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Deutsch-Französischer Mittelstand
Wie Start-ups dem Mittelstand helfen

Um den digitalen Wandel zu meistern, greifen schon heute manche Handwerker auf Dienstleistungen von Start-ups zurück.
Um den digitalen Wandel zu meistern, greifen schon heute manche Handwerker auf Dienstleistungen von Start-ups zurück. FOTO: 79427564 / industrieblick - Fotolia
Saarbrücken. Bei einem Kongress brachte die Hochschule für Technik und Wirtschaft Akteure aus der Großregion zusammen. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Die Suche nach geeigneten Fachkräften, die fortschreitende Digitalisierung und die Globalisierung der Märkte: Kleine und mittelständische Unternehmen in der Großregion müssen mehrere Herausforderungen gleichzeitig bewältigen. Dabei geht es nicht nur um kosmetische Verbesserungen, sondern nicht selten um die Existenz, die Überlebensfähigkeit des Betriebs.



Oft gibt es vor der Haustür – oder ein paar Kilometer weiter – eine Menge Akteure, die sie auf ihrem Weg zu mehr Innovationen unterstützen können. Um sie zusammenzubringen und Möglichkeiten der Kooperation auszuloten, hatte die Hochschule für Technik und Wirtschaft einen Kongress in Saarbrücken veranstaltet.

Neben Vertretern von Politik, Kammern und des universitären Bereichs kamen auch Praktiker, die diese Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Mittelstand in den jeweiligen Regionen bereits umsetzen. So wie Philippe Hénaux, der Leiter der Initiative „LORnTECH“, die sich zwischen Epinal, Nancy, Thionville und Metz erstreckt. „Seitdem wir 2014 gestartet sind, merken wir vor allem bei jungen Menschen eine unglaubliche Dynamik und einen großen Unternehmensgeist“, berichtet er. Auf der Frage, was Jugendliche später einmal machen wollen, hätten viele vor 15 Jahren gesagt, dass sie Beamte werden wollen. Heute träumen viele von der eigenen Firma. Dafür gäbe es unterschiedliche Gründe: die Lust, eine Idee zu verwirklichen, die Verankerung in der Heimat, aber auch die Schwierigkeit, eine Arbeitsstelle zu finden.

Natürlich sei nicht jede zündende Idee umzusetzen oder gleich erfolgreich. „Von zehn Projekten überstehen nur fünf das erste Jahr, in dem es konkreter wird und in Richtung Implementierung geht“, sagt Hénaux. Seine Aufgabe ist es unter anderem, nach einem Markt und Kunden für die jungen Unternehmen zu suchen.

Und davon gibt es anscheinend genug, vor allem unter den klein- und mittelständischen Unternehmen. „Viele kleine Betriebe haben einfach nicht die Ressourcen, um den digitalen Wandel in ihren Strukturen durchzuziehen“, sagt der Experte. „In Frankreich steht der Schritt bei der Hälfte der Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern noch aus.“ Also kümmern sich Hénaux und sein Team darum, zwischen Angeboten und Gesuchen zu vermitteln. Ein gutes Beispiel dafür ist das lothringische Start-up 90Tech, das Software entwickelt. „Wir haben es mit Handwerkern wie Klempnern und Elektrikern zusammen gebracht, die sich keine eigene IT leisten können und solche Dienstleistungen dennoch brauchen. Seitdem verzeichnen diese Ein-Mann-Betriebe einen Produktivitätsgewinn von rund 20 Prozent“, berichtet Hénaux.



Auch im Großherzogtum eröffnen sich für traditionelle Unternehmen durch die Innovationen der Start-ups neue Möglichkeiten. So berichtete Marc Lemmer von der Universität Luxemburg von einem Gerüstbauer, der für genauere Kostenvoranschläge nun Dronen einsetzt. „Der nächste Schritt steht an: Was im nationalen Rahmen bereits funktioniert, sollte in der Großregion grenzüberschreitend ausgeweitet werden“, wünscht sich Lemmer.