schon relativ früh, dass ich im Büro arbeiten möchte, und Rechtsanwaltsfachangestellte war nach der Gesamtschule meine erste Berufswahl", erklärt sie. Doch wer sagt, dass man zum Beispiel mit 30 Jahren immer noch den gleichen Berufswunsch wie mit 17 hat? Darüber braucht sich Merscher keine Gedanken zu machen, denn mit ihrem Doppel-Abschluss stehen ihr viele Möglichkeiten offen. Möchte sie den Bereich wechseln, stehen die Chancen mit einem Fachabitur besser als nur mit einem Berufsabschluss. "Und ich kann auch studieren", sagt Merscher - woran sie derzeit aber nicht denkt.

Der Bildungsgang "Ausbildung plus Fachhochschulreife" ist neu im Saarland. Er wird erst seit drei Jahren angeboten, und Meike Merscher gehört zum ersten Absolventenjahrgang. Doch eine leichte Sache war es nicht, das kann die 19-Jährige nur bestätigen. "Viel Freizeit war in den letzten Jahren nicht, ein bisschen muss man sich aber trotzdem nehmen." Rund 560 zusätzliche Unterrichtsstunden kommen über die drei Jahre zusammen im Vergleich zu den Mitschülern, die die gleiche Ausbildung ohne das Fachabitur machen. Wenn sich die Inhalte in manchen Fächern überschneiden, verlangt die Fachhochschulreife in anderen vertiefte Kenntnisse. Rechenaufgaben lösten in der Ausbildung auch Meike Merschers Mitschüler, die nicht die Fachhochschulreife erlangt haben - im Fach Rechnungswese n.

"Diej enigen, die den Doppelabschluss anstreben, haben aber zusätzliche reine Mathestunden. Auch in Deutsch und in den Fremdsprachen ist das Niveau höher", gibt Anke Leiser ein Beispiel. Die Lehrerin ist Koordinatorin dieses neuen Bildungsgangs an der Friedrich-List-Schule (KBBZ) in Saarbrücken . "Die Belastung ist schon groß. Man muss das wirklich durchziehen wollen und ehrgeizig sein", sagt Merscher. Dieses Modell ist daher nicht für jeden Azubi geeignet. Diejenigen, die den Aufwand unterschätzen, brechen oft ab. "Am Anfang meiner Ausbildung hatten sich rund 20 Leute an meiner Schule für die doppelte Qualifikation entschieden. Bei der Zeugnisverleihung waren wir nur noch fünf", berichtet Merscher. Doch gefragt, ob sie es nochmal machen würde, kommt prompt die Antwort: "Auf jeden Fall! Das hat sich richtig gelohnt. Viele machen die Ausbildung, und wenn sie dann studieren wollen, müssen sie noch zwei Jahre dranhängen, um das Fachabi zu bekommen. Ich habe viel Zeit gespart", stellt sie zufrieden fes t.

Genau diesen Mehrwert sieht auch Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD ): "Mit dem Angebot ‚Ausbildung plus Fachhochschulreife' helfen wir den Jugendlichen, die sich in Zukunft nicht ausschließlich zwischen Schule und Betrieb entscheiden müssen, sondern beides sinnvoll miteinander verbinden können. Auf diese Weise wird die duale Berufsausbildung deutlich attraktiver."

Die IHK Saarland will diese Form der Ausbildung bei den Betrieben stärker bewerben. "Berufsschüler, die sich für den Doppelabschluss entscheiden, sind hochmotiviert. Das ist auch für die Unternehmen ein Vorteil", sagt Peter Nagel, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung.

Zum Thema:

Auf einen Blick Fünf Berufsschulen bieten im Saarland das Modell "Ausbildung plus Fachhochschulreife" an: das Berufsbildungszentrum (BBZ) in Homburg, das BBZ in St. Wendel, das Kaufmännische BBZ in Saarbrücken , das Technisch-gewerbliche BBZ I in Saarbrücken (in Kooperation mit dem Technisch-gewerblichen BBZ II) und das BBZ in Sulzbach. In diesem Jahr nehmen 145 Schüler an diesem Programm teil. hem