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Geldanlage
Wie jeder zum Finanzierer werden kann

Knopfdruck zum Start der Deutschen Crowdinvest: Jörg Regitz, Anke Rehlinger,  Georg Rase, Uwe Johmann (Firmenkunden-Vorstand Sparkasse Saarbrücken), Doris Woll (Vorstandschefin SIKB) und  Michael Schmidt (v.l.).
Knopfdruck zum Start der Deutschen Crowdinvest: Jörg Regitz, Anke Rehlinger,  Georg Rase, Uwe Johmann (Firmenkunden-Vorstand Sparkasse Saarbrücken), Doris Woll (Vorstandschefin SIKB) und  Michael Schmidt (v.l.). FOTO: Deutsche Crowdinvest / Frank Schäfer
Saarbrücken. Anleger können auch mit kleinen Summen junge Firmen in der Region fördern. Das ermöglicht die neue Plattform Deutsche Crowdinvest. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Künftig können sich Menschen aus der Region über eine sichere Internet-Plattform finanziell an Unternehmen und Projekten beteiligen, an die sie glauben – und das mit relativ kleinen Beträgen. Möglich macht dies die Firma Deutsche Crowdinvest (DCI), die jetzt einsatzbereit ist. „Dieses Finanzierungsinstrument hat bisher gefehlt“,  sagte die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) zum Auftakt. An den Hochschulen des Landes „sind wir in der Forschung richtig gut“. Doch dieser Forschergeist werde für einen Wirtschaftsstandort erst dann wertvoll, „wenn diese Erkenntnisse in Geschäftsmodelle umgesetzt werden“. Die Finanzierung junger Firmenausgründungen aus dem Hochschul-Umfeld sei mit klassischen Bankkrediten nicht zu bewerkstelligen, da selten Sicherheiten vorhanden seien.


Hierbei soll die neue Investitions-Plattform DCI helfen, an der die Sparkasse Saarbrücken (60 Prozent), die Saar-LB und die landeseigene Strukturbank SIKB (jeweils 20 Prozent) beteiligt sind. „Die Dienste der DCI können aber auch etablierte Unternehmen beanspruchen, die ihre Mitarbeiter an der Firma beteiligen wollen“, erläuterte Jörg Regitz. Er ist neben Georg Rase und Michael Schmidt einer der DCI-Geschäftsführer.

Geld kann erst ab dem 2. Mai in interessierte Unternehmen investiert werden. Doch Christian Schwindling, Geschäftsführer der jungen Saarbrücker Software-Firma Qbing, steht mit seinem Team schon Gewehr bei Fuß. Das Unternehmen verwendet auf Radiowellen basierende Codes – sogenannte RFIDs –, um in einer Industriefertigung „bislang isolierte Informationsinseln einfach und günstig miteinander zu verknüpfen“, sagt Software-Entwickler Alexander Westhäusler. Qbing ist eine Ausgründung aus der Hochschule für Technik und Wirtschaft  (HTW).

Für eine Beteiligung der Mitarbeiter, aber auch der knapp 15 000 Mitglieder des Sozialkonzerns  AWO (Arbeiterwohlfahrt) interessiert sich Saar-Landesgeschäftsführer Holger Wilhelm, wie er erzählte. Immerhin beschäftige die AWO fast 6000 Frauen und Männer, und diese könnten auf diese Weise am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben.

Es können sowohl private Anleger als auch professionelle Investoren, wie zum Beispiel Risikokapital-Fonds, über die DCI Geld anlegen. Privatleute dürfen mit maximal 10 000 Euro dabei sein. Das Geld wird wie ein Nachrangdarlehen behandelt. Geht eine Firma pleite, ist es futsch. Die Unternehmen können entscheiden, wie lange das Kapital mindestens angelegt werden muss. Die Firmen bestimmen auch die Höhe der Verzinsung.