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Saar-Kritik an Bahn und Flugverkehr
Rehlinger greift in der Verkehrspolitik durch

Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger will mit einem Vorstoß bei der Bundesregierung erreichen, dass der Hochgeschwindigkeitszug von Frankfurt über Saarbrücken nach Paris künftig noch häufiger fahren.
Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger will mit einem Vorstoß bei der Bundesregierung erreichen, dass der Hochgeschwindigkeitszug von Frankfurt über Saarbrücken nach Paris künftig noch häufiger fahren. FOTO: dpa / Jan Woitas
Saarbrücken. Nach Flugausfällen auf der München-Linie und zu wenigen Zugverbindungen im Fernverkehr erhöht die Ministerin den Druck auf Airlines und die Bahn. Von Thomas Sponticcia
Thomas Sponticcia

Der Wirtschaftsministerin reicht es. Sie will nicht länger hinnehmen, dass es auf der täglichen Flugverbindung ab Saarbrücken nach München, die von der Airline BMI Regional bedient wird, immer wieder zu Ausfällen kommt. Der Wirtschaftsstandort Saarland und alle hier ansässigen Unternehmen seien jederzeit auf zuverlässige Verbindungen angewiesen, sagte Anke Rehlinger (SPD) gestern. Alles andere schade der Region.


„Ich bin nicht zufrieden mit der Qualität der Verbindung nach München. Wir werden jetzt in einem Gespräch mit der Airline unserer Unzufriedenheit sehr deutlich zur Sprache bringen“, kündigte Rehlinger an. Mangelndes Personal oder schlechte Wetterbedingungen auf dem Weg von Schweden, wo die Maschine herkommt, nach Saarbrücken, seien nicht länger Gründe, mit denen sich BMI Regional aus ihren Verpflichtungen rausreden könne. „Für mich hat es oberste Priorität, dass die Linie künftig verlässlich bedient wird“, sagte Rehlinger.

Auch mit der Deutschen Bahn ist die Wirtschaftsministerin derzeit alles andere als zufrieden. Sie habe genug davon, dass von Zeit zu Zeit der jeweils amtierende Bahnchef an die Saar komme, viel verspreche, aber dann bleibe nach einem solchen „Bahngipfel“ am Ende nichts übrig als wohlmeinende Worte ohne Taten. „Solche Gipfel waren bisher nicht sehr ertragreich“, kritisierte Rehlinger. Sie sieht dringenden Bedarf in einer Verbesserung der Fernverbindungen ab Saarbrücken. Das betreffe sowohl die Verbindung Frankfurt-Saarbrücken-Paris, die zudem von der Deutschen Bahn angekündigte, aber laut Rehlinger immer noch nicht beschlossene Morgenverbindung von Saarbrücken nach Berlin sowie Direktverbindungen nach München, die aus Kreisen der  Saar-Wirtschaft und von den Grünen inzwischen als Alternative zu unzuverlässigen Flugverbindungen gefordert werden. Das Angebot einer regelmäßigen Zugverbindung von Saarbrücken nach München will Rehlinger zwar unterstützen. Allerdings sei die Umsetzung einer solchen Verbindung schwierig, denn „die Rheinschiene und auch das Drehkreuz Mannheim sind jetzt schon voll belegt“.



Rehlinger will zur Verbesserung der Direktanbindung nach Paris jetzt bei der Bundesregierung in Berlin vorstellig werden Man habe in der Bundes- und Landespolitik, aber auch in der Saar-Wirtschaft in der Vergangenheit „viel vom deutsch-französischen Motor zur Beschleunigung der europäischen Integration gesprochen“, so die Ministerin. Auch der deutsch-französische Ministerrat habe darüber geredet, aber in Wirklichkeit laufe dieser Motor in letzter Zeit nicht mehr rund. Die Bundesregierung müsse eingreifen und dafür sorgen, dass auch in der grenzüberschreitenden Verkehrspolitik schleunigst vertrauenswürdige Signale gemeinsam mit den französischen Nachbarn gesetzt werden. Mit dem Ziel, die Zahl der derzeit täglich vier Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen Frankfurt, Saarbrücken und Paris, zu erhöhen. „Das Potenzial an Reisenden hierfür muss jetzt ermittelt werden. Wir dürfen nicht erst 2020 über dieses Thema verhandeln.“