| 21:45 Uhr

Banken
Wenn Zinsen auf ein Nicht-Darlehen fällig werden

Saarlouis/Saarbrücken. Ein Anschreiben der Kreissparkasse Saarlouis an die Firmenkunden sorgt für Ärger. Doch die Forderung ist branchenüblich. Von Lothar Warscheid
Lothar Warscheid

Über mangelnden Ärger konnte sich die Kreissparkasse Saarlouis in den vergangen Wochen nicht beklagen. In einem Schreiben an die Firmenkunden kündigte sie unlängst an, dass sie künftig eine Kreditprovision von 0,80 Prozent pro Jahr erheben muss, wenn ein eingeräumter Kontokorrentkredit nicht in Anspruch genommen wird. Bislang fielen – wie allgemein üblich – bei dem Kreditinstitut „nur Sollzinsen auf den in Anspruch genommenen Kreditbetrag an“, merkt die Sparkasse an. Das soll sich ab 1. Juli mit der Einführung der Kreditprovision ändern. „Hierfür bitten wir Sie um Verständnis“, heißt es in dem Schreiben der Kreissparkasse Saarlouis weiter. Doch das Verständnis hält sich in Grenzen. Die Leute, die sich bei unserer Zeitung gemeldet haben, waren ziemlich sauer. „Ich schicke meinen treuesten Kunden ja auch keine Rechnung, weil sie meine Dienste nicht in Anspruch genommen haben, obwohl meine Personal- und Sachkosten weiterlaufen“, schimpfte ein Handwerker.


Stephan Eisenbart, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Instituts, sagt hingegen, dass sich die Aufregung in Grenzen gehalten hat, obwohl rund 1900 Briefe verschickt worden seien. „Manch einer hat mich gefragt, warum wir diese Provision erst jetzt eingeführt haben. Andere Banken würden das schon länger machen.“

Womit er nicht ganz unrecht hat. Recherchen unserer Zeitung bei anderen saarländischen Sparkassen haben ergeben, dass sich die meisten von ihnen ebenfalls eine Kreditprovision bezahlen lassen, diese aber individuell mit einzelnen Kunden vereinbaren. Lediglich die Saarlouiser haben einen Rundbrief verschickt. Eine Empfehlung des Sparkassenverbands, wie mit diesem Thema umzugehen ist, gibt es nicht. „Das ist Sache jeder einzelnen Sparkasse“, sagt Verbands-Geschäftsführer Christian Molitor.



Doch nicht nur im Sparkassenlager, auch bei den Genossenschafts- und Geschäftsbanken ist die Praxis der Kreditprovision verbreitet. „Die Konditionen werden „zwischen dem Institut und dem Kunden besprochen“, sagt Carlo Segeth, Sprecher der Saar-Genossenschafts-Banker und Vorstandschef der Bank 1 Saar. Ähnlich verfahren die Geschäftsbanken. Bei den Konditionsvereinbarungen mit Firmeninhabern werden „im Regelfall auch Bereitstellungsprovisionen für nicht in Anspruch genommene Linien vereinbart und im Vertrag aufgenommen“, sagt eine Sprecherin der Commerzbank. Ähnlich hält es die Deutsche Bank, so ein Sprecher.

Denn die Banken müssen für Kontokorrentkredite, die sie ihren Firmenkunden zur Verfügung stellen, Kapital in Reserve haben. „Das ist mit Aufwand verbunden“, sagt Sparkassen-Mann Eisenbart. Rund 220 Millionen Euro würde die Bank durchschnittlich vorhalten. Davon würden etwa 65 Millionen Euro in Anspruch genommen. Diese Relation soll verkleinert werden. „Denn es ist zu befürchten, dass in Zukunft Kontokorrent-Kredite stärker als bisher mit Eigenkapital hinterlegt werden müssen“, meint Eisenbart. „Das würde unserer Kennziffern verschlechtern. Daher müssen wir darauf reagieren.“