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| 21:39 Uhr

Zulieferstreit
Will Prevent die Neue Halberg Guss aussaugen?

Wegen dieser Versammlung der Mitarbeiter am Donnerstag ist die NHG-Geschäftsführung verärgert.
Wegen dieser Versammlung der Mitarbeiter am Donnerstag ist die NHG-Geschäftsführung verärgert. FOTO: Halberg Guss
Saarbrücken. Nach Ansicht der IG Metall droht bei der Saarbrücker Gießerei einen Überlebenskampf wie vor Jahren bei der Schraubenfabrik Beckingen. Von Volker Meyer zu Tittingdorf
Volker Meyer zu Tittingdorf

Bei der Neuen Halberg Guss (NHG) wachsen die Sorgen. „Die Belegschaft fühlt sich nicht ernst genommen“, beschrieb gestern Patrick Selzer die Stimmung, nachdem die Geschäftsführung am Montag auf den Fragenkatalog der Arbeitnehmervertreter reagiert hat. Auch „führte zu großer Verärgerung“, wie das Management die Versammlung von rund 600 Mitarbeitern am vergangenen Donnerstag kommentierte, sagte der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Saarbrücken: nämlich mit Vorwürfen und Drohungen. Geschäftsführer Alexander Gerstung bezeichnet die Veranstaltung als „wilde Aktion“ und deutet sie als „Fußtritt gegen die Wettbewerbsfähigkeit der NHG“, wie es in dem unserer Zeitung vorliegenden Text heißt. Betriebsrat und Gewerkschaft drängen nun auf eine Versammlung, auf der die Mitarbeiter die Geschäftsführer befragen können. Auch scheint sich abzuzeichnen, dass die Arbeitnehmervertreter den Zukunftstarifvertrag kündigen. Nach dem noch bis Jahresende laufenden Vertrag verzichten die Beschäftigten auf Teile des Lohns und sind zu Mehrarbeit bereit.

Nachdem der neue NHG-Eigentümer, die Prevent-Gruppe, die Auslieferung von Motorblöcken an VW vergangene Woche zeitweise unterbrochen hatte, bangen Gewerkschaft und Belegschaft um die Zukunft der rund 1500 Arbeitsplätze in der Saarbrücker Gießerei sowie der etwa 600 Jobs im Schwesterwerk Leipzig. Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass Prevent seinen langjährigen Zwist mit VW nun auf dem Rücken der Belegschaft der Neuen Halberg Guss austrägt. Gerüchten zufolge könnte das Unternehmen noch mehr als gedacht in den Konflikt hineingezogen werden. Angeblich soll die Prevent-Tochter Car Trim Forderungen aus der Auseinandersetzung mit VW von 2016 an die NHG abtreten. Das Szenario, das dann bevorstehen könnte: Die NHG droht mit Lieferstopps, wenn VW nicht zahlt, genauso wie es Prevent über Car Trim und die weitere Tochter ES Guss getan hat. Damals standen in einigen VW-Werken zeitweise die Bänder still. Wenn Prevent das vorhaben sollte, wäre dies für Selzer ein weiterer Beweis, dass sich das Szenario aus 2016 wiederholt und „hier mit Existenzen gespielt wird“. In diesem Fall „werden wir nicht tatenlos zusehen. Ich gehe davon aus, dass wir den Zukunftstarifvertrag kündigen“, sagte Selzer.

Der Gewerkschaftsfunktionär fürchtet auch, dass Prevent das Tafelsilber der NHG verkauft, also Maschinen und Immobilien veräußert, um sie anschließend zurückzumieten. „Die Neue Halberg Guss droht ein zweites Whitesell zu werden“, sagt Selzer. Das US-Unternehmen Whitesell hatte vor vier Jahren die Beckinger Schraubenfabrik übernommen und hatte massiv die Preise erhöht, Druck auf die Kunden, allen voran BMW, ausgeübt und alle Werte ausgelagert. Am Ende stand die Insolvenz, und mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze waren verloren. Der Einstieg des Schraubenherstellers Nedschroef, der unter anderem in Fraulautern produziert, rettete die Beckinger Traditionsfabrik vor dem Untergang. „Wenn sich diese Gerüchte bewahrheiten, dass derartige Auslagerungen betrieben werden, dann muss ich feststellen, dass die Geschäftsführung über Zukunft redet, aber nichts für die Zukunft tut“, wirft Selzer dem Management vor.

Was auch immer die Prevent-Gruppe vorhat, die Existenzsorgen der Mitarbeiter sind offenbar berechtigt. Denn das NHG-Management räumte offen ein: „Keiner der beiden Standorte und nicht alle heutigen Arbeitsplätze sind gesichert“, wie es in dem Schreiben an die Mitarbeitervertretung heißt, das im Betrieb ausgehängt wurde. Unter dem Vorbesitzer, der Süddeutschen Beteiligung GmbH, hatte sich schon abgezeichnet, dass VW wegen sinkender Nachfrage nach Diesel-Autos Aufträge reduzieren wird. Es sei Kompensation angeboten, aber noch nichts konkret zugesagt worden.

Selzer sieht auch VW beziehungsweise die Autobauer insgesamt in der Verantwortung: Sie setzen viele Zulieferer so stark unter Preisdruck, dass diese nur schwer überleben können. Damit ist der Boden bereitet für Investoren, die diese Firmen aufkaufen und nutzen, um Geld von den Autoherstellern zu erpressen. Selzer sieht die Autobauer in der Pflicht, zum Erhalt der Zulieferer und der Arbeitsplätze beizutragen.

 Bei VW herrscht nach Informationen unserer Zeitung die Ansicht vor, dass man kein Problem mit der NHG habe und gerne weiter mit ihr zusammenarbeiten wolle, aber nicht, solange Prevent der Eigentümer ist. VW „will sich nicht jedes Quartal erpressen lassen“, heißt es.