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| 21:09 Uhr

Zustell-Test
Wenn der Postmann seltener klingelt

Briefzustellung bei der Deutschen Post: Das Unternehmen hat in einem Pilotprojekt getestet, ob Kunden auch akzeptieren, wenn die Briefe seltener zugestellt werden.
Briefzustellung bei der Deutschen Post: Das Unternehmen hat in einem Pilotprojekt getestet, ob Kunden auch akzeptieren, wenn die Briefe seltener zugestellt werden. FOTO: Sebastian Kahnert / dpa
Kopenhagen. Muss die Post wirklich täglich kommen? In Deutschland ist ein entsprechender Test mit weniger Zustellungen zu Ende gegangen.

Noch keine Weihnachtspost verschickt? Keine Panik. Die Post verspricht: Wer seine Karte bis zum 21. Dezember einwirft, wünscht noch rechtzeitig „Frohes Fest“. Hierzulande jedenfalls. In Dänemark dagegen müsste man dann schon „Frohes Neues“ auf die Karte schreiben. Für Weihnachtsgrüße per normalem Brief ist es zu spät. Stichtag: 18. Dezember. Denn in Dänemark ist längst Realität, was in Deutschland gerade erprobt wurde – der Postbote kommt nicht mehr so oft.

In Deutschland ist die Post noch verpflichtet, an jedem Werktag überall Briefe zuzustellen. In den vergangenen Monaten jedoch hat sie ausprobiert, ob das überhaupt noch nötig ist. Ausgewählte Kunden konnten aussuchen, ob sie ihre Briefe ein halbes Jahr lang gesammelt an einem oder drei Wochentagen bekommen wollten.

Eine Woche für einen Brief, das ist in Dänemark nichts ungewöhnliches. Fünf Tage darf es dauern, bis ein Umschlag seinen Adressaten erreicht hat – es sei denn, man zahlt extra für einen „quickbrev“, einen Schnell-Brief, den man nicht in den roten Briefkasten an der Straßenecke werfen sollte. Doch auch die Schnell-Briefe kommen nicht immer am nächsten Tag an. Samstags hat der Briefträger nämlich generell frei.

Der Test in Deutschland hatte eine Welle von Kritik ausgelöst. Doch ein Ergebnis liegt auch nach dem Ende der Probephase noch nicht vor. Jetzt werde man die Erkenntnisse erst einmal in Ruhe auswerten, sagte eine Sprecherin. Hintergrund ist das seit Jahren schrumpfende klassische Privatbriefgeschäft mit der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft. E-Mails, Whats App und Facebook werden in der privaten Kommunikation immer wichtiger. Den überwiegenden Teil des Briefgeschäfts macht die Post mit Geschäftskunden. Nur rund 15 Prozent des Sendungsvolumens entfallen auf Privatkunden.

Bisher ist die Post in Deutschland als Universaldienstleister verpflichtet, Briefe täglich auszutragen. Der Test sollte auch die Akzeptanz für größere Zustell-Abstände ermitteln. Bei den Dänen werden normale Briefe derzeit noch etwa zweimal die Woche ausgetragen. Die Briefträger nähmen sich pro Tag ein bestimmtes Gebiet vor, erläutert ein Sprecher. Montags die eine Gegend, dienstags die andere, donnerstags wieder die eine Nachbarschaft, freitags wieder die andere. Bald soll der heimische Briefkasten sogar nur noch einmal die Woche gefüttert werden.

In Dänemark ist allerdings die Situation auch anders als in Deutschland. Dort werden fast 80 Prozent weniger Briefe verschickt als noch zur Jahrtausendwende. Allein in den ersten neun Monaten 2017 sank die Menge um 20 Prozent. Während in Deutschland die Geschäftspost noch immer rund 85 Prozent des Briefvolumens ausmacht, funktioniert in Dänemark die Behörden- und Geschäftspost weitgehend papierlos. Jeder Däne hat ein elektronisches Postfach, in dem er so ziemlich alles vom heimischen Sofa aus erledigen kann. Neuen Pass beantragen, Arzt wechseln, Bafög beantragen, Steuererklärung abgeben. Briefmarke überflüssig. Im vergangenen Jahr stand bei der dänischen Post wegen des drastischen Rückgangs beim Briefaufkommen vor Zinsen und Steuern ein saftiges Minus von rund 140 Millionen Euro in der Bilanz. Das Unternehmen hat deshalb ein Sparprogramm aufgelegt, das 4000 der zu Jahresbeginn noch etwas mehr als 9000 Arbeitsplätze kosten könne. Statt auf Briefe konzentriere man sich stärker auf Pakete. Denn der Onlinehandel wächst im Norden wie in Deutschland. „Wir machen aus einem Postunternehmen mit ein wenig Logistik ein Logistikunternehmen mit ein wenig Post“, sagte Post-Chef Peter Kjær Jensen der Zeitung „Politiken“. 

Eine Änderung soll es allerdings auch in Deutschland geben: Hier könnten die Postboten künftig Hilfe von Robotern bekommen. Einen entsprechenden Test im osthessischen Bad Hersfeld mit einem Begleitroboter im Zustelldienst beendete die Deutsche Post erfolgreich; sie will das Projekt weiterentwickeln. Das vierrädrige, 1,50 Meter hohe Gefährt folgt den Zustellern und kann bis zu 150 Kilogramm Postsendungen tragen.

(dpa)