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| 21:07 Uhr

Wie das Saarland spitze werden will

Was produziert ZF künftig, wenn nicht mehr so viele Getriebe gebraucht werden? Wie können Arbeitsplätze für Ältere auch in der Autoindustrie realisiert werden? Wie können neue Entwicklungen in vielen Branchen möglichst schnell an der Saar umgesetzt werden? Der neue „Digitalisierungsrat“ soll Trends aufspüren und Projekte für viele Branchen vorschlagen. Foto: ZF
Was produziert ZF künftig, wenn nicht mehr so viele Getriebe gebraucht werden? Wie können Arbeitsplätze für Ältere auch in der Autoindustrie realisiert werden? Wie können neue Entwicklungen in vielen Branchen möglichst schnell an der Saar umgesetzt werden? Der neue „Digitalisierungsrat“ soll Trends aufspüren und Projekte für viele Branchen vorschlagen. Foto: ZF FOTO: ZF
Saarbrücken. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer beruft heute ein neues Gremium ein mit Experten, unter anderem von Google, T-Systems, RWE und ZF. Es soll die Digitalisierung an der Saar in nahezu allen Bereichen voranbringen: von der Autoindustrie bis zur Bildung. Thomas Sponticcia

. Der Unternehmer August-Wilhelm Scheer (75) gehört zu den Wenigen, die heute schon als Auto einen Tesla fahren und daher auch wissen, wie sich Fahren ohne Getriebe in der Praxis "anfühlt".

Einer der Fragen, die den IT-Experten umtreiben, ist daher auch, wie sich solche neuen Trends etwa auf den Getriebehersteller ZF in Saarbrücken auswirken? Was will man künftig produzieren, wenn die Nachfrage nach Getrieben sinken wird? Was will Bosch in den Homburger Werkshallen herstellen, wenn die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen in einigen Jahren womöglich keine Rolle mehr spielt? Wie will man generell auf neue Trends schneller reagieren, möglichst auch an der Saar? Solche Themen müssen gerade auch in unserer Region früher angegangen und beantwortet werden, fordert Scheer.

Nicht nur er mahnt dazu, Trends schneller in greifbare Produkte und neue Arbeitsplätze umzusetzen. Auch Professor Wolfgang Wahlster , Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken , sieht hohen Handlungsdruck durch die mittlerweile zweite große Stufe der Digitalisierung . Mit Auswirkungen, die der normale Verbraucher womöglich noch für Science-Fiction hält. So seien Maschinen in Betrieben jetzt auch in der Lage, inhaltlich zu verstehen, was man ihnen mitteilt. Gleichzeitig könnten sie reagieren und sogar miteinander kommunizieren. Das bringe Autoproduzenten und Zulieferern viele neue Möglichkeiten, die Zusammenarbeit von Robotern und Menschen in der Produktion auszubauen.

Mit Hilfe einer schnellen Digitalisierung könne sich das Saarland in vielen Bereichen einen Wettbewerbsvorsprung verschaffen, ist Wahlster sicher. So auch in der Bildung. Der Einsatz von Digitalbrillen im Schulunterricht liefere etwa im Fach Chemie zusätzliche Messwerte, zum Beispiel eine Schwingungsanalyse. Möglich sei auch schon der digitale "Mathematik-Tutor", der beim Erledigen der Hausaufgaben per Computer neben einer Fehleranalyse Tipps gibt, wie man bei der Suche nach der richtigen Lösung vorgehen kann. Gerade die Bildung müsse jungen Menschen stärker den verantwortungsvollen Umgang mit den Möglichkeiten neuer Medien vermitteln. Auch die Verwaltung könne effektiver werden durch eine zentrale, zugriffssichere Erfassung von Daten, was Bürgern unnötige Wege erspare. Im Handel und im Gesundheitswesen entstünden derzeit viele neue Möglichkeiten. Die konsequente Nutzung der Digitalisierung bringe in nahezu allen Lebensbereichen Fortschritte.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) will diese Möglichkeiten jetzt systematisch ausbauen. Deshalb hat sie den Vorschlag von August-Wilhelm Scheer aufgegriffen, einen "Digitalisierungsrat" zu gründen, der Projekte für verschiedenste Bereiche und Branchen entwickeln, Hürden aufzeigen und Lösungsmöglichkeiten anbieten soll. So wird das Gremium auch der Frage nachgehen, wie man mit mehr Telearbeitsplätzen zuhause die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern kann, um einen Anstieg der Erwerbstätigkeit von Frauen zu erreichen.

Der "Digitalisierungsrat" wird heute zu seiner konstituierenden Sitzung in der Staatskanzlei zusammenkommen. Er besteht nicht nur aus Saarländern, denn es sollen regionale und überregionale Unternehmer, Wissenschaftler sowie Gewerkschafter ins Gespräch gebracht werden. So gehört dem Gremium auch Ferri Abolhassan an, Mitglied in der Geschäftsführung von T-Systems . Er wird unter anderem das Thema Sicherheitsaspekte im Umgang einbringen. Wem gehören die Daten künftig überhaupt, etwa, wenn Autos selbstständig fahren? Dem Hersteller oder gar Anbietern von App-basierten Dienstleistungen im Fahrzeug? Fragen, die auch Annette Kroeber-Riel von Google beschäftigen. Sie wird ebenso mitwirken wie ZF-Vorstandsmitglied Michael Hankel und Thomas Birr, Leiter der Abteilung Innovation der RWE AG . Die Interessen der Arbeitnehmer vertritt in dem Gremium Eva Maria Welskop-Defaa, Mitglied im Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi.