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Neuer Produktionsrekord
ZF-Werk Saarbrücken brummt wie nie zuvor

Wolf-Henning Scheider, erst sechs Wochen als neuer Chef des Technologiekonzerns ZF im Amt,  absolvierte gestern seine erste Bilanz-Pressekonferenz.
Wolf-Henning Scheider, erst sechs Wochen als neuer Chef des Technologiekonzerns ZF im Amt, absolvierte gestern seine erste Bilanz-Pressekonferenz. FOTO: dpa / Felix Kästle
Friedrichshafen/Saarbrücken. Sonderschichten und Produktionsrekorde. Konzernchef Wolf-Henning Scheider sieht den Saar-Standort weiter als eine „tragende Säule“ an. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Der neue Vorstandsvorsitzende von ZF, Wolf-Henning Scheider, gerade mal sechs Wochen im Amt, hält große Stücke  auf das saarländische Werk und seine 8500 Mitarbeiter vor Ort. Schon am sechsten Tag, nachdem er den Chefposten übernommen hatte, besuchte er den Standort an der Goldenen Bremm. Sein Eindruck: „Die Mannschaft in Saarbrücken ist hoch kompetent. Man merkt, dass dort seit Jahrzehnten die weltbesten Getriebe entwickelt und hergestellt werden. Mir haben die Gespräche sehr viel Spaß gemacht“, sagte Scheider gestern bei der Bilanz-Pressekonferenz von ZF in Friedrichshafen. Auch konkrete Fachgespräche über Abläufe in der Produktion fallen ihm nicht schwer, da Scheider aus seiner Zeit als Manager bei den Autozulieferern Bosch und Mahle die Branche bereits kennt. Scheider sieht daher seine Berufung zu ZF als einen weiteren konsequenten Schritt an.


Dem neuen Chef sind in der Kommunikation nicht nur die Gespräche mit Beschäftigten in der Produktion wichtig, er führt zugleich auch generell neue Formen der Kommunikation ein. So kann sich jeder Mitarbeiter eines Standortes, wenn er ein wichtiges Anliegen hat,  über das Intranet auch direkt an den obersten Chef wenden. Scheider will auch häufiger mit seinen Mitarbeitern über einen internen neuen News-Kanal kommunizieren.

Das Werk an der Saar bleibe eine tragende Säule von ZF. Zumal auch die vierte Generation des Acht-Gang-Automatik-Getriebes voraussichtlich ab 2022 in Saarbrücken startet. Das Getriebe heutiger Prägung „hat noch eine lange und gute Zukunft vor sich“, sagte Scheider. Er sieht derzeit eine große Herausforderung darin, das Elektrogetriebe in den Motor zu integrieren. Das betreffe modernste Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieb, die eine hohe Reichweite durch die Verbindung von Verbrennungsmotor und Elektroabtrieb erzielen. „Unser Produkt, das elektrische Getriebe, ist hier eine Kernkomponente“, sagte Scheider. Wurden 2016 noch 40 000 solcher Hybridgetriebe in Saarbrücken hergestellt, waren es 2017 schon 70 000. Die Erwartungen für 2019 gehen von 90 000 solcher Getriebe aus.

Das ZF-Werk an der Saar mit Hermann Becker an der Spitze brummt zur Zeit wie nie zuvor. Mit 2,6 Millionen produzierten Getrieben (Vorjahr: 2,5 Millionen) wurde 2017 ein neuer Produktionsrekord aufgestellt. Bis in den Sommer 2018 hinein werden Sonderschichten an allen Wochenenden sowie auch an Feier- und Brückentagen gefahren. Die Mitarbeiter bekommen  entsprechende Sonderprämien gezahlt, um so die hohen Zusatzbelastungen zu vergüten. Mit der Strategie der Sonderschichten will ZF auch Produktionsausfälle vom Anfang des Jahres wieder aufholen, die durch den Tarifkonflikt in der Metallindustrie entstanden waren. Mit einer ausschließlichen Produktionswoche von montags bis freitags müssten derzeit täglich 12 500 Getriebe im Werk entstehen. Diese Mengen seien wegen der vorhandenen Kapazitätsgrenzen und dem gleichzeitigen Nachholbedarf nicht zu stemmen.

ZF geht für Saarbrücken von weiteren Absatzsteigerungen über die 2,6 Millionen Getriebe aus, wenn es gelingt, weitere Maßnahmen wie etwa eine zunehmenden Automatisierung von Produktionsabläufen umzusetzen. Alleine 2017 wurden an der Goldenen Bremm rund 70 Millionen Euro investiert. Der Standort Saarbrücken werde jedoch nicht mehr  größer werden. Es gebe keine Möglichkeiten mehr das Werk zu erweitern. Auch der Personalbestand werde nicht weiter wachsen. Die weitere Entwicklung sei wesentlich davon abhängig, welche Kunden welche Produkte bestellen. Und ob noch neue Auftraggeber hinzukommen. Zu den Hauptkunden von ZF in Saarbrücken zählen Premium-Hersteller wie BMW,  Jaguar und Land-Rover. Wegen der ungewissen Diesel-Zukunft setzten Hersteller verstärkt auf neue Modelle mit Hybrid-Antrieb.



Der Technologiekonzern ZF erzielte 2017 einen Rekordumsatz von 36,4 Milliarden Euro und steckte 2,2 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Diese Zahl soll noch steigen. Beschäftigt werden weltweit mehr als 146 000 Mitarbeiter. Das Ergebnis nach Steuern lag auch dank positiver Steuereffekte bei rund 1,2 Milliarden Euro nach 924 Millionen im Vorjahr, wie das Unternehmen mitteilte.