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Industrie
Wissens-Mekka für die Fertigung der Zukunft

Das Kompetenzzentrum Saarbrücken ist im Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema) untergebracht. Dessen Geschäftsführer sind Andreas Noss und  Rainer Müller (v.l.). Links: Roboterdame Pepper.
Das Kompetenzzentrum Saarbrücken ist im Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema) untergebracht. Dessen Geschäftsführer sind Andreas Noss und Rainer Müller (v.l.). Links: Roboterdame Pepper. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Jetzt hat auch das Saarland sein Kompetenzzentrum in Sachen Mittelstand 4.0. Firmen können dort Wissen absaugen. Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Im Moment schießen sie wie Pilze aus dem Boden, die Kompetenzzentren Mittelstand 4.0. Allein in der vergangenen Woche startete Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) offiziell drei Stück – und zwar für „Usability“ (Benutzerfreundlichkeit von IT-Lösungen), „IT-Wirtschaft“ und „Textil vernetzt“. Diese drei jüngsten Kompetenzzentren sind jeweils in mehreren deutschen Städten verteilt.



Inzwischen gibt es bundesweit 22 dieser Zentren. Auch das Saarland hat seit gestern offiziell eines. Erst vor drei Monaten ist die Förderzusage des Bundeswirtschaftsministeriums eingegangen. 3,5 Millionen Euro hat die Bundesregierung bis 2020 dafür zur Verfügung gestellt. Angesiedelt ist es beim Saarbrücker Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik (Zema).

Zu den Kooperationspartnern des Projekts gehören neben dem Zema auch die Standortagentur Saaris und das AWS (August-Wilhelm Scheer-Institut) für digitale Produkte und Prozesse.

Ziel dieses neuen Zentrums ist, die kleinen und mittleren Unternehmen im Saarland fit zu machen für die Produktionsprozesse der Zukunft, in denen die Vernetzung zwischen Maschinen und/oder Menschen wesentlich intensiver ablaufen soll als bisher. „Weniger Theorie, mehr Praxis“ – diese Losung von Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) soll in diesem neuen Zentrum umgesetzt werden. Es soll die Firmen „praxisnah unterstützen“ – etwa durch Sprechstunden, persönliche Betreuung, Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch. Dieser Technologie-Transfer müsse in Zukunft schneller „die Böden der Werks­hallen erreichen“.

Das Saarbrücker Zentrum hat sich das Motto „Produktion.Zukunftsfähig.Vernetzt“ auf die Fahnen geschrieben. „Wir wollen vor allem die Vernetzung der großen Industriebetriebe im Land mit ihren Zulieferern in der Region voranbringen“, sagte der technische Zema-Geschäftsführer Rainer Müller gestern bei der Eröffnung. „Nur so können sie sich ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten.“ Dieser Ansicht schloss sich auch Ministerin Rehlinger an. „Die Zulieferer müssen mit der Industrie Schritt halten können.“ Das gelte nicht nur für kleinere Industriebetriebe, sondern auch für das Handwerk.



Das Wissensangebot des Saarbrücker Kompetenzzentrums soll bewusst „niederschwellig“ sein, um nicht mit hochgestochenen Begriffen „die Rat Suchenden gleich zu verwirren“, sagte Leenhard Hörauf, Leiter des Kompetenzzentrums, gestern bei der Präsentation der Aufgaben. „Sowohl Einsteiger als auch Industrie 4.0-erfahrene Unternehmen finden im Angebot gezielte Unterstützung“, sagte Dirk Werth vom AWS-Institut. Die Mitarbeiter des Zentrums bieten zudem Betriebsbesuche an. „Wir wollen in Gesprächen den persönlichen Bedarf einzelner Unternehmen herausfinden“, so Hörauf. Außerdem sind sie bestrebt, die einzelnen Firmen miteinander zu vernetzen.

Interessierte Unternehmer können aber auch im Kompetenzzentrum vorbeischauen (Adresse siehe unten) und sich anhand von Demonstrationen einzelne Projekte von Industrie 4.0 ansehen. Unter anderem können sie dort einen digitalen Auftragsablauf verfolgen oder sehen, wie eine innerbetriebliche Vernetzung vonstatten gehen kann. Die Experten bieten zudem einen Einblick in digitale Geschäftsmodelle.

Einer der Schwerpunkte ist außerdem der Einsatz von Robotern in Zusammenarbeit mit Menschen. „Hier arbeiten wir bereits an sehr weit fortgeschrittenen Maschinen“, erläuterte Karl-Josef Schmitt, der bei dem Saarbrücker Sondermaschinenbauer Woll für die Digitalisierung zuständig ist. So seien die Roboter bereits in der Lage, mit Hilfe menschlicher Anleitung bestimmte Werkstücke in Einzelfertigung herzustellen. Außerdem achten sie darauf, dass ihren „Kollegen Mensch“ nichts passiere.

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Saarbrücken ist Am Eschberger Weg 46, Gebäude 9 beheimatet. Telefonisch ist es unter (06 81) 85 78 73 50 erreichbar, per E-Mail unter info@komzetsaar.de; Internet: www.kompetenzzentrum-saarbruecken.digital.