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WWG in Saarbrücken
Wie der Weg ins Berufsleben gelingen kann

Engagiert bei Berufseinstieg: Das Wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium in Saarbrücken mit Schulleiterin Michaela Brinkmann (vorne Mitte).
Engagiert bei Berufseinstieg: Das Wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium in Saarbrücken mit Schulleiterin Michaela Brinkmann (vorne Mitte). FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Möglichst ohne Brüche von der Schule ins Berufsleben. Wie das gehen kann, wird am WWG in Saarbrücken vorgemacht. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Michaela Brinkmann hat den Ehrgeiz, „dass niemand unsere Schule verlässt, ohne dass er weiß, was er anschließend machen will“. Brinkmann leitet das Wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium und das Saarland Kolleg (WWG-SK) in Saarbrücken. Sie hat mit Ihrem Team einen Perspektiv-Kalender ausgearbeitet, der sich über die drei letzten Jahre bis zum Abitur erstreckt – also über die ganze Zeit, in der junge Frauen und Männer dieses reine Oberstufen-Gymnasium besuchen.


Das erste Jahr ist der Selbst- und Fremdeinschätzung gewidmet. „Was sind meine Stärken? Was macht mir Spaß? Was interessiert mich? – das sind die wichtigsten Fragen, die jeder für sich beantworten soll“, erläutert Brinkmann.

Im zweiten Jahr wird es dann schon konkreter. Die jungen Leute sollen herausfinden, welche Berufe ihnen gefallen oder was für sie besser ist – eine duale Ausbildung oder ein Studium. Das WWG vermittelt in dieser Zeit Praktika in Unternehmen verschiedener Branchen. „Wir haben uns in den vergangenen Jahr ein Netzwerk von Firmen aufgebaut, in die wir unsere Schüler vermitteln können“, sagt die Schulleiterin. Dazu gehören der Handelskonzern, Globus, das Saarbrücker IT-Haus Data One, die Hotelkette Victor‘s oder die Sparkasse Saarbrücken – aber auch die Polizei und die Homburger Universitätsklinik.

„Das ist keine Einbahnstraße, sondern kommt auch den Firmen entgegen“, sagt Alina Bastuck, Personalberaterin bei Data One. „Wir sind bestrebt, schon früh Talente zu finden.“ Denn „die Zahl der Bewerbungen nimmt spürbar ab“. So hat das Saarbrücker Beratungs- und Software-Haus, das unter anderem Fachinformatiker und Kaufleute ausbildet, neben dem WWG vier weitere Kooperationsschulen. Bei Schüler Fabian Schumacher scheint das Werben schon auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Er will eine Ausbildung als Fachinformatiker bei Data One machen.

Zu den Pflichten des zweiten Jahres gehören zudem eine Berufsberatung bei der Arbeitsagentur oder der Besuch einer Ausbildungs-Fachmesse wie die jährlich in Saarbrücken stattfindende Vocatium. Allerdings soll dies kein zwangloses Schlendern über die jeweilige Messe sein. „Wir erwarten von den Schülern, dass sie im Vorfeld vier konkrete Termine mit Ausstellern ausgemacht und sich darauf vorbereitet haben“, sagt der stellvertretende WWG-Schulleiter Volker Bständig. Außerdem veranstaltet die Schule selbst eine WWG-Berufswahlbörse mit den Netzwerk-Firmen. Darüber hinaus bietet sie die Möglichkeit eines Schnupper-Studiums an den Hochschulen an, bei dem während oder nach dem Unterricht Vorlesungen besucht und Scheine erworben werden können – vornehmlich in naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie, Mathematik oder Physik. „Dadurch wird der Übergang in ein Studium erleichtert“, sagt Brinkmann.



Ein Jahr vor dem Abitur sollen die Berufswahl-Vorstellungen klarer werden. In dieser Zeit werden unter anderem Bewerbungen trainiert. In Gruppensitzung, bei denen auch Mitarbeiter von Personalabteilungen teilnehmen, wird die Situation eines Vorstellungsgesprächs durchgespielt. Mit anschließender Rückkopplung, was besser gemacht werden könnte.

Die Vorbereitung auf das Berufsleben trägt bei den WWG-Schülern offenbar Früchte. Etliche wissen schon ziemlich genau, wohin sie ihr beruflicher Weg führen könnte. Charlotte Bruhn, die jetzt ihr Abitur gemacht hat, will das ökononomische Wissen, das sie sich in den vergangenen drei Jahren im WWG erworben hat, für ein Wirtschaftsstudium nutzen. Liane Gayer hat noch ein Jahr bis zum Abi, doch sie strebt „auf jeden Fall ein duales Studium im Bankbereich an“. Ein Praktikum bei der Sparkasse hatte sie auf die Idee gebracht.

Lehrerin Katharina Bauer will zudem erreichen, dass ehemalige WWGler ihre Erfahrungen beim Berufsstart nachfolgenden Schülergenerationen weitergeben, und ein Alumni-Netzwerk aufbauen. „Sie können bestimmt gute Ratschläge geben, wie man den Übergang zum Beruf unfallfrei hinbekommt.